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Den Altkreis trifft es besonders hart

Die Landwirte im Norden und Osten des Landkreises Riesa-Großenhain haben ohnehin schon die schlechtesten Böden im ganzen Elbland. Trockenheit und Hitze bescheren ihnen nun die schlechteste Ernte seit 1947.

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Von Birgit Ulbricht

Die Älteren im Dorf können sich noch gut erinnern, 1947 war auch so ein Jahr. Damals fiel die Ernte ebenso fast gänzlich aus. Wenig tröstlich für den Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Skäßchen. Manfred Engelmann hat so ein mieses Jahr jedenfalls noch nicht miterlebt: Hafer und Leinen sind total ausgefallen, beim Mais haben sich kaum Kolben ausgebildet – mindestens 60 Prozent Verlust. „Wir machen die Felder wieder grün und hoffen auf das nächste Jahr, zu retten ist hier nichts mehr“, sagt er. Immerhin hat er schon den Bescheid über Ausgleichszahlungen für benachteiligte Betriebe in der Tasche. Auch wenn das Jahr 2003 den Betrieb nicht die Existenz kostet, so weitergehen möchte es nicht.

Der Blochwitzer Landwirt Henry Wenzel zeigt missmutig auf die verkümmerten Zuckerrüben. Da kommt nichts rein, das weiß er. Dafür steht die Ackermelde hervorragend, denn ohne Regen hat jegliche Unkrautbekämpfung versagt. Wenzel hat etwa 80 Prozent Ausfall bei den Sommerungen, 60 bis 80 Prozent beim Rest. Vom 16. März bis heute hat es in Blochwitz 63 Liter pro Quadratmeter geregnet. Er hat es nachgemessen. „Ein Tropfen auf den heißen Stein wäre mehr“, bemerkt er lakonisch. Vater Horst Wenzel hat jetzt bei der Gemeinde die Aussetzung der Grundsteuer beantragt. Die Gemeinde hat zugestimmt. Ein großes Polster hat der Betrieb nicht, der 1991 „mit einem krummen Schraubenschlüssel und viel Erfahrung“ angefangen hat, wie Wenzel es formuliert. Das Geschaffene steckt in jedem Traktor, in jeder Halle. Auch die Wenzels hoffen jetzt auf ein gutes, wenigstens aber ein normales Jahr 2004.

Investitionen im großen Stil zurückgestellt

Dem Chef des Landwirtschaftsamtes in Großenhain, Uwe Mildner, gibt genau das zu denken: „Es sind ja nicht nur die Ernteausfälle, da gibt es eine alten Spruch: Ein guter Bauer hat eine Ernte auf dem Feld, eine im Speicher und eine auf dem Konto. Es werden ja jetzt Investitionen in Größenordnungen zurückgestellt, die eigentlich dringend nötig wären.“ Dachdecker, Maurer oder Elektriker werden die Missernte ebenfalls zu spüren bekommen. Auf dem kargen Boden haben die Betriebe allerdings keine großen Polster bilden können. „Das möchte nächstes Jahr nicht passieren“, sagt er klipp und klar.

Für einen reinen Markfruchtbetrieb stelle sich die Lage so dar: Der Jahreserlös kommt zur Hälfte aus dem Ertrag, die andere Hälfte kommt über Agrarförderungen herein. 50 Prozent der Ertragsverluste können die Landwirte über Ausgleichszahlungen wettmachen.

Anders dagegen bei Vieh- oder Pflanzen- plus Viehbetrieben: Jetzt kommen viele noch gut klar. Aber der akute Futtermangel stürzt die Betriebe spätestens im nächsten Frühjahr in Liquiditätsprobleme, wenn die nächsten Aufwendungen anstehen.

Am stärksten von den Ausfällen betroffen sind die Flächen nördlich und östlich der Elbe. Über Zabeltitz, Görzig, Übigau zieht sich der Dürregürtel bis hinter nach Schönfeld, Thiendorf oder Ponickau. Wie viele Betriebe nun wirklich so schlimm dran sind, dass ihre Existenz auf dem Spiel steht, könne Mildner nicht sagen. Dazu seien sie viel zu unterschiedlich im Spektrum und den Voraussetzungen. Selbst das Wetter war von Ort zu Ort verschieden. Während es in Großenhain durchschnittlich nur vier Millimeter pro Quadratmeter geregnet hat, waren es in Wildenhain immerhin 27 Millimeter.

Anspruch auf Entschädigung haben alle existenzbedrohten Betriebe, deren Ausfall 20 bis 30 Prozent über dem Dreijahresschnitt liege, so Landwirtschaftsminister Steffen Flath (CDU). Zwölf Millionen Euro stehen dafür zur Verfügung. Amtschef Uwe Mildner rechnet damit, dass jetzt tägliche Anträge von Landwirten aus den betroffenen Regionen in seinem Haus eingehen.