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Dem Haus Kunst eingehaucht

Malerei. Birgit Schlags „Galerie im Wohnhaus“ ist nicht nur für Kunstliebhaber eine Entdeckung.

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Von Hannelore Angermann

Niederposta – der Weg führt auf Katzenköpfen bergan, vorbei an bunten Gärten und spitzgiebligen Häusern mit Weinspalieren. Ein Stück Natur, in der man aufatmet und das wie geschaffen scheint für kreative Menschen. „Deshalb zog es mich aus der Stadt hierher“, bekennt Malerin Birgit Schlag. Die studierte Kunsterzieherin hauchte dem herrlich verwinkelten Haus Niederposta 6 künstlerisches Leben ein – unterstützt von ihrem Mann, dem Leiter einer Dresdner Mittelschule. Als „Galerie im Wohnhaus“, die einen schroffen Felsen einschließt, lockte das Areal bei „kunst offen“ zu Pfingsten Kunstliebhaber und Käufer an.

Hier fügen sich Stillleben, Blumen- und Landschaftsbilder, als gehörten sie schon immer dazu, in die Räume des originell gestalteten Gebäudes ein. Filigrane Zeichnungen, etwa eine Stechpalme oder ein Pirnaer Altstadt-Porträt, verraten geschulte handwerkliche Fertigkeiten. Aquarelle, Ölbilder, Pastelle und grafische Techniken schmücken Wände und Treppenaufgänge. „Scheinbar unbeseelte, winzige Dinge können der Anfang von etwas Großem sein“, das wurde der sensiblen Frau beim Malen immer mehr bewusst. Bestätigt findet sie sich in Arbeiten von Ulrich Eisenfeld, der gerade im Graupaer Wagnermuseum ausstellt. Oder beim Altmeister van Gogh. Oder den Impressionisten.

„Malen war mir immer ein Bedürfnis, schon in der Schule“, verrät die 50-Jährige mit dunkelgerahmter Brille und kastanienfarbenem, halblangem Haar. Angeregt und gefördert wurde sie dabei von Lehrern, nicht zuletzt in der Pirnaer Fetscherschule, wo sie ihr Abitur ablegte. Aber Malerin als Beruf? Diese „brotlose Kunst“ stieß in der Familie damals auf wenig Gegenliebe. Birgit Schlags Berufswahl fiel schließlich auf Lehrer für Deutsch und Kunstgeschichte.

„Ich unterrichtete später fast nur Kunstgeschichte, darin ging ich voll auf“, sagt Birgit Schlag. Aber sie hielt sich im Interesse eines guten Unterrichts nicht stur an den Lehrplan. Vielmehr lehrte sie schon zu DDR-Zeiten, Grenzen zu überschreiten und Möglichkeiten auszuloten. Das blieb nicht folgenlos. „Jede Freiheit, die ich mir nahm, kam einem Sprung ins kalte Wasser gleich, kostete Kraft und kratzte an der Gesundheit“, räumt sie ein.

Als ihr eine Doktorandenstelle an der PH Dresden angeboten wurde, war die Verlockung groß. Sie fühlte sich von der grauen Theorie aber bald erdrückt. Die Wende erlebte sie dann als Befreiung und Ansporn. Die Euphorie verflog jedoch zusehends, als den Schulen westliche Modelle übergestülpt und Inhalte aus ihrer Sicht immer mehr von Bürokratie und Kommerz diktiert wurden. „Das hielt ich nicht mehr aus.“ Sie beschloss, dem Lehrerdasein Lebewohl zu sagen und „das zu machen, was ich kann: malen.“ „Abtrainiert“ hat Birgit Schlag dann als Kunsterzieherin in der Erwachsenenqualifizierung von Physio- und Ergotherapeuten.

Im Jahr 2000 war dann die Zeit reif, sich als Malerin selbstständig zu machen. „Den letzten Anstoß gab der Denkmaltag 1999. Da stand unser Kunst-Haus auf der Besichtigungsliste und fand erstaunliches Interesse.“ Sogar der MDR mit „Außenseiter-Spitzenreiter“ verschaffte der Künstlerin unerwartet Öffentlichkeit.

„Unser Haus ist der Gegenentwurf zu dem, was mich krank gemacht hat“, sagt die Künstlerin heute. Auf Vorbilder wurde sie in England aufmerksam. „Da stellt sich Kunst nicht abgehoben dar, sondern wird in Alltags-Gegenständen lebendig.“

Teure Malreisen kommen für sie nicht in Frage. Aber sie treibt Studien, wo immer es sich anbietet, macht sich in Büchern schlau. Von jedem Urlaub zu zweit bringt Birgit Schlag gemalte Erinnerungen mit. „Mein Mann ist der Fels in der Brandung. Er versteht alles, nimmt mich mit, damit ich mich in meiner Welt nicht zu sehr verkrieche.“ Und er teilt ihre elementare Liebe zur Natur. Zu ihren Zukunftsplänen gehört eine eigene, gut gestaltete Internet-Seite, „um mit meiner Kunst auch Leute zu erreichen, die keine Ausstellungen besuchen“. Auch nicht die „Galerie im Wohnhaus“, was schade ist.