SZ +
Merken

Déjà-vu mit dreistem Motorradfahrer

Ein Koch aus Radebeul soll einen Gottleubaer auf der A 17 gleich zweimal zum Bremsen genötigt haben. Bestraft wird er nicht.

Teilen
Folgen
© Andreas Weihs

Von Stephan Klingbeil

Bad Gottleuba. Die Autobahn A 17 war gut gefüllt. Viel Platz zum Überholen gab es nicht. Der Industriekaufmann aus Bad Gottleuba war an jenem 31. März vorigen Jahres mit seinem VW Golf auf dem Weg zur Arbeit. Mit 150 Kilometern pro Stunde fuhr er auf der linken Spur. „Plötzlich scherte das Motorrad ein, ich musste eine Gefahrenbremsung machen“, erinnert sich der 24-Jährige vor dem Amtsgericht Dippoldiswalde.

Dort musste sich ein Koch aus Radebeul wegen Nötigung verantworten. Der 35-Jährige äußert sich nicht zu den Vorwürfen, das ist sein gutes Recht. Laut Anklage soll er aber damals mit seinem Motorrad der Marke Triumph gegen 10 Uhr von der Autobahnauffahrt Dresden-Prohlis auf die A 17 gefahren sein, die rechte Fahrbahn gequert und auf die Überholspur eingeschert sein.

„Der muss mich doch gesehen haben, zum Glück habe ich auf 40 Stundenkilometer heruntergebremst, sonst hätte es sicher geknallt“, so der Gottleubaer. „Und das bei dem hohen Verkehrsaufkommen damals.“ Viel Platz sei nicht gewesen bei dem Manöver. „Vielleicht eine Autolänge“, schätzt er.

Beide Männer verloren sich anschließend nicht aus den Augen. Zufällig, so hieß es vor Gericht, hatten sie dasselbe Ziel: Radebeul. „Zeit genug, um mir das Nummernschild des Motorrads zu merken“, sagt der Golffahrer. Auf dem Weg in die Lößnitzstadt soll ihn der Koch laut Anklage jedoch noch mal ausgebremst haben – in Höhe der Ausfahrt Dresden-Gorbitz. Nachdem er dem Golffahrer außerdem den „Vogel“ gezeigt habe, wollte dieser dem Unbekannten nach der A 4-Ausfahrt Dresden-Wilder Mann an einer Ampel zur Rede stellen. Doch plötzlich sei das Motorrad davon gedüst – bei Rot. Eine Zeugin kann das bestätigen. Ob es sich bei dem Verkehrssünder aber um den Angeklagten handelte, konnte die Lehrerin vor Gericht weder bejahen, noch verneinen. Sie sei aber zu 80 Prozent sicher, dass es der Angeklagte war.

Sogar zu 90 Prozent sicher war sich der Gottleubaer. Detailreich schilderte er das Geschehen, das Aussehen von Motorrad, Helm und Rucksack. Nachgeprüft habe die Staatsanwaltschaft die Angaben aber nicht. „Eine mögliche Wohnungsdurchsuchung dazu blieb aus“, bedauert der Richter. Das Gericht könne somit nicht ausschließen, dass der Angeklagte sein Motorrad womöglich einem anderen ausgeliehen hätte. „80 bis 90 Prozent Sicherheit reichen nicht aus, um den Angeklagten zu verurteilen.“ Bei einem Rechtsgespräch der Beteiligten sah das die Staatsanwaltschaft ein. Wie die Verteidigung hatte sie dann einen Freispruch gefordert. Das Gericht folgte den Anträgen.