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DDR-Loks auf kleiner Spur

21 historische Züge und deren Geschichte bieten die Radebeuler Modellbahner in einer einzigartigen Schau.

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Von Nicole Czerwinka

Zahlreiche große und kleine Besucher strömten am Wochenende zur neuen Ausstellung des Modelleisenbahnclubs Radebeul-Kötzschenbroda im Gewerbepark Gohliser Straße. Über 50 Miniloks rattern hier noch bis zum 25. November über die Modellbahnschienen von insgesamt fünf Miniatureisenbahnanlagen.

Passend zum Motto der diesjährigen Ausstellung „Episoden aus der Geschichte des Schienenfahrzeugbaus in der DDR“ erzählen die Eisenbahnfreunde via Showpräsentation dieses Mal Anekdoten sowie Hintergründe zur Historie von insgesamt 21 DDR-Schienenfahrzeugen. Bei den älteren Besuchern werden da schon mal Erinnerungen wach, wenn sie in der gut 30-minütigen Vorstellung in deren Geschichte und Geschichten eintauchen und dabei so manch altbekannte Lok samt Anhänger aus dem Waggonbau Bautzen oder Görlitz im Miniformat wiederentdecken. Doch auch die Kleinen recken neugierig ihre Hälse. Die SZ stellt fünf der 21 Loks aus der DDR vor.

Das „Harzkamel“ schaukelte über schmale Spur

Die Lokomotive V 199 nimmt in der Ausstellung eine Sonderstellung ein. In den 80er Jahren entwickelte man eine spezielle Variante dieser Diesellok, die vor allem über das 1000 Millimeter-Schmalspurnetz im Harz tuckerte. Ihren auffälligen Spitznamen verdankt die Lok in erster Linie ihrer Bauweise. Denn da sie höher als üblich war, ratterte das „Harzkamel“ vor allem schaukelnd über die Schienen. Heute ist es unter anderem noch beim Schneeräumen im Einsatz.

Die erste neu gebaute Lok nach dem Zweiten Weltkrieg

Die Baureihe 42 war eigentlich eine reine Kriegslokomotive, von der bis 1945 in sieben Fabriken fast 900 Stück gebaut wurden. Ihre Produktion wurde jedoch im letzten Kriegsjahr zunächst eingestellt. Wenig später markierte die 42er Lok dann aber wiederum den Anfang des Lokomotivbaus in der sowjetischen Besatzungszone. So wurden im Jahr 1947 drei Loks dieser Baureihe im Reichsbahn-Ausbesserungswerk Stendal für die Deutsche Reichsbahn gebaut.

Die letzte Dampflokomotive aus DDR-Produktion

Bis in die 60er Jahre hinein dominierten die Dampflokomotiven den Schienenfahrzeugbau. Die in Babelsberg entwickelte und produzierte Baureihe 50.40 markierte in der DDR jedoch auch das Ende des Neubauprogramms für Dampfloks. Die letzte ihrer Art wurde am 28. Dezember 1960 ausgeliefert. Ihr bevorzugtes Einsatzgebiet war der Güterverkehr im Norden der DDR – zum Beispiel für den Transport von Rohöl vom Überseehafen in Rostock zur Raffinerie nach Schwedt.

Schnell und praktisch im Personennahverkehr – die E 11

Die elektrische Lokomotive E 11 tuckerte vor allem im Personen- und Güterverkehr durch die Lande. Durch bauliche Veränderungen im Getriebe erreichte die sonst baugleiche E 42 eine Höchstgeschwindigkeit von 100 Kilometern pro Stunde. Vor allem im öffentlichen Personennahverkehr in den Ballungsgebieten war diese Lok nahezu unverzichtbar. Bis zum Jahr 1983, dem Ende der Auslieferung, wurden 292 Loks dieses Typs auf die Schienen gebracht.

Die erste hydraulische Diesellokomotive der DDR

Die Serienfertigung der ersten Streckendiesellokomotive mit hydraulischem Antrieb begann in der DDR 1963. Die Loks waren mit zwei Dieselmotoren von jeweils 662 Kilowatt Leistung doppelt stark ausgerüstet und prägten bei ihrem Einsatz lange Zeit das Erscheinungsbild auf den Strecken der Deutschen Reichsbahn. Insgesamt wurden 206 Exemplare dieser Baureihe ausgeliefert, die bis weit nach der Wende noch unterwegs waren. Ihre Ausmusterung begann erst 1998.