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Nach dem Schuljahr kommt das Sabbatjahr 

27 Jahre leitet Volkmar Würfel das Nieskyer Gymnasium. Jetzt geht er in den Ruhestand und auf Reisen. Mit dem Zelt.

Schulleiter Volkmar Würfel verlässt das Nieskyer Gymi.
Schulleiter Volkmar Würfel verlässt das Nieskyer Gymi. ©  André Schulze

Das schönste Abschiedsgeschenk bereiteten ihm seine Schüler, genauer gesagt seine Abiturienten: „Alle haben das Abitur geschafft, mit einem Notendurchschnitt von 2,25 haben wir ein Spitzenergebnis erreicht“, sagt Volkmar Würfel. Dieses tolle Ergebnis gibt es nicht jedes Jahr in Niesky. Die vorhergehenden Jahrgänge, in denen alle Gymnasiasten ihr Abi erfolgreich meisterten, waren 2012 und 1998. So wie die Zwölfer das Friedrich-Schleiermacher-Gymnasium jetzt verlassen, wird es auch der Schulleiter tun. Nur warten auf ihn nicht Studium oder Ausbildung, sondern der Ruhestand.

„Das war mein Wunsch und lange von mir geplant“, sagt er. Jetzt will er ein Sabbatjahr einlegen und auf Reisen gehen. Am liebsten mit dem Zelt, denn Volkmar Würfel ist ein begeisterter Freund des Campings, genau wie seine Frau. Für das Lesen und Kochen als Hobbies wird jetzt bald mehr Zeit sein. Und: Latein möchte der 62-Jährige unbedingt lernen.

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Volkmar Würfel ist Lehrer geworden, weil es für ihn keinen schöneren Beruf gibt. Studiert hat er an der Pädagogischen Hochschule in Dresden. Später folgte noch seine Promotion in der empirischen Schulforschung. Sein erster Einsatzort war die 15. Oberschule in Görlitz. Das war 1981 und seitdem ist er ein Görlitzer. Sechs Jahre später kam er dann an die 15. Görlitzer Oberschule. 1992, als das Schulsystem im Osten Deutschlands neu geordnet wurde, wechselte Volkmar Würfel nach Niesky. Als beauftragter Schulleiter führte er zunächst vier Jahre das Nieskyer Gymnasium, bevor er 1996 als Schulleiter für diese Schule bestellt wurde – und fortan ganz offiziell ihr Chef war.

Nun sind es 27 Jahre geworden, dass der Görlitzer das Gymnasium leitet. Viel hat sich in den fast drei Jahrzehnten getan. Nicht nur, was die Schülerzahlen betrifft, sondern auch die baulichen Veränderungen am Haus. Das Lob geht dabei an den Schulträger, den Landkreis Görlitz. Sein Ziel war und ist, den Schulbetrieb auf den modernen Stand zu bringen und zu halten. Höhepunkte der baulichen Art waren der neue Sportplatz und die Lichthalle im Gymnasium. „Ein Projekt, dass für mich ein großer Wunsch und eine Herzensangelegenheit war“, sagt Würfel. Dass diese Lichthalle auch noch eine zwölf Meter hohe Kletterwand bekommen hat, ist sozusagen das i-Tüpfelchen des Ganzen. Mit stolz sagt der Schulleiter: „Die Lichthalle ist das, was bleibt, wenn ich gehe.“

Aber sie ist es nicht allein, die bleibt. Schließlich ist Volkmar Würfel bis zum Monatsende noch der Vorgesetzte für rund 40 Pädagogen, die am Gymnasium unterrichten. Einige sind mit ihm von Anfang an dabei und zwei Lehrerinnen gehen wie er dieses Jahr in Rente. Es vollzieht sich ein Generationswechsel im Lehrerkollegium. Und das ist gut so, wenn „die Jungen“ übernehmen. Ein Nachfolger als Schulleiter ist für Volkmar Würfel im Gespräch. Das bestätigt auch das Landesamt für Schule und Bildung in Bautzen. Einen Namen will das Amt aber jetzt nicht nennen, weil noch nicht alle Formalien mit dem Nachfolger geregelt sind.

Es geht also weiter am Schleiermacher-Gymnasium – und das ist es auch, was der scheidende Schulleiter seinen Kolleginnen und Kollegen mit auf den Weg geben möchte: „Mein Wunsch ist es, dass sie sich weiter gut um unsere Schule kümmern.“ Dabei bezieht Volkmar Würfel den Schulförderverein mit ein. Die „Freunde des Gymnasiums Niesky“ gründeten sich 1997 und sorgten maßgeblich dafür, dass der Bildungseinrichtung 2005 der Name Friedrich Schleiermacher verliehen wurde.

Über Spenden trägt der Verein dazu bei, Ausstattung und Technik zu verbessern. Zudem hält er Kontakt zu ehemaligen Schülern und Absolventen und organisiert regelmäßige Treffen in Niesky. Alles Tätigkeiten, die von der Lehrerschaft allein nicht in diesem Umfang zu bewältigen sind. Für diese Unterstützung ist der Schulleiter dankbar.

Volkmar Würfel nimmt viele Erlebnisse und Geschehnisse mit in den Ruhestand. Die prägenden sind für ihn immer die schönen und besonderen gewesen, die zum ersten Mal stattfanden.

Bilder aus einem bewegten Schulleiterleben

Die Förderer: Harald Buchmann und Jörg Franke vom Freundeskreis des Gymnasiums übergeben 2007 Fernseher und Videorekorder an Volkmar Würfel. Weitere Spenden vom Förderverein verbesserten die Lernbedingungen.
Die Förderer: Harald Buchmann und Jörg Franke vom Freundeskreis des Gymnasiums übergeben 2007 Fernseher und Videorekorder an Volkmar Würfel. Weitere Spenden vom Förderverein verbesserten die Lernbedingungen. © Rolf Ullmann
Die Nachbarin: Zwei Schulen, aber keine Konkurrenz: Volkmar Würfel leitete das Gymnasium und Winnie Scholz-Kunitz die Oberschule nebenan. Beide Einrichtungen führten eine Zeit lang gemeinsam den Tag der offenen Tür durch.
Die Nachbarin: Zwei Schulen, aber keine Konkurrenz: Volkmar Würfel leitete das Gymnasium und Winnie Scholz-Kunitz die Oberschule nebenan. Beide Einrichtungen führten eine Zeit lang gemeinsam den Tag der offenen Tür durch. © André Schulze
Die Namensgebung 2005 und der 250. Geburtstag von Friedrich Schleiermacher 2018 waren nicht nur Höhepunkte für den Schulleiter, sondern auch für das Gymnasium. Beides wurde mit vielen Gästen gefeiert.
Die Namensgebung 2005 und der 250. Geburtstag von Friedrich Schleiermacher 2018 waren nicht nur Höhepunkte für den Schulleiter, sondern auch für das Gymnasium. Beides wurde mit vielen Gästen gefeiert. © André Schulze

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