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DDR-Garagen droht der Abriss

Kleine Parkhäuser sollen das Stellplatzproblem im Spitzgrund lösen. Dafür müssten alte Garagen erst mal Platz machen.

Von Peggy Zill
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Am Eschenweg gibt es zwei Garagenkomplexe mit zusammen mehr als 100 Garagen aus DDR-Zeiten. Denen droht der Abriss. Stattdessen sollen Grünflächen entstehen oder neue, kleine Häuser gebaut werden.
Am Eschenweg gibt es zwei Garagenkomplexe mit zusammen mehr als 100 Garagen aus DDR-Zeiten. Denen droht der Abriss. Stattdessen sollen Grünflächen entstehen oder neue, kleine Häuser gebaut werden. © Norbert Millauer

Coswig. Dass es eine „heilige Kuh“ sei, die da geschlachtet werden soll, weiß Bauamtsleiter Wolfgang Weimann. Mehr als 180 Garagen aus DDR-Zeiten droht im Spitzgrund der Abriss. Stattdessen sollen sogenannte Parkpaletten gebaut werden, um das Stellplatzproblem im Wohngebiet zu lösen. Die Garagenpächter sind von diesen Plänen nicht begeistert. Wolfgang Weimann versteht das. Aber er sagt auch: „Wir können die Autos nicht wegzaubern.“

Warum müssen die Garagen überhaupt weg?

Für den Spitzgrund wurde ein städtebauliches Entwicklungskonzept zusammengestellt. Darin wird festgehalten, wie es bis 2030 im Wohngebiet weitergehen soll. Etwa die Hälfte der Bewohner des Spitzgrunds ist über 65 Jahre alt. Damit frei werdende Wohnungen auch künftig attraktiv sind, also den Bedürfnissen junger Familien entsprechen, werden neue Wohnformen gebraucht. 

Das soll durch Zusammenlegungen von Wohnungen, Änderungen der Grundrisse und andere Umbauten erfolgen. Wer Wohnungen anbietet, muss auch Stellplätze für die Mieter haben. Aktuell gibt es 840 Wohnungen, aber nur 385 Stellplätze und 245 Garagen. Weil für neue Parkmöglichkeiten keine Grünflächen geopfert werden sollen, bleiben nicht viele Grundstücke übrig, auf denen die kleinen Parkhäuser gebaut werden können.

Auf ein großes Parkhaus will man sich nicht beschränken. Man habe von der Dresdner Straße gelernt. Das Parkhaus dort ist nicht ausgelastet. Auch weil es, so Weimann, für manche zu weit weg liegt. Ideal wäre, einen Stellplatz im Umkreis von 300 Metern zu haben.

Wem gehören die Grundstücke und Garagen?

Gebaut wurden die Garagen zur DDR-Zeiten im Schweiße ihres Angesichts und in Zeiten von Materialknappheit mit viel Aufwand von den Eigentümern selbst. Allerdings auf fremden Boden. Was zu DDR-Zeiten kein Problem war, wurde es nach der Wiedervereinigung. 

Um Konflikte zu vermeiden, wurde extra ein Gesetz erlassen, das den Nutzern eine Entschädigung versprach, wenn sie ihre Garagen abgeben wollen oder müssen und diese in Eigentum des Grundstücksbesitzers übergehen. Doch die Frist dafür ist schon 2007 abgelaufen.

Die Grundstücke sind Eigentum der Stadt. Sie werden an die Garagengemeinschaften verpachtet. Die aktuellen Verträge laufen noch bis Ende 2025. Die Frage sei, was danach damit passiert, so Weimann. Denn dann gehören auch die Garagen der Kommune.

„Will ich als Stadt bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag diese Garagen verpachten? Was passiert, wenn sie baufällig werden?“ Er verstehe, dass die Pächter es besser finden würden, wenn alles beim Alten bleibt. Auf der anderen Seite werden die Mieter nach Stellplätzen fragen. In dieser Zwickmühle befindet sich die Verwaltung bei ihren Plänen.

