merken
PLUS Döbeln

Daumendrücken für Alena

Die Vierjährige aus Flöha leidet an einer lebensbedrohlichen Krankheit. Eine Knochenmarkspende könnte kommen. Ihre Uroma aus Waldheim unterstützt sie.

Der vierjährigen Alena ist nicht anzusehen, dass sie sehr krank ist. Sie leidet am plötzlichen Versagen der Blutbildung im Knochenmark.
Der vierjährigen Alena ist nicht anzusehen, dass sie sehr krank ist. Sie leidet am plötzlichen Versagen der Blutbildung im Knochenmark. © Nicole Röder

Waldheim/Flöha. Endlich darf Erika Janasek ihre Urenkelin Alena (4) wieder mal so richtig knuddeln. Darüber ist die Waldheimerin sehr froh. Denn Alena hat eine lebensbedrohliche Krankheit.

Dabei handelt es sich um das plötzliche Versagen der Blutbildung im Knochenmark. Eine Ursache gibt es nicht. Die Untersuchungen nach Ostern ergaben, dass in Alenas Knochenmark kaum mehr rote und weiße Blutkörperchen gebildet werden. Die für die Blutbildung zuständigen Stammzellen versagten ihren Dienst. 

Anzeige
Kompakt, regional und sicher
Kompakt, regional und sicher

Die Fachmesse "all about automation" findet am 23. und 24. September 2020 in Chemnitz statt - mit einem umfassenden Hygienekonzept.

Deshalb bekommt Alena seit einigen Monaten eine Immuntherapie. Zweimal in der Woche muss sie entweder ins Krankenhaus nach Chemnitz oder nach Dresden. 

„Wir und auch die Ärzte sind vorsichtig optimistisch, dass diese Therapie anschlägt. Es sieht zurzeit gut aus. Die Blutwerte werden besser“, sagte Vater André Riedel.

Waldheimer starten Aufruf zur DKMS-Registrierung

Etwa ein Jahr könnte die Immuntherapie dauern. Wichtig sei, so Riedel, dass keine Leukämie dazukommt. Deshalb muss Alena auch aller vier Wochen zur Knochenmarkpunktion. 

„Sollte Leukämie festgestellt werden, benötigt Alena sofort eine Knochenmarkspende. Deshalb wird die Suche nach einem passenden Spender parallel zur Therapie fortgesetzt.

Auch die Urgroßeltern aus Waldheim, die sich um ihren kleinen „Wackelarsch“ sorgen, wollen ihren Beitrag leisten. Stammzellspender können sie nicht mehr werden, aber Leute dazu aufrufen, sich bei der Deutschen Knochenmarkspendedatei (DKMS) registrieren zu lassen, schon .

Besuch der Urgroßeltern in Waldheim wieder möglich

„Nach dem Artikel auf Sächsische.de gab es viel Resonanz. Oft wurden wir von Leuten angesprochen. Anrufe und Unterstützungsangebote kamen sogar aus verschiedenen Bundesländern“, so Erika Janasek. 

Alle drücken Alena die Daumen, dass dem lebenslustigen Mädchen geholfen werden kann. Das kann nun auch wieder im braunen Relaxsessel im Wohnzimmer der Janaseks, ihrem Lieblingsplatz, sitzen. „Die Kinder mögen das Teil, weil es daran so viel zu verstellen gibt“, so Oma Erika. Besuche in Waldheim waren in den vergangenen Wochen nicht immer möglich.

Genau in der Zeit, in der die Krankheit bei der Vierjährigen festgestellt wurde, befand sich Deutschland wegen Corona im Lockdown. Die Urgroßeltern konnten mit ihrer Enkelin, deren Schwestern und Eltern nur per Handy kommunizieren.

Seit den Lockerungen können die Urenkel, die in Flöha leben, ihre Urgroßeltern wieder besuchen. Oder Erika (80) und Wolfgang (84) setzten sich ins Auto, um ihre Lieben zu sehen. Mindestens aller 14 Tage ist ein Treffen angesagt. 

"Ich bin froh, dass Alena stabil ist"

Denn Familie wird bei den Janaseks großgeschrieben. Und das nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten. Täglich kommen auf dem Handy von Oma Erika, wie sie von allen genannt wird, Fotos und aktuelle Meldungen an.

Die 80-Jährige hat sich sogar in einem Notizheft eine Tabelle angelegt. In dieser notiert sie nach jeder Untersuchung von Alena unter anderem die Anzahl der Thrombozyten, der Leukozyten und andere Werte. 

„Anhand der Tabelle kann ich mir ein Bild machen, wie es unserer Kleinen geht. Ich bin froh, dass Alena stabil ist“, sagte die Waldheimerin. Doch das könne sich jederzeit ändern. Das ist den Urgroßeltern bewusst.

Kein Wasserspaß für die Vierjährige aus Flöha

Sogar in den Urlaub konnte die Vierjährige mit ihrer Familie nach Braunlage in den Harz fahren. Vor dem Start ging es noch einmal zur Untersuchung ins Dresdner Krankenhaus. Alena zeigte ihren Schwestern die Klinik. Allerdings ging das wegen Corona nur von außen. Im Urlaub wurde Alena im Krankenhaus in Göttingen behandelt.

„Unsere Kleine muss sich auch vor der Sonne sehr in Acht nehmen. Einmal war es wohl ein wenig zuviel. Es kam zu einer fototoxischen Reaktion. Und schon platzten unter anderem die Lippen auf. Bis das verheilt war, dauerte es“, so Oma Erika. 

Nun trägt Alena immer einen Sonnenhut. Auch ins Wasser darf die Vierjährige nicht. Das ärgert sie sehr. Sind doch ihre beiden älteren Schwestern Kanusportlerinnen. „Doch dabei sein will der kleine Wackelarsch immer und wenn sie die Boote vom Steg schiebt“, erzählt die Uroma. Stolz trage Alena das blaue T-Shirt, das alle Kanu-Sportler erhielten.

Familie kommt als Spender nicht infrage

Überhaupt versuchen die Eltern und Geschwister, die Zeit mit Alena zu einem kleinen Abenteuer werden zu lassen. So durften sie kürzlich im Garten zelten. Geschlafen wurde nur auf Decken, weil die Kinder das Gras spüren wollten.

Trotz der vielen schönen Erlebnisse wissen alle, dass ihnen noch ein schwieriger und langer Weg bevorsteht. Doch sie sind voller Hoffnung, dass alles wieder in Ordnung kommt. Für den Fall, dass schnell gehandelt werden muss, wird immer noch nach einem Spender gesucht. 

Eltern und Geschwister kommen nicht infrage, da die genetische Übereinstimmung zu gering ist. In der Datenbank der DKMS gibt es derzeit keinen idealen Spender für Alena.

Registrierungsset per Internet bestellbar

Deshalb hat der Turn- und Sportverein (TSV) 1848 in Flöha eine Aktion zur Stammzellen-Typisierung gestartet. Diese muss wegen der Corona-Pandemie individuell erfolgen. Dafür gibt es eine Online-Registrierung. Mit Unterstützung des TSV wurde auf der Internetseite der DKMS eine Aktionsseite für Alena angelegt. 

Dort können sich Interessierte einschreiben und ein Registrierungsset anfordern. Das enthält ein Wattestäbchen für den Wangenschleimabstrich sowie die Einverständniserklärung. Beides wird per Post an das DKMS-Labor geschickt.

Weiterführende Artikel

Stäbchen rein, Enricos Held sein

Stäbchen rein, Enricos Held sein

Kurz vor Weihnachten bekam der Familienvater aus Lommatzsch die Diagnose Blutkrebs. Am Sonnabend wird sein Lebensretter gesucht.

Bisher haben nach Angaben der DKMS 427 mögliche Spender einen Test angefordert. Die Urgroßeltern und die Familie hoffen, dass sich noch weitere Leute an der Typisierungsaktion beteiligen.

Die Online-Registrierung erfolgt im Internet unter www.dkms.de/de/better-together/alena

Mehr lokale Nachrichten aus Döbeln und Mittelsachsen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Döbeln