merken
PLUS

Demütigung für die Befreier

Als sich gestern im früheren KZ Auschwitz Staats- und Regierungschefs versammelten, um der 1,1 Millionen Opfer und der Befreiung des Lagers vor 70 Jahren zu gedenken, fehlte einer: Wladimir Putin nahm an den Gedenkfeiern nicht teil.

Als sich gestern im früheren KZ Auschwitz Staats- und Regierungschefs versammelten, um der 1,1 Millionen Opfer und der Befreiung des Lagers vor 70 Jahren zu gedenken, fehlte einer: Wladimir Putin nahm an den Gedenkfeiern nicht teil. Die Begründung ist ebenso lapidar wie beschämend. Er hat keine Einladung erhalten, weil es für niemanden eine gab. Das verstehe, wer will.

Was ist das nur für ein Umgang mit einer Nation, die im Kampf gegen Hitler-Deutschland den größten Blutzoll entrichtet hat? Nicht genug damit, dass Putin dem Gedenken fernblieb. Der polnische Außenminister Schetyna versuchte kürzlich gar, die Rolle der Russen bei der Befreiung des Vernichtungslagers infrage zustellen. Etwas anderes steckt nicht hinter der Behauptung, es seien ukrainische Soldaten gewesen, die Auschwitz befreit hätten. Was sollen davon eigentlich die Millionen Hinterbliebenen in Russland halten, deren Väter und Brüder ihr Leben für die Beseitigung der Nazi-Herrschaft gegeben haben? Man darf sich nicht wundern, wenn es die Russen als nationale Demütigung empfinden, was rund um den Jahrestag der Auschwitz-Befreiung geschah. Entschuldbar ist das nicht.

Anzeige
Rückkauf-Garantie für Autokäufer

Die Arndt Automobile GmbH in Niesky bietet jetzt eine besondere Sicherheit: Neben günstigen Preisen wird beim Kauf eine Rückkauf-Garantie geboten.

Auch wenn viele Polen die gegenwärtige Politik des Kreml kritisieren und mit Blick auf den Konflikt in der Ostukraine irrationale Ängste vor einer russischen Bedrohung artikulieren: Das rechtfertigt es nicht, den russischen Beitrag zum Sieg über das Nazi-Regime kleinzureden.

Der ganze Vorgang offenbart nicht nur ein merkwürdiges Geschichtsverständnis. Er zeigt auch, welche Ressentiments das polnisch-russische Verhältnis belasten. Polens Regierung hat es versäumt, das gemeinsame Gedenken an die Opfer von Auschwitz als Chance zu begreifen, ein Stück aufeinander zuzugehen. Das wäre wichtiger denn je – angesichts der wachsenden Entfremdung und der neuen Gräben mitten in Europa.