merken
PLUS

Daubaner wollen eine Hauptstraße

Die Vorfahrtsschilder an der Straße zum Sägewerk sind weg. Damit seien Unfälle programmiert, sagen die Anwohner.

© André Schulze

Von Steffen Gerhardt

Dauban. Die Welt schien in Dauban in Ordnung zu sein, denn die Verkehrsführung auf der Straße zum ehemaligen Sägewerk ist bisher klar geregelt gewesen. Eine Hauptstraße zum Betriebsgelände – und wer von rechts oder links mit dem Fahrzeug kommt, muss anhalten. Doch bereits im November vergangenen Jahres verschwanden alle Vorfahrtsschilder und wurden durch Hinweisschilder ersetzt, die darauf verweisen, dass die Vorfahrt geändert ist. Festgelegt von der Unteren Straßenverkehrsbehörde Niesky, die für den Verwaltungsverband Diehsa mit zuständig ist.

Anzeige
Betreutes Wohnen in idyllischer Lage
Betreutes Wohnen in idyllischer Lage

Im Februar eröffnet das Familienunternehmen Kunze ein neues Haus am Quitzdorfer Stausee - mit einem besonderen Konzept.

Das nimmt die Mehrzahl der Anwohner so aber nicht hin. Andrea Ladusch argumentiert, dass die Straße Zum Sägewerk seit Jahrzehnten eine Vorfahrtsstraße war. „Soweit uns bekannt ist, hat dies zu keinem Zeitpunkt zu einer verminderten Verkehrssicherheit geführt. Hinzu kommt, dass eine Unfallstatistik, die das Eingreifen einer Verkehrsaufsichtsbehörde erforderlich macht, nach unserer Kenntnis nicht existiert.“ Vielmehr sieht die Daubanerin durch die Wegnahme der Vorfahrtsschilder „Gefahrenquellen, die zuvor nicht vorhanden waren“.

Der Protest der Anwohner gegen den „Schilderklau“ auf ihren Straßen bleibt nicht aus. Im Januar legten sie eine Beschwerde bei der Unteren Straßenverkehrsbehörde ein. Im Monat darauf erfolgte eine Unterschriftensammlung, um den bisherigen Zustand wieder herzustellen. Über 100 Bürger unterschrieben. Auch diese Liste ging an die Nieskyer Behörde.

Auf die Beschwerde und ein Gespräch mit der Behörde nach neun Wochen die Antwort aus dem Nieskyer Rathaus an Laduschs. Ihnen wurde mitgeteilt, dass die von den Anwohnern vorgebrachten Sachverhalte und Ansichten nicht zu einer Rücknahme der behördlichen Entscheidung führen. Die Behörde beruft sich auf die bereits am 14. April 2016 durchgeführte Verkehrsschau vor Ort. Sie erfolgte zusammen mit der Polizei und der Gemeinde Hohendubrau als Straßeneigentümerin. Schon damals wurde festgelegt, dass künftig rechts vor links gelten soll.

Nachdem bei der Schau festgestellt wurde, dass die Straße Zum Sägewerk und die angrenzenden Straßen überwiegend dem Anliegerverkehr dienen und auf ihnen nur geringer Verkehr herrscht, „bedarf es der Erfahrung nach keiner Vorfahrtsbeschilderung“, heißt es in dem Antwortschreiben. Vielmehr dient das Aufheben der Vorfahrt der Erhöhung der Wohnqualität, der Verkehrssicherheit und der Verkehrsberuhigung, teilt die Straßenverkehrsbehörde abschließend mit.

Dieser Meinung sind nicht alle Anwohner. Annett Blaschey wohnt an der Hauptstraße. Nicht nur für sie bedeutet das jetzt, wenn sie die Hauptstraße zu ihren Eltern herunterfährt, an jeder Einmündung anzuhalten beziehungsweise die Geschwindigkeit zu drosseln, denn es könnte ja jemand kommen. „Das Anhalten und wieder Losfahren kostet nicht nur mehr Kraftstoff, sondern erhöht auch den Geräuschpegel“, argumentiert die Chefin des Dorfklubs. Hinzu kommt die Schwierigkeit für den Auswärtigen, so Frau Blaschey, dass sich nur schwer unterscheiden lässt, ob von rechts eine Straße kommt oder sich nur eine Grundstücksausfahrt befindet.

Jetzt warnen die Hinweisschilder vor jeder Querstraße. Aber sie stehen nur noch diesen Monat, denn nach einem halben Jahr ist die Phase der Umgewöhnung beendet und die Kreuzungsschilder werden wieder weggenommen.

Für Bürgermeister Denis Riese ist die Verkehrsführung klar geregelt. „Sie ist nicht von mir festgelegt worden, sondern von der zuständigen Straßenverkehrsbehörde“, sagt er auf Nachfrage der SZ. Und: Sollte die Behörde zu einer anderen Entscheidung kommen, werde sie die Gemeinde umsetzen. Aber danach sieht es gegenwärtig nicht aus.

Andrea und Frank Ladusch haben auf der Gemeinderatssitzung im März die Abgeordneten für das Problem sensibilisieren wollen und ausführlich begründet, warum die alte Vorfahrtsregelung wieder her sollte. Aber so richtig schien das Thema niemanden zu interessieren, zumindest im öffentlichen Teil der Sitzung. Denn diskutiert wurde darüber nicht. Nur eine Sache konnte bisher abgewendet werden: Auf die Hauptstraße sollten Schwellen geschraubt werden, die ein Langsamfahren an den Kreuzungen erzwingen. „Das war ein Gedankengang, der vom Tisch ist“, sagt der Bürgermeister. Die Gemeinde hätte die Schwellen anschaffen müssen.