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Die ostalgische Vision von DJ Happy Vibes

Der Entertainer und Landtagskandidat hat eine Idee für den Wilsdruffer Funkturm. Beim Erfolg könnte es sogar Fördermittel geben. 

Andreas Hofmann alias DJ Happy Vibes steht am ehemaligen Funkamt an der A 4. Er hat eine Idee zur Rettung der vom Abriss bedrohten Wilsdruffer Riesenantenne.
Andreas Hofmann alias DJ Happy Vibes steht am ehemaligen Funkamt an der A 4. Er hat eine Idee zur Rettung der vom Abriss bedrohten Wilsdruffer Riesenantenne. © Karl-Ludwig Oberthür

Die Reise ist zu Ende. Der mit Touristen voll besetzte Bus bremst und bleibt auf dem gepflasterten Weg zum ehemaligen Funkamt in Wilsdruff stehen. Gestoppt von Männern in Uniformen der Nationalen Volksarmee. 

Per Handzeichen hatten sie den Busfahrer aufgefordert, sofort anzuhalten. Im Hintergrund ragt der alte Funkturm in den Himmel.

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Die vermeintlichen Soldaten steigen ein. Sie fordern die Insassen des Busses auf, ihre Tickets vorzuzeigen. Wer möchte, kann jetzt Forumschecks kaufen. Für die Jüngeren: Mit diesen Schecks konnten DDR-Bürger in den Intershops Westwaren kaufen. Schließlich öffnen sich die schweren Tore, der Reisebus rollt langsam auf das Gelände des alten Funkamts. „Willkommen in der DDR!“ Die Show hat längst begonnen.

So ähnlich könnte es womöglich ab 2021 am und auf dem 22 Hektar großen Areal in Wilsdruff zugehen, wo 1954 das größte Funkamt der DDR mit seinem 153 Meter hohen Sendemast eingeweiht wurde. Künftig könnten Besucher im dortigen Funksaal ein Musical oder Theaterstück über die DDR erleben, das geschichtsträchtige Gelände mit Wachturm, Stacheldraht und Denkmalbauten samt Funkanlagen erkunden und mit Geschirr und Besteck von einst typische regionale Speisen (allerdings frisch zubereitet) probieren. Auch Konzerte etwa von Ostbands seien möglich.

Der Kesselsdorfer Andreas Hofmann alias DJ Happy Vibes hat diese ostalgische Vision, bei dem der Wilsdruffer Funkturm als Marke eine zentrale Rolle spielt. Das Konzept solle helfen, den vom Abriss bedrohten beliebten Sendemast zu retten. Jetzt will er die Idee mit dem Privateigentümer des 2012 verkauften früheren Telekom-Areals besprechen. Klar sei jedoch auch, dass sich das Vorhaben am Ende auch für den Eigentümer lohnen müsse.

Bleibt die Antenne doch in Wilsdruff stehen?
Bleibt die Antenne doch in Wilsdruff stehen? © Karl-Ludwig Oberthür

„Das Gelände mit seinem 50er-Jahre-Flair und dem ganzen Inventar würde sich super eignen“, sagt der Radiomoderator, der sich selbst zunächst als Vermittler zwischen allen Akteuren sieht, die an der Umsetzung des Konzepts beteiligt wären. „Es ist erst einmal eine Vision“, sagt Hofmann, der zurzeit für die Freien Wähler für den Sächsischen Landtag kandidiert. Aber er habe bereits konkrete Zusagen, falls es mit dem Projekt klappt.

Ein Theaterautor hätte schon eine Idee für ein Bühnenstück, das wohl im alten Funksaal aufgeführt werden würde. Ein ebenfalls befreundeter Sammler aus Pirna habe die Möglichkeit, DDR-Geschirr- und Besteck für die geplante Gaststätte, aber auch etliche weitere Original-Gegenstände von damals zur Dekoration beizutragen.

Mit dem Wilsdruffer Bürgermeister Ralf Rother (CDU) gab es bereits einen ersten Ideenaustausch zu dem Thema. Dieser kann sich durchaus für das Nutzungskonzept erwärmen. „Jedes Projekt, das von Erfolg gekrönt ist, fängt mit einer Vision an. Wir wollen daher nichts ausschließen“, sagt Rother. Eine Diskussion sei wichtig.

Ein Stück Heimat“

Die potenziellen Partner, darunter vor allem auch der private Eigentümer des Areals und der Freistaat sollten sich an einen Tisch setzen, um über die Zukunft des Funkturms und der denkmalgeschützten Gebäude zu reden. Die Stadt will aber ein Zuschussgeschäft vermeiden. Hat das Theaterprojekt Hand und Fuß und aus touristischer Sicht überregionale Bedeutung, stünden sogar Fördermittel in Aussicht, sagt Hofmann. Parkplätze für Reisebusse und die Touristenautos könnten zudem auf einer kommunalen Fläche in der Nachbarschaft des Funkamts entstehen.

„Schon vor zwei Jahren gab es einen ersten Anlauf für die ganze Idee“, erklärt Hofmann. Das Konzept sei allerdings noch unausgegoren gewesen. Und vor allem fehlte auf beiden Seiten Zeit für weitere Planung. Nun aber ist es die Zeit, die drängt. Denn der Wilsdruffer Funkturm soll abgerissen werden. Der auch „Bleistift“ genannte Riesenmast soll Ende des Jahres zurückgebaut werden. Der Besitzer der Antenne, die Kölner Firma Media Broadcast, möchte den Turm abreißen. Das Unternehmen begründet das mit den hohen Unterhaltungskosten, denen keine Einnahmen gegenüberstehen, weil der Mast nicht mehr genutzt wird. Ein Gericht gab bereits grünes Licht.

Gegen den Abriss hat sich Widerstand formiert. Die Limbacherin Sabine Neumann initiierte eine Unterschriftensammlung im Internet. An dieser Onlinepetition hatten sich 4 323 Bürger beteiligt. Das Vorhaben bekommt immer mehr Rückenwind, auch aus der Politik. Der im Mai gegründete Förderverein Funkturm Wilsdruff hat ebenfalls Zulauf. Hofmann ist dem jüngst auch beigetreten. Zu seiner Motivation sagt er: „Der Funkturm ist ein Stück Heimat. Wenn man ihn nach langer Fahrt über die Autobahn gesehen hat, wusste man, jetzt bin ich zu Hause.“Viele Unterstützer der Turmrettung sehen das ähnlich.

Die Idee zur kulturellen Nutzung des alten Funkamts stößt auch im Förderverein auf offene Ohren. Die Vorsitzende Sabine Neumann dazu: „Wenn damit der Funkturm gerettet wird, ist das doch klasse.“

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