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Dauerregen reicht noch nicht

Seit Monaten führen die Flüsse wieder mehr Wasser. Der Grundwasserspiegel bleibt dennoch zu niedrig.

Von Verena Toth
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Weil der Wasserstand in der Mulde am Wochenende anstieg, wurden die Flutmulde und Hochwasserschutz-Baustelle an der Straße des Friedens in Döbeln geflutet.
Weil der Wasserstand in der Mulde am Wochenende anstieg, wurden die Flutmulde und Hochwasserschutz-Baustelle an der Straße des Friedens in Döbeln geflutet. © André Braun

Döbeln. Grauer Himmel, immer wieder Regen oder Schnee – die Wettervorhersagen sorgen nicht unbedingt für gute Laune. Von eingeschneiten Winterlandschaften ist die Region derzeit weit entfernt. Stattdessen sorgte der Dauerregen für einen ansteigenden Wasserstand in der Mulde, so dass am Sonntag das Verteilerwehr in Döbeln geöffnet werden musste. 

Wie Britta Andreas, Sachbearbeiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in der Landestalsperrenverwaltung Sachsen bestätigt, mussten dadurch auch die derzeitigen Baustellen in der Flutmulde geflutet werden. Diese waren jedoch bereits beräumt , so die Pressesprecherin. „Bei sinkenden Pegeln wird das Wehr wieder geschlossen, sodass die Bauarbeiten wieder aufgenommen werden können“, ergänzte sie noch.

Die Niederschläge seit Dezember sorgten dafür, dass nach über sechs Monaten an allen sächsischen Pegeln erstmals wieder die Durchflüsse über dem mittleren Abfluss (MQ), also dem durchschnittlichen Abfluss bemessen auf ein Normaljahr, lagen, berichtet die Pressesprecherin des Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie Karin Bernhardt. Die Flüsse in der Region Döbeln seien derzeit ordentlich gefüllt. Eine Hochwassergefahr bestehe aber nicht, versicherte sie.

Obwohl es nun den lange erwarteten Regen gegeben hat, sind die Nachwirkungen des Dürresommers 2018 noch lange nicht ausgestanden. So kommt das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie auch in seinem jüngsten Wochenbericht zur Situation des Wasserhaushalts zu folgendem Fazit: „Aktuell werden in Sachsen überwiegend gleichbleibende beziehungsweise fallende Grundwasserstände registriert. Derzeit unterschreiten 87 Prozent aller Messstellen den monatstypischen Grundwasserstand um durchschnittlich 73 Zentimeter.“ 

Und Pressesprecherin Karin Bernhardt ergänzt weiter: „In den nächsten Wochen ist weiter mit gleichbleibenden und sogar noch fallenden Grundwasserständen zu rechnen. Obwohl der Regen kurzfristig die Pegel in den Fließgewässern ansteigen lässt, sind die Folgen für das Grundwasser noch lange spürbar.“ Langfristberechnungen hätten ergeben, dass bis zum Jahre 2100 mit einem Rückgang der Grundwasserneubildung bis maximal zehn Prozent zu rechnen sei.

Trotzdem ist und war die Versorgung mit Trinkwasser in der Region Döbeln-Oschatz jederzeit sichergestellt. Das bestätigt Tina Stroisch, Sprecherin der Trinkwasser Veolia (ehemals Oewa). „Auch bei großer Hitze wie im vergangenen Jahr gibt es hier genügend Trinkwasser für alle“, sagt sie. 

Möglich mache das das gut funktionierende Verbundsystem der insgesamt 16 Wassergewinnungsanlagen in der Region. Dazu zählen unter anderem die Jahna-Aue sowie die Wasserwerke in Großböhla und Gärtitz, die für den Raum Oschatz und Döbeln von großer Bedeutung sind. „Auch wenn uns in diesem Jahr erneut eine längere Trockenzeit erwarten sollte, kann dadurch die Versorgung mit dem kühlen Nass rund um die Uhr im gesamten Versorgungsgebiet sichergestellt werden“, versichert die Veolia-Sprecherin.

Auch für die Landwirte in der Region ist der derzeit fallende Regen besonders gern gesehen. „Es ist für die Böden ganz besonders wichtig, dass jetzt die Reserven wieder aufgefüllt werden können“, sagte Iris Claassen vom Regionalbauernverband Döbeln. Die Niederschläge seien vor allem für die bereits ausgebrachten Wintersaaten wie Weizen, Gerste und Raps gerade noch rechtzeitig gefallen. 

„Die Bestände in unserer Region sehen recht gut aus“, so Claassen. Obwohl der Hitzesommer auch für die Landwirte in der Döbelner Region eine besondere Belastung dargestellt hat, seien die Schäden nicht so schlimm ausgefallen wie in anderen Regionen des Landkreises. Auf die vom sächsischen Umweltministerium bereitgestellten Dürrehilfen habe kaum ein Landwirt der Region zurückgegriffen.

Der mit Abstand größte prozentuale Anteil an den Gesamtschäden (22,25 Millionen Euro) und auch beantragten Beihilfen (10 Millionen Euro) ist mit etwa 30 Prozent im Landkreis Nordsachsen zu verzeichnen. Aus Mittelsachsen sind 24 Anträge eingereicht worden. Die mittelsächsischen Landwirte haben Dürrehilfen in Höhe von rund 2,8 Millionen Euro beantragt. Die Schadensumme ist mit rund 7,3 Millionen Euro mehr als doppelt so hoch.