Mit einer Entschädigung sollten die Eigentümer nicht rechnen, sagt Rechtsanwalt und Immobilienwirt Hans-Peter Dietrich. Denn die gibt es nur, wenn die Garagen dafür sorgen, dass eine Werterhöhung des Grundstücks eingetreten ist. Diese müssen die Eigentümer nachweisen. Der Rechtsanwalt rate in der Regel von einem Rechtsstreit ab. „Dann bekommt man 300 Euro Entschädigung, hat aber 1.000 Euro Anwalts- und Gerichtskosten.“

Ein weiterer Punkt, der nach Beendigung der Pachtverträge geklärt werden muss, sind die Abrisskosten. Endet der Vertrag bis zum 31. Dezember 2022 und lässt die Stadt die Garagen dann abreißen, kann sie von den bisherigen Nutzern die Hälfte der Kosten zurückverlangen. Ab 2023 muss der Nutzer laut Gesetz die vollen Abrisskosten tragen.

Was sagen die Eigentümer zu den Abrissplänen?

Bisher kümmern sich die Garagengemeinschaften und ihre Mitglieder selbst um Grundstück und Gebäude. „Wir stecken jedes Jahr 10.000 Euro in die drei Objekte. Dächer und Tore wurden erneuert. Die Garagen sind sehr gepflegt und ordentlich“, sagt Michael Trentzsch, Vorsitzender der Garagengemeinschaft am Spitzgrund, und meint damit die Anlagen an der Ahornstraße, am Eschenweg und an der Friedewaldstraße. 

Und nicht nur wegen des finanziellen Verlustes hält Trentzsch die Pläne der Stadt für falsch. Viele Dinge seien im Vorfeld nicht richtig dargestellt worden. So wurde behauptet, viele Garagen würden „zweckentfremdet“ genutzt werden. „Das entspricht nicht den Tatsachen“, so der Vereinsvorsitzende. 

Sicher würden manchmal auch andere Dinge als Autos dort abgestellt, aber nicht in der Mehrheit der Garagen. Diese seien auch nicht – wie von der Stadtverwaltung beschrieben – zu klein für die heutigen Automodelle. „Da passt auch ein Mercedes oder SUV rein.“ Und vor allem ist dort Platz für Winterreifen. Manche Nutzer würden gar nicht wissen, wo sie diese sonst lagern sollen.

 Ebenso E-Bikes, die zu wertvoll für einen Fahrradständer vorm Haus und zu schwer für das Tragen in den Keller sind. „Wir haben auch eine Handvoll Leute, die ihre elektrischen Krankenfahrstühle dort laden. Das geht in einem Parkhaus dann bestimmt nicht“, sagt Trentzsch. 

Dort würde auch niemand sein teures Motorrad, seinen Oldtimer, den Zweitwagen oder ein Cabrio abstellen wollen. Und dann ist da noch der Sicherheitsfaktor, den so eine Garage bietet. Da könne eine Parkpalette nicht mithalten.

Wie geht es nun mit den DDR-Garagen weiter?

„Wir werden nicht morgen die Garagen abreißen, aber überlegen, wie es weitergeht“, sagt der Bauamtschef. Auch in den nächsten fünf Jahren, solange die Pachtverträge laufen, werde sich für die Nutzer nichts ändern. 

Mit den Vorständen der Garagengemeinschaften wolle man sich noch zusammensetzen, so Weimann. Michael Trentzsch hätte es schöner gefunden, wenn vor der Veröffentlichung der Pläne mit ihm und anderen Vorständen gesprochen worden wäre.

Noch bis 15. Januar liegen eine Karte und Informationen des zuständigen Planungsbüros im Bauamt aus. Alle Bürger können Einsicht nehmen und ihre Anregungen abgeben. In diesem Jahr soll der Stadtrat das Konzept beschließen.

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