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Görlitz

 Görlitzer gehen für Freiheit auf die Straße

Görlitzer jedes Alters folgten am Freitag der Initiative "Görlitz bleibt bunt" zur Demo. Sie waren bunt, laut - und viele.

Viele junge Gesichter prägten die Demo "Görlitz bleibt bunt" am Freitagabend.
Viele junge Gesichter prägten die Demo "Görlitz bleibt bunt" am Freitagabend. © Foto: Nikolai Schmidt

Auf 500 Teilnehmer hatte Daniel Preißler, Initiator der Bewegung "Görlitz bleibt bunt",   gehofft, am Ende waren es 800 bis 1 000 Menschen, schätzt die Polizei. 

Zur Demonstration des Bündnisses „Görlitz bleibt bunt“ waren Görlitzer aller Altersgruppen gekommen. Viele junge Menschen, Senioren und auffallend viele Familien mit Kindern setzten ein Zeichen für Toleranz, Vielfalt, Menschenwürde, Weltoffenheit und Demokratie. Ralf Thies, Berliner Sozialdemokrat, der immer wieder in Görlitz zu tun hat und mit einer Genossenschaft einst das Görlitzer Kaufhaus vor weiterem Verfall retten wollte, bekannte Farbe, weil er sich freut über die schöne, offene Stadt und die Möglichkeit, im Dreiländereck mit den Nachbarn unkompliziert zusammen zu kommen. 

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Joachim Trauboth, der vergeblich für die SPD in den Stadtrat wollte und sich einen Namen als Helfer in der Flüchtlingskrise machte, hofft von ganzem Herzen auf ein weltoffenes buntes Görlitz mit einer toleranten Bevölkerung. Für eine Frau mit Hut und ihre beiden Freundinnen war die Demo ein Muss. „Wir waren bei der SZ-Podiumsdiskussion im Theater dabei. Diese pöbelnde Masse dort hat uns Angst gemacht. Wir wollen ein friedliches, offenes Görlitz ohne Ausgrenzung jeglicher Art“ sagten sie und baten um Verständnis, dass sie ihre Namen nicht sagen wollen. Sie fühlen sich an eine Zeit erinnert, als so viele Leute der pöbelnden Masse hinterhergelaufen sind, sagten sie. Ein älterer Herr lief bei der Demo mit, weil es ihm peinlich ist, wenn ausgerechnet das schöne Görlitz den ersten AfD-Bürgermeister in Deutschland bekäme. Der Mann möchte anonym bleiben. 

Der elfjährige Linus Wolke war dabei, weil er einen gleichaltrigen Kumpel eine halbe Autostunde von Görlitz entfernt in Polen hat. Linus möchte, dass der ihn jederzeit besuchen kann und die Grenzen nicht dichtgemacht werden. Das Ehepaar Koch trug ein Plakat und will Europa retten. Sie befürchten, dass es wieder undurchlässige Grenzen geben könnte. Görlitz als AfD-Stadt ist für sie unvorstellbar, die internationale Wirkung wollen sie sich gar nicht ausmalen. Peer Gebert war mit einer Kontakt-Jonglage dabei. „Die Demo ist eine schöne Gelegenheit für mich, friedlich gegen rechts zu demonstrieren“, sagt er.

In einem bunten, lauten, aber friedlichen Tross bewegte sich die Demonstration vom Bahnhof über Berliner Straße, Luisenstraße, Steinstraße und Obermarkt zum Rathaus, begleitet von etwa 40 Polizisten aus der Polizeidirektion Görlitz, die wenig zu tun hatten, wie der Görlitzer Revierleiter Dirk Linczmajer bestätigt. Ein Plakat von vielen drückte besonders aus, was die Spaziergänger vereint: Vielfalt ist unsere Stärke. Mit Trillerpfeifen, Trommeln, Seifenblasen, Luftballons wurde das untermalt. Daniel Preißler, Gründer des Bündnisses „Görlitz bleibt bunt“, zeigte sich sehr zufrieden. Zum Abschluss der Demo forderte Michael Simon de Normier die Görlitzer auf, bei den nächsten beiden Wahlen in Sachsen weise zu wählen. Er ist der Initiator des Briefes aus Hollywood, der kurz vor der OB-Wahl in Görlitz für ein heftiges Pro und Contra sorgte.

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