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Den Bus nicht gesehen

Weil ein Transporterfahrer einen Bus beim Rechtsabbiegen schneidet, muss der Fahrer stark bremsen. Mehrere Fahrgäste werden verletzt.

Unfall am 5. November 2019 auf der Niederauer Straße in Meißen. Ein Transporter war vor einem Bus abgebogen und mit diesem zusammengestoßen.
Unfall am 5. November 2019 auf der Niederauer Straße in Meißen. Ein Transporter war vor einem Bus abgebogen und mit diesem zusammengestoßen. © Polizei

Meißen. Die 82-jährige Meißnerin kann sich an nichts mehr erinnern. "Ich bin erst wieder zu mir gekommen, als sich ein Arzt über mich beugte", sagt sie dem Richter. Sie saß in einem Bus der Verkehrsgesellschaft Meißen,  der am 5. November vorigen Jahres in einen Verkehrsunfall auf der Niederauer Straße verwickelt war. 

Ein Transporterfahrer soll mit seinem Auto vor dem Bus nach rechts abgebogen sein, dabei den auf der Busspur fahrenden Gelenkbus nicht gesehen haben. Obwohl der Busfahrer noch bremste,  kam es zum Zusammenstoß. 

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Fünf Personen im  Bus wurden verletzt, einige davon schwer. So wie die 82 Jahre alte Frau. "Ich kann nicht mehr Radfahren, und mit dem Klettern in den Bergen ist es seitdem auch vorbei", sagt sie. Bis heute ist sie in ärztlicher Behandlung. Zeitweise brauchte sie eine Haushaltshilfe. 

Die Versicherung des Transporterfahrers hat ihr inzwischen ein Schmerzensgeld von 800 Euro gezahlt. Schwer verletzt wurde auch eine 78-Jährige. Sie prallte mit dem Kopf gegen eine Haltestange im Bus. Eine dritte Geschädigte ist auch heute noch so sehr gesundheitlich beeinträchtigt, dass sie nicht zur Verhandlung erscheinen konnte. 

Die Legende von der kühlen Blonden

Der Transporterfahrer, ein 40-jähriger Coswiger, versucht,  die Schuld auf den Busfahrer abzuwälzen. Dafür hat er einen Zeugen mitgebracht, der im gesamten Verfahren bisher nicht auftauchte. Es ist wohl ein guter Bekannter, der bei der Einkaufs- und Liefergenossenschaft arbeitet, zu welcher der Angeklagte an diesem Tag fahren wollte.  Der Bus sei  "angebrettert" gekommen und in den Transporter gekracht, der schon zu drei Viertel in der Einfahrt gewesen sei, sagt dieser. Das kann nicht stimmen.  Dann nämlich hätte der Bus vorne rechts beschädigt sein müssen. Der Schaden ist aber links. 

Neben dem Fahrer habe eine junge, blonde Frau gestanden. Der Fahrer sei wohl abgelenkt gewesen, vermutet der Zeuge. Blöd nur: Er ist der Einzige, der die kühle Blonde gesehen haben will. Weder der Busfahrer noch irgendein Fahrgast kann sich daran erinnern. 

Richtige Entscheidung in Sekundenbruchteilen

Es ist wohl das große Glück für alle Beteiligten, dass der Busfahrer sehr erfahren ist, seit 31 Jahren Bus fährt. In Sekundenbruchteilen hat er die richtige Entscheidung getroffen. Er hat stark gebremst, aber keine Vollbremsung eingeleitet. Ansonsten wären wohl wesentlich mehr Fahrgäste wesentlich schwerer verletzt worden. Eine Alternative,  um die Fahrgäste zu schützen, wäre es gewesen, gar nicht zu bremsen. "Dann würde der Angeklagte jetzt nicht hier sitzen oder zumindest im Rollstuhl", sagt der 62-Jährige.

Als er ausgestiegen sei, habe der Angeklagte mit erhobenen Armen dagestanden und gesagt: "Sorry, sorry, ich habe dich nicht gesehen."  Kann schon mal vorkommen im Gedränge. Der Bus ist schließlich nur knapp 18 Meter lang und in unauffälligem Knallgelb lackiert.  Wahrscheinlicher ist wohl, dass er es wie so viele Transporterfahrer sehr eilig hatte und glaubte,  noch vor dem Bus abbiegen zu können. Der Bus war eher langsam unterwegs und hat nicht beschleunigt, wie mehrere Zeuginnen aussagen. Das wird auch durch die Aufzeichnungen des Fahrtenschreibers bestätigt. Er hat 40 Kilometer pro Stunde ausgewiesen.  Erlaubt wären 50.  

Der Angeklagte hatte einen Strafbefehl wegen fahrlässiger Körperverletzung erhalten. Er sollte eine Geldstrafe von 2.400 Euro zahlen. Eine Führerscheinmaßnahme wurde nicht ausgesprochen,  auch kein Fahrverbot verhängt. Unklar ist, warum er gegen den Strafbefehl in Einspruch ging, obwohl an der Sachlage nichts zu deuteln ist. Das sieht dann auch sein Verteidiger ein. Nach längerer Diskussion mit seinem Mandanten zieht er den Einspruch zurück. So bleibt es bei der verhängten Geldstrafe. 

Das Urteil hat aber auch noch eine weitere Folge. Der Angeklagte bekommt jetzt zwei Punkte in der Zentralen Verkehrssünderkartei in Flensburg. 

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