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Dem Ursprung treu geblieben

Sie war die andere Starke-Druckerei neben der Tageblattdruckerei. Gestern feierte Starke & Sachse das 125jährige Jubiläum.

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Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Wenn in Großenhain von der Starke-Druckerei die Rede ist, kommen viele ins Trudeln. Denn es gab jahrelang zwei davon: Die Tageblattdruckerei Hermann Starke mit Inhaber Clemens Plasnik und die Druckerei Starke und Sachse. Die erste war im Zeitungsdruck aktiv, die zweite eher im Buchdruck. Während es aber den späteren VEB Gutenbergdruck schon seit der Wende nicht mehr gibt, besteht Starke & Sachse fort und beging gestern 125-jähriges Firmenjubiläum.

Eigentlich schon 205 Jahre alt

Begonnen hatte alles bereits 1800. Damals reichte Andreas Leberecht Starke (1777 bis 1824) aus Dresden ein Gesuch für eine Druckereikonzession für Großenhain ein. Diese Urkunde wurde ein Jahr später ausgestellt, aber erst 1805 übermittelt. Doch Starke druckte schon seit dem 28. Juli 1800, dem eigentlichen Gründungstag seiner Firma.

Die Herausgabe einer Zeitung war der Zweck, den Leberecht Starke anstrebte. Ab 6. Mai 1805 gab es das „Wespennest“, ein achtseitiges Wochenblatt. Es enthielt aber kaum politische Mitteilungen, lokale schon gar nicht und auch keine Inserate. 1807 kam für ein Jahr das von Stadtchronist Chladenius redigierte Großen Hayner Wochenblatt dazu. Ein Jahr später trat an seine Stelle der „Gesellschafter“, dessen Name schrittweise bis 1846 zum Großenhainer Tageblatt wurde. In der Hundertjahresnummer von 1905 wird die Zeitung als ein interessantes Stück Heimat- und Kulturgeschichte gewürdigt. Da war sie längst eine Tagespublikation.

Vor 125 Jahren aber vollzog sich die Teilung der Starkeschen Linie. Am 1. Juli 1880 gründete Enkel Hermann Leberecht Starke (1849 bis 1907) seine eigene Druckerei. Er war auf Wanderschaft in Bulgarien gewesen. In der Zeit hatten seine Schwester Bertha und ihr Mann Clemens Plasnick die väterliche Druckerei übernommen. Weil nun zwei Starkesche Druckereien bestanden, beteiligte Leberecht kurzzeitig den Hufschmied Karl Traugott Sachse aus dem Husarenregiment an der Firma, die fortan unter Starke & Sachse firmierte.

Buchdruck im Vordergrund

Um sich weiterhin abzugrenzen, verlegte sich Leberecht Starke auf die Buchdruckerei. 1903 zog er in das renommierte Wohn- und Geschäftshaus in der damaligen Johannesallee, wo Prinz Friedrich August, später König, während seiner Zeit als Leutnant bei den Großenhainer Husaren gewohnt hatte.

Von 1917 bis 1945 führten seine Söhne Paul (1877 bis 1947) und Kurt Starke (1887 bis 1946) den Betrieb. Mehr noch Kurt, denn Paul war während des ersten Weltkrieges Druckereileiter auf dem Großenhainer Flugplatz bei der Fliegerersatzabteilung 6, der Fea 6.

Am 8. Mai 1945 wurde die Druckerei von den russischen Besatzungstruppen dicht gemacht, am 12. Mai aber schon wiedereröffnet. Weil sie ja auch Drucksachen für ihre umliegenden Truppenteile brauchten. Die Starkes hatten den Vorteil, in der Setzerei kyrillische Buchstaben vorrätig zu haben. Während des zweiten Weltkrieges hatte es Aufträge für das Tochter-Stahlwerk der Riesaer Schmiede in Dnjepropetrowsk gegeben.

Damals war der Betrieb privat, ab 1959 mit staatlicher Beteiligung der Landesdruckerei Sachsen. Um diese Beteiligung hatte sich die Firma beworben. Sie sicherte ein festes Gehalt für die Angestellten und Gewinnbeteiligung. Inhaltliche Vorgaben gab es nicht. Im Jahr der Republiksgründung hatte bereits die Zensur durch die Rote Armee aufgehört. Verantwortlich wurde nun das Nachrichtenamt im Großenhainer Landkreis. Sein Chef war der bekannte Walter Jacob.

Wirtschaftsbetrieb der CDU

1972 wurde die Firma verstaatlicht, aber nur für einen Monat. Rudolf Starke (geb. 1919) war seit Kriegsende CDU-Mitglied und setzte sich dafür ein, das sein Betrieb zur Vereinigung organisationseigener Betriebe Industriedruck kam. Die Druckerei war damit Wirtschaftsbetrieb der Christdemokraten, Rudolf Starke blieb ihr Leiter. Doch eine Gewinnbeteiligung erhielt er freilich nicht mehr. Ab 1986 hieß die Firma VEB Union Druckerei.

Mit der Herstellung von Vordrucken auf Transparentpapier für Bauzeichnungen schuf sich die Druckerei schon ab 1956 eine stabile Auftragslage und war Alleinhersteller unter 4 200 DDR-Druckbetrieben. Im selben Jahr wurde mit dem Offsetdruck begonnen. Bis 1988 leitete Rudolf Starke den Betrieb. Er hatte durchschnittlich 30 Mitarbeiter. Am 1. August 1990 wurde die Druckerei reprivatisiert, arbeitet heute im Zweischichtsystem.

www.starke-sachse.de