SZ +
Merken

Dem Wehrdienst entkommen

Wer nichts am Hut hat mit einem Wehrdienst in Polen, der mustert sich einfach selber aus – indem er sich mehr oder weniger heimlich ins Ausland absetzt. Allein in Niederschlesien stehen derzeit tausende junge Männer auf der Einberufungsliste, die alle gerade nicht auffindbar sind.

Teilen
Folgen

Von Klaus-Peter Längert

Wer nichts am Hut hat mit einem Wehrdienst in Polen, der mustert sich einfach selber aus – indem er sich mehr oder weniger heimlich ins Ausland absetzt. Allein in Niederschlesien stehen derzeit tausende junge Männer auf der Einberufungsliste, die alle gerade nicht auffindbar sind. Jedes Jahr werden es mehr, beklagte jüngst die Regionalzeitung „Gazeta Wroclawska“: 2004, im Jahr des EU-Beitritts Polens waren es 2000, 2005 schon 4000 und voriges Jahr 8000, die als Rekruten für den Armeedienst nicht zur Verfügung standen. Allen in Jelenia Gora (Hirschberg) werden momentan 1500 Wehrpflichtige gesucht, in Legnica (Liegnitz) 1100, in Swidnica (Schweidnitz) gar 2500. Sie alle werden irgendwo in Deutschland, Irland oder sonstwo in Europa und der Welt vermutet. Ob sie sich damit in bewusster Absicht der Wehrpflicht entzogen haben oder wirklich dem Broterwerb nachgereist sind, müssen die Behörden nun prüfen. Am besten lassen sie sich damit gleich noch zwei Jahre Zeit. Denn ab 2010 soll es in Polen nur noch eine Berufsarmee geben – und das Problem der fehlenden Wehrpflichtigen wäre erledigt.