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DDR-Bürozeile an Könneritzstraße verschwindet

Münchner Investoren wollen gegenüber vom Bahnhof Dresden-Mitte einen modernen Neubaukomplex errichten.

© André Wirsig

Von Peter Hilbert

Hoch ragt der alte Bürotrakt an der Könneritzstraße 25 in Dresden empor. Doch die gelben und blauen Fassaden sind in die Jahre gekommen. Anfang der 1980er-Jahre war die knapp 200 Meter lange moderne Stahlskelett-Konstruktion für den Energiebau Radebeul errichtet worden. Heute sind vor allem Büros und Bildungseinrichtungen darin untergebracht. Doch die Jahre des Gebäudes sind gezählt.

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Ein sonniger Tag tut Körper und Geist gut. Doch ob auf dem Balkon, im Garten oder am Wasser: Hautschutz ist dabei unerlässlich.

Das Ziel: Neubauten nach dem Vorbild

moderner Gebäude am Schützenplatz

Das Haus gehört zum fast 20 000 Quadratmeter großen Grundstück, das von Könneritz-, Jahn- und Laurinstraße sowie Schützengasse begrenzt wird. Dieses Areal haben Münchner Investoren gekauft, um mit der eigens gegründeten Schützenplatz GmbH & Co KG dort neu zu bauen. Sie planen, hier hochwertige Wohnungen zu errichten. Ein Vorbild dafür sind die wenige Meter entfernt vom Bauträger Columbus gebauten modernen Häuser am Schützenplatz. Außerdem sollen in den Neubauten Büros, ein Supermarkt sowie ein Parkhaus errichtet werden. Doch mit ihren Plänen stehen die Investoren ganz am Anfang.

Die Investoren: Ehrgeizige Projekte in Radebeul und München verwirklicht

In der Bauträger-Gesellschaft arbeiten die Münchner Unternehmer Christoph Dross sowie Ulf und Jens Laub zusammen. Die Bayern kennen sich seit Studienzeiten. Der 48-jährige Dross ist seit 1996 in der Region aktiv. In Radebeul hatte der Diplom-Kaufmann und promovierte Betriebswirt Häuser in Altkötzschenbroda saniert und mit den Sidonienhöfen ein Ortsteil-Zentrum in Radebeul-Ost geschaffen. Auch in Dresden hat er mehrere Gebäude saniert.

Die 54 beziehungsweise 47 Jahre alten Brüder Ulf und Jens Laub stehen an der Spitze der Optima-Aegidius-Firmengruppe. Die gehört zu den großen deutschen Projektentwicklern. Die Gruppe hat unter anderem die Nymphenburger Höfe in München mitgebaut und errichtet derzeit die Opernlofts in Berlin.

Der Wettbewerb: Ende Juni sollen

Architekten Entwürfe vorlegen

Jetzt sollen die ersten Vorarbeiten für das neue Dresdner Großprojekt beginnen. Zum Auftakt hatten die Investoren kürzlich fünf Architekturbüros eingeladen, darunter zwei Dresdner. In einem Werkstattverfahren, einer Art Architekturwettbewerb, sollen sie in den kommenden Wochen ihre Entwürfe erarbeiten. Die werden letztlich von Vertretern des Stadtplanungsamtes, Experten und den Investoren bewertet. Geplant ist, dass die Ideen am 27. Juni vorgestellt werden. Dross erläuterte den Architekten beim Auftakt-Kolloquium die Vorstellungen der Investoren. „Das Gebiet wird sich in den kommenden Jahren toll entwickeln“, sagte er mit Blick auf das Kulturkraftwerk und andere Bauprojekte im Umfeld. „Das Gebäude auf der Könneritzstraße 25 ist aber ein Störfaktor.“ Also wird es verschwinden. Später sollen unter dem Arbeitstitel „Wettiner Höfe“ Neubauten entstehen. „Eine Wohnnutzung an der Könneritzstraße ist aber kaum möglich“, nannte Dross ein Problem. Denn der Lärm von der dicht befahrenen Straße und der Bahnstrecke sei zu stark. Mit Höhen von bis zu sieben Geschossen sollen neue Gebäude entstehen. „Dabei müssen wir uns am Umfeld orientieren“, nannte Investor Jens Laub einen Schwerpunkt.

Die Nutzung: Biomarkt und Parkhaus

direkt an Könneritzstraße möglich

Der Neubau direkt an der Könneritzstraße müsse als eine Art Lärmriegel wirken, erklärte Dross. Im Erdgeschoss könnte es für Handel genutzt werden. „20 kleinere Tante-Emma-Läden würden dort aber nicht funktionieren“, sagte er. Deshalb kann sich Dross einen Lebensmittel- oder einen Biomarkt mit einer Verkaufsfläche zwischen 800 und 1 500 Quadratmetern vorstellen. Möglich sei es, die Etagen darüber als Parkhaus mit 600 Stellplätzen fürs neue Gebiet zu nutzen. „Dafür gibt es auch schon Interessenten“, so der Investor. „Es wird aber kein neues Einkaufszentrum entstehen.“

Allerdings stellte Jens Laub auch klar, dass durchaus auch andere Nutzungen möglich sind. „Wir reißen uns nicht um Einzelhandel.“ Denn die Mieten seien nicht so hoch, dass sie für ihn als Investor sonderlich attraktiv wären. „Man darf auch kreativ denken und andere Vorschläge bringen“, forderte er die Architekten auf.

Hinter dem Neubau an der Könneritzstraße könnten abgestufte, hochwertige Häuser mit 300 bis 500 Wohnungen errichtet werden. „Hier haben wir auch die Chance, das Konzept der tollen Wohnbebauung am Schützenplatz fortzusetzen“, nannte Dross ein Ziel. Ähnliche Pläne gebe es für die Neubauten am Herzogin Garten. In den Häusern soll es Wohnungen von einem bis zu vier Zimmern geben.

Der Auftakt: Alte Kaffeerösterei

fällt unter den Abrissbagger

Nachdem im Wettbewerb der beste Entwurf ermittelt ist, soll mit einem Bebauungsplanverfahren die rechtliche Voraussetzung für das Großprojekt geschaffen werden. Zu konkreten Zeitplänen wollte sich Investor Dross gegenüber der SZ aber noch nicht äußern. Erste Abrissarbeiten beginnen jetzt. Verschwinden soll die alte Kaffeerösterei am Schützenplatz (siehe Grafik). Damit wird ein erster Teil der Fläche frei, die später neu bebaut werden kann. Dafür sieht Dross gute Chancen. „Es ist ein Gebiet im Zentrum mit hervorragender Infrastruktur. Hier könnte spannende Architektur entstehen.“