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Döbeln

Dem Turmrundweg folgen weitere

Die Großgemeinde baut ihr Wanderwegnetz aus. Zum Aussichtsturm geht’s über Straße, Waldweg und den Acker – leider.

Eine Runde um den Aussichtsturm in Böhrigen zu drehen, ist dank des neu ausgeschilderten Wanderweges keine Hürde mehr. Familie Schneider hat es am Maifeiertag kurz nach der Einweihung des Weges probiert und viel Spaß dabei.
Eine Runde um den Aussichtsturm in Böhrigen zu drehen, ist dank des neu ausgeschilderten Wanderweges keine Hürde mehr. Familie Schneider hat es am Maifeiertag kurz nach der Einweihung des Weges probiert und viel Spaß dabei. © Lars Halbauer

Striegistal/Böhrigen.  Mit einem Fest am Turm hat der Förderverein des Aussichtsturmes in Böhrigen am Maifeiertag das zehnjährige Bestehen gefeiert. Das Geschenk der Gemeinde hielt Bürgermeister Bernd Wagner (Bernd Wagner) am Vormittag an der ehemaligen Schule sozusagen symbolisch in der Hand: ein Schild, das Wanderer in Zukunft über den von der Kommune geschaffenen Turmrundwanderweg lotsen soll.

Obwohl man sich über Geschenke anstandshalber nicht beklagen sollte, nahm der Vorsitzende des Fördervereins Matthias Zimmer kein Blatt vor den Mund: „Wir freuen uns, dass sich die Infrastruktur für und unsere Besucher verbessert.“ 

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Allerdings sei der Wegabschnitt über das Feld gerade nach den ordentlichen Regengüssen der vergangenen Tage weder für die Wanderer noch die Vereinsmitglieder optimal. Denn die Nutzer müssten sich gehörig Erde von den Schuhen kratzen. Und auch auf die Turmbetreuer käme einiges an Putzarbeit zu, wenn die Gäste auf den jeweils 142 hinauf und hinab führenden Treppenstufen den Dreck vom Schuhwerk verlieren. „Deshalb den Weg bitte so wählen, dass es zuerst auf den Turm und dann über den Acker geht“, bat die stellvertretende Vorsitzende Carola Bunde.

Dem Gemeindechef ist dieses Manko durchaus bewusst. Er hatte gehofft, dass sich auf dem ausgewiesenen Feldwegstück schon eine gut begehbare Grasnarbe gebildet hat. Dem ist nicht so. „Wir beobachten das“, schlug Matthias Zimmer vor. Sollte es für alle zu beschwerlich sein, müsste vielleicht noch einmal über einen Wegeausbau nachgedacht werden. Zimmer zufolge habe es sich bis Ende der 1970er-Jahre um eine geschlämmte Schotterdecke gehandelt. Schon die Generationen davor hätten sich über den klebrigen Untergrund beschwert, worauf der alte Name Kliebenstraße (von klebrig) schließen lasse.

Das könne er nicht allein entscheiden, sagte der Bürgermeister. Den Dank für das Anlegen des Rundweges gab er an Gemeinde- und Ortschaftsräte weiter. „Ich kann reden, was ich will – wenn die Räte nicht dahinterstehen, dann passiert nichts“, so Wagner. Er sagte den Förderern des Aussichtsturmes ein großes Dankeschön. Bei der Vereinsgründung hätte er nie für möglich gehalten, dass der Aussichtsturm nach Jahrzehnten des Verfalls binnen weniger Jahre wieder in Ordnung gebracht und genutzt werden kann.

Zehn Jahre – so lange habe die Kommune auch daran gearbeitet, den Rundweg auszuweisen. Die Strecke führe zu einigen Teilen über Privatland. Die Eigentümer hätten das aber nicht verkaufen, sondern meist tauschen wollen. Also habe die Gemeinde erst Land erwerben und alles Bürokratische erledigen müssen, ehe der Rundweg ausgeschildert und an hübschen Verweilpunkten mit Bänken ausgestattet werden konnte.

„Schön, dass das alles so geklappt hat“, sagte Renate Schubert aus Pappendorf. Sie meint damit die Wiederbelebung des Turmes und den Rundweg gleichermaßen. Sie und ihr Mann Franz wandern gern und viel im Striegistal. Franz Schubert „kennt“ sogar jedes Wanderweg-Hinweisschild. Er hält Kontakt zu Gerhard Schlag vom Verein Chemnitzer Gewölbegänge. Der lasse die Schilder anfertigen.

Die Pappendorfer freuten sich über den Ausbau des Wanderwegenetzes. Doch Renate Schubert hatte noch einen anderen Grund zur Freude. Mit Siegfried Reschke aus Frankenberg sah sie nach Jahrzehnten einen „Jungen wieder, den ich vom Schulhof kenne“. Auch Reschke war extra zur Wanderweg-Einweihung angereist.

Dabei sprach Bernd Wagner schon die nächsten Einladungen aus. Die Gemeinde wolle ihr Wegenetz im Bereich der Altgemeinde Tiefenbach ausbauen und wieder in Schuss bringen. Ab Juni soll es in Marbach einen neuen Rundwanderweg zum Hexentisch geben. Für 2020 sei die Wiederbelebung des Bellevue-Weges in Böhrigen geplant. Dann sollen sowohl die den Wanderern offenstehenden Parkplätze am Friedhof als auch die Straße der Einheit als Zufahrt fertiggestellt sein.

Öffnungszeiten Aussichtsturm Striegistal bis Oktober: sonnabends, sonn- und feiertags von 9 bis 18 Uhr, in den Schulferien im Sommer täglich von 9 bis 18 Uhr