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Den Karpfen fehlt das Wasser

Von einer Katastrophe sprechen die Teichwirte um Niesky noch nicht. Dennoch müssen sie notabfischen.

Es wird eng in den Karpfenteichen, wenn das Wasser fehlt. Das ist gegenwärtig die Hauptsorge der Teichwirte.
Es wird eng in den Karpfenteichen, wenn das Wasser fehlt. Das ist gegenwärtig die Hauptsorge der Teichwirte. © dpa / Patrick Pleul

Wenn Dietmar Mühle an die Satzfischanlage in Sproitz denkt, dann zieht es dem Geschäftsführer der Kreba-Fisch GmbH die Sorgenfalten auf die Stirn. Die Hälterbecken sind unmittelbar der Talsperre Quitzdorf nachgelagert und werden vom Talsperrenwasser gespeist. „Wenn die Talsperre im Herbst abgestaut ist, bleiben uns