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Dealer mit perfekter Buchhaltung

Ein 24-jähriger Pirnaer handelte mit großen Mengen Drogen – und dokumentierte jedes Detail.

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Von Maren Soehring

So ein Glück haben Ermittler selten: Normalerweise sind Drogendealer auf besondere Geheimhaltung bedacht. Doch der Angeklagte legte großen Wert auf korrekte Buchführung. Nach jeder Einkaufstour in Tschechien notierte er nicht nur das Datum, sondern auch Menge und Qualität der erworbenen Betäubungsmittel sowie Ein- und Verkaufspreis – und bewahrte alle handschriftlichen Abrechnungsbögen in seiner Wohnung auf dem Sonnenstein auf.

Bei seinen Beschaffungsfahrten nutzte B. den öffentlichen Nahverkehr. Die Grenze passierte er nahe Sebnitz zu Fuß. Rund acht Kilo Marihuana und etwa 200 Gramm Crystal hat Robert B. ab September 2012 auf diesem Weg eingeführt und in Dresden und vor allem Pirna verkauft. Gesamterlös: knapp 60 000 Euro. Anfang Februar flog er bei einer Personenkontrolle im Bus in Sebnitz auf. Den Polizisten waren die Schweißperlen auf seiner Stirn aufgefallen. Gut ein Kilo Marihuana fanden sie in seinem Rucksack und konnten bei einer Hausdurchsuchung weitere Betäubungsmittel, Zubehör und die Buchhaltung beschlagnahmen.

Kürzlich musste sich Robert B., der seit Februar in Untersuchungshaft sitzt, vor dem Landgericht wegen der illegalen Einfuhr und des Handels mit Betäubungsmitteln verantworten. Gleich zu Prozessbeginn räumte er die Vorwürfe ein, schwieg aber zu seinen Quellen und Abnehmern. So ungewöhnlich wie seine Geschäftspraktiken ist auch das soziale Umfeld des 24-Jährigen: Er erlebte nach eigenen Angaben eine behütete Kindheit, schloss die Hauptschule und danach eine Ausbildung als Maler und Lackierer ab. Zuletzt wohnte er bis Mitte 2012 mit seiner Familie in der Schweiz, wo er umgerechnet 3 200 Euro monatlich als Dachdecker verdiente.

Doch wohlgefühlt habe er sich dort nicht und sei deshalb im August nach Pirna zurückgekehrt. Da er selbst seit Langem Drogen nehme, beschloss er, in den Handel einzusteigen. Welche Auswirkungen sein beträchtlicher Eigenkonsum auf die Tat hatte, sollte ein psychiatrisches Gutachten klären: Demnach betreibe B. zwar seit Jahren massiven Missbrauch, sei aber weder körperlich noch psychisch abhängig, das hätten auch längere Abstinenz-Phasen etwa in der Schweiz oder der Justizvollzugsanstalt gezeigt. „Die Drogen gehörten einfach zu seinem Lebensstil“, so der Sachverständige Frank Wendt aus Berlin. Dem folgte auch das Gericht und verurteilte Robert B. zu viereinhalb Jahren Haft.