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Kaum Freizeit für die Eislöwen 

Bradley Gratton lädt die Dresdner Eishockey-Profis zum ersten Training. Doch bereits vorher werden wichtige Details geklärt.

Alle hören auf die Anweisungen von Bradley Gratton. Der Eislöwen-Coach erläutert jede Übung vorher an der Taktiktafel.
Alle hören auf die Anweisungen von Bradley Gratton. Der Eislöwen-Coach erläutert jede Übung vorher an der Taktiktafel. © Marion Döring

Der Ton ist laut und schnörkellos. Hin und wieder verschafft sich Bradley Gratton mit seiner Trillerpfeife noch mehr Gehör. Im Bauch der Energieverbund-Arena startete Eishockey-Zweitligist Dresdner Eislöwen am Montag offiziell die Vorbereitung auf die kommende DEL-2-Spielzeit.

Und der 49-jährige Gratton ist einer der engagiertesten auf dem Eis. Das mag daran gelegen haben, dass seine Schützlinge vorher schon eine Stunde Krafttraining in den Beinen hatten. „Das Team hat über den Sommer sehr gut gearbeitet, das merken wir jetzt – und ich bin damit sehr zufrieden“, erklärt der Kanadier zum Fitnesszustand seines Teams. 21 Profis stehen ihm seit Montag zur Verfügung – nur die Talente Lucas Flade (18) und Nick Jordan Vieregge (16) fehlen, weil sie mit dem Nachwuchs ein Testspiel absolvieren.

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Neuzugang Dale Mitchell netzt im Training gegen Torhüter Florian Proske ein.
Neuzugang Dale Mitchell netzt im Training gegen Torhüter Florian Proske ein. © Marion Döring

Zu den 13 etablierten Eislöwen gesellten sich beim ersten Training acht Neuzugänge. Die Geschwindigkeit der Spieler ist bei den verschiedenen Angriffs- und Abwehrübungen bereits erstaunlich hoch. „Wenn ein Spieler nicht schlau agiert, nützt ihm die Geschwindigkeit nichts. Die ist sicher wichtig, aber am Ende des Tages zählen auch andere Faktoren“, sagt Gratton und erklärt anhand des groben Ablaufplans für die kommenden zwei Trainingswochen, was er damit meint. „Das wird ein straffes Programm – am Morgen frühstücken wir gemeinsam, dann gibt es eine Athletikeinheit, anschließend Eistraining – dann essen wir zusammen Mittag und absolvieren nachmittags nochmals eine Einheit auf dem Eis“. Das Wort „gemeinsam“ benutzt der Eislöwen-Trainer auffällig oft. „Die Jungs“, begründet er die Team-Essenzeiten, „sollen ja zusammenwachsen“.

So viel Zeit wie möglich miteinander zu verbringen, ob abseits der Eisfläche oder darauf, kann diesem Ziel nicht abträglich sein. Deshalb hat die Mannschaft bereits den Sonntag zusammen verbracht. „Wir haben ein Meet & Greet mit Frauen, Kindern und Hunden an der Elbe veranstaltet“, verrät Thomas Pielmeier, Eislöwen-Kapitän der vergangenen Saison. „Jeder sollte vorher mal die Gesichter der anderen sehen. Natürlich“, sagt der 32-Jährige mit einem Schmunzeln, „haben wir auch schon mal ein Bierchen zusammen getrunken. Das hilft, wenn man eine etwas lockere Zunge hat. Die Jungs sind alle super und passen in die Mannschaft rein – der Rest zeigt sich in der Zukunft“.

Und die Zukunft beginnt jetzt. Mit hartem Training, nicht unbedingt beliebten Athletik- und Konditionseinheiten. Das war so, das ist so, das bleibt so. Aber die Integration der Neuen beinhaltet mehr, als sich in der Kabine mal freundlich die Hand zu reichen. „Kevin Lavallée hat einen kleinen Hund, ihm habe ich gleich die Hunde-Kita gezeigt, damit er weiß, wo er seinen Hund hinbringen kann, wenn es Probleme geben sollte“, erzählt Pielmeier. „Das macht man gerne, wir sitzen ja alle im gleichen Boot und haben das gleiche Ziel. Die Jungs sollen sich wohlfühlen, damit sie das Beste aufs Eis bringen“, erklärt der Stürmer.

Sein neuer Kollege vermittelt glaubhaft den Eindruck, als fühle er sich hier bereits richtig wohl. „Die Stadt ist wunderschön. Jetzt gewöhnt man sich ans Eis, ans Umfeld, an die Mitspieler“, erklärt der Deutsch-Kanadier, der vom Erstligisten Bremerhaven an die Elbe gewechselt ist. „Das sehe ich nicht als Rückschritt, ich will hier eine große Rolle spielen“, betont der 37-jährige Verteidiger.

Er dürfte zu den Wunschspielern gehören von Bradley Gratton. „Ich habe die Spieler bekommen, die ich wollte“, erklärt der Trainer. Gemeinsam mit Sport-Geschäftsführer Thomas Barth habe er bereits in den Play-offs der Vorsaison am Gesicht der Mannschaft für die neue Spielzeit gearbeitet. „Wir haben ein sehr starkes und tief besetztes Team, viele Führungsspieler, die das Spiel machen und das Team nach vorn bringen werden“, glaubt der Coach.

Erster Test am Sonntag in Dresden

Der Kanadier hat den Sommer aber auch dafür genutzt, um abzuschalten – und sich dann voller Tatendrang in seine erste komplette Saison mit den Eislöwen zu stürzen. „Ich hatte einen wirklich schönen Sommer. Meine Frau hat es geschafft, dass ich nicht die ganze Zeit an Eishockey gedacht habe“, erzählt er lächelnd. „Aber ich habe mich gut vorbereitet, bin heiß darauf, die Vorbereitung und die Saison anzugehen“, unterstreicht er. Am Sonntag bestreitet seine Mannschaft das erste Testspiel – ab 17 Uhr in der heimischen Energieverbund-Arena gegen Erstligist Wolfsburg. Thomas Pielmeier erklärt: „Brad hat gesagt: Wer sich im Training die Eiszeit verdient, der spielt auch, das ist ein fairer Deal“. Und schnörkellos.

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