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Delli unter Dampf

Ein historischer Kartoffeldämpfer ging in Lommatzsch wieder in Betrieb. Bald soll er auch öffentlich gezeigt werden.

Eine 80 Jahre alte Kartoffeldämpfmaschine wurde in Lommatzsch wieder in Betrieb genommen.
Eine 80 Jahre alte Kartoffeldämpfmaschine wurde in Lommatzsch wieder in Betrieb genommen. © Gerhard Schlechte

Lommatzsch. "So ein Tag, so wunderschön wie heute", spielten Saxofonist Gunter Baumung und Trompeter Werner Hoffmann in der Halle der Lommatzscher Firma Kühne Förderanlagenbau. Für den ehemaligen Chef Frank Kühne, aber auch für viele frühere Mitarbeiter der Firma Gotthardt & Kühne, wie den 92-jährigen Armin Leuschke, war es tatsächlich ein wunderschöner Tag. Denn am Sonnabend wurde auf dem Firmengelände ein über 80 Jahre alter, in Lommatzsch gebauter Kartoffeldämpfer wieder in Betrieb genommen. Frank Kühne hatte das gute, alte Stück von einer Gruppe aus Dellhofen zurückgekauft. Dort war der historische Kartoffeldämpfer die Hauptattraktion zur 750-Jahr-Feier des Ortes. Helmut Lambrich, Peter Bappert, Kurt Renzler und Harald Frinken hatten in mühevoller Arbeit in über 1.500 Arbeitsstunden den historischen Dämpfer wieder aufgebaut, dabei rund 8.000 Euro privates Geld investiert. 

Der ausrangierte Kartoffeldämpfer hatte bis 2005 drei Jahrzehnte lang im Freien gelegen, war praktisch Schrott. Eigentlich sollte er nur äußerlich aufgebaut und gezeigt werden. Doch dann packte die vier der Ehrgeiz. Wenn schon eine solche alte Maschine gezeigt werden soll, dann muss  sie auch funktionieren, dachten sie sich. Und machten sich ans Werk.  "Wir waren alle stolz, als das Ding fertig war. Doch dann stellten wir fest, dass es undicht war. Zweimal noch haben wir den Dämpfer auseinander- und wieder zusammengebaut", erinnert sich Harald Frinken. Er und seine Mitstreiter waren zur feierlichen Inbetriebnahme am Sonnabend aus dem Rhein-Hunsrück-Kreis angereist.  

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"Ich bin sehr froh und glücklich, dass dieses historische Gerät nun wieder an seinem Entstehungsort ist. Eines aber fehlt noch: der Name", sagte Frank Kühne. Und taufte die Maschine auf den Namen "Delli", ein Kunstwort aus Dämpferbau und Dellhofen, wie er sagte. 

Peter Bappert, Frank Kühne, Kurt Renzler und Helmut Lambrich (v.l.n.r.) bei der Einweihung des Kartoffeldämpfers
Peter Bappert, Frank Kühne, Kurt Renzler und Helmut Lambrich (v.l.n.r.) bei der Einweihung des Kartoffeldämpfers © Repro: Gerhard Schlechte
Historisches Gefährt mit einem Kartoffeldämpfer aus Lommatzsch.
Historisches Gefährt mit einem Kartoffeldämpfer aus Lommatzsch. © Repro: Gerhard Schlechte
Der 92-jährige Armin Leuschke hat noch in Lommatzsch Kartoffeldämpfer hergestellt. Rechts Peter Bappert aus Dellhofen. 
Der 92-jährige Armin Leuschke hat noch in Lommatzsch Kartoffeldämpfer hergestellt. Rechts Peter Bappert aus Dellhofen.  © Gerhard Schlechte

Beim Handwerkerfest in Aktion

Derartige Kartoffeldämpfer wurden einst in Lommatzsch hergestellt. Sie dienten vor allem dazu,  um Kartoffeln für die Schweinemast zu dämpfen. In Lommatzsch nun gab es am Sonnabend gedämpfte Kartoffeln für die Besucher, fast alle waren ehemalige Mitarbeiter der Firma. 

Auch die vier Männer aus Dellhofen waren einst mit dem Dämpfer viel unterwegs, vor allem auf Volksfesten. In den vergangenen zwölf Jahren war der Dämpfer rund 50 Mal im gesamten Rhein-Hunsrück-Kreis im Einsatz, wurden darin Kartoffeln gedämpft und bei Volksfesten an die Besucher verkauft. 

Das soll nun auch bald in der hiesigen Region geschehen. Am 6. September wird "Delli" beim Handwerker- und Dreschfest in Schleinitz nicht nur der Öffentlichkeit vorgestellt, sondern auch wieder unter Dampf gesetzt werden, es heiße Kartoffeln aus dem historischen Gerät geben. Noch gibt es aber ein kleines Fragezeichen. "Derzeit gehen wir davon aus, dass unser traditionelles Fest stattfinden kann. Wir müssen aber abwarten, wie sich die Fallzahlen bei Corona entwickeln", gibt sich Hartmut Oefner vom Förderverein Schloss Schleinitz vorsichtig optimistisch.  Der Verein hat auch ohne Corona Probleme. Zwar ist der Verkauf des Schlosses und der Nebengebäude,  in denen der Verein seine Handwerkerausstellung hat, wohl erst mal vom Tisch.  Doch die Zahl der Mitglieder des Vereins, der ein Durchschnittsalter von deutlich über 70 Jahren hat, sinkt. Erst in letzter Zeit starben zwei der langjährig aktiven Handwerker. 

Erinnerung und Mahnung

Wie es mit dem historischen Kartoffeldämpfer weitergeht,  ist noch nicht ganz klar. Frank Kühne möchte ihn am liebsten an der Straße des Betriebsgeländes an der Mertitzer Straße in Lommatzsch aufstellen.  Als Erinnerung an die frühere Industrie in Lommatzsch und auch als Mahnung gegen das Vergessen dieser Tradition, wie der 74-Jährige sagt.  Nicht nur für ihn war der Sonnabend ein wunderschöner Tag. 

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