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Dazugelernt

Ralf Gackstatter zog es mit 22 Jahren in den Schwarzwald. Doch er entschied sich wieder für Sachsen.

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Von Franz Herz

Ralf Gackstatter hat gerade seine Maschine eingerichtet beim Drehteilehersteller Herbrig in Bärenstein. Präzise Arbeit, die hat er gelernt seinerzeit als Werkzeugmacher in Dresden in den 1980er-Jahren. Und jetzt macht sie ihm auch wieder richtig Spaß, seitdem er nach Sachsen zurückgekehrt ist. Nun hat er einen Moment Pause, und erzählt seine Geschichte. Sie berichtet von einer glücklichen Heimkehr und von dem, wie er viel dazugelernt hat.

Als die Wende kam, war er 22 Jahre jung und unternehmungslustig. Er hatte zwar eine Stelle als Servicemechaniker. Doch als sein Bruder von den Verdienstmöglichkeiten im Schwarzwald erzählte, machte er sich auf den Weg. Allerdings ohne finanziellen Rückhalt und ohne den nötigen Plan, wie er das heute beurteilt. Das würde er nicht mehr so machen. So hat er anfangs zur Untermiete gewohnt und drei Jahre als Paketzusteller gearbeitet. Da hat er fachfremd gearbeitet und einen Knochenjob gemacht. Das wäre nicht nötig gewesen. Die Industrie in Baden-Württemberg hat damals schon Fachleute gesucht. Ein Werkzeugmacher wie Gackstatter hätte leicht eine passende Stelle gefunden. Aber das hat der junge Mann damals nicht gewusst. „Ich war ja nicht vorbereitet“, sagt er offen. Dazu kam noch eine Trennung. Seine Frau ging schnell wieder zurück.

Er hat in dieser Zeit einen Nachbarn kennengelernt, der auch aus dem Osten kam, aus Mecklenburg-Vorpommern. Über ihn kam er wieder in der Metallbranche. Bei einer Firma, die Dreh- und Frästeile herstellte, hat er als Einsteller gearbeitet. „Da war ich in meinem Beruf“, sagt er. Er konnte sogar bleiben, als die Firma eine Insolvenz durchgemacht hat. So arbeitete Gackstatter 17 Jahre in dem Unternehmen.

Aber privat ist er mit den Schwaben nie warm geworden.„Ich hatte Kollegen, aber darüber ist es nie hinausgegangen“, erzählt er. Es gab nur eine Ausnahme, den Nachbarn aus Mecklenburg-Vorpommern. Mit ihm ist er in eine Wohngemeinschaft gezogen, um Geld zu sparen.

Da hörte er vor einigen Jahren mit Interesse, was sein Onkel sagte. Der ist Unternehmensberater und erzählte, dass auch in Sachsen die Industrie wieder Fachleute sucht und gut bezahlt. Das traf sich günstig. Gackstatters Mitbewohner hatte schon aus Ostzeiten immer den Traum, einmal in die Region Dresden zu ziehen. So trafen sie gemeinsam die Entscheidung zur Rückkehr. Sie hatten dazugelernt und gingen das Vorhaben planmäßig an. 2011 fingen sie an zu sparen, damit jeder eine eigene Wohnung einrichten konnte. Im Februar 2013 haben sie im Schwarzwald gekündigt. Da wussten sie schon, dass sie beide zu Herbrig nach Bärenstein gehen.

Gackstatter hat sich in der Region um Dresden umgeguckt und die Arbeit bei Herbrig hat ihn überzeugt. „Es ist ein modern eingerichteter Betrieb, und durch das Drei-Schicht-System ist der Verdienst sehr ordentlich“, sagt er. Das sind Gründe, warum er letzten Sommer in Bärenstein angefangen hat. „Seitdem ist mir ein Stein vom Herzen gefallen“, beschreibt er, wie es ihm geht – zurück in der Heimat.

Sein Chef Christoph Herbrig ist darüber auch froh. Er sieht in der Rückkehr von Leuten, die vor Jahren Sachsen verlassen haben, eine große Chance für beide Seiten. Die einen können in ihre Heimat zurück, zu Familie und Freunden. Und die Unternehmen der Region bekommen dadurch gute Fachkräfte mit Erfahrung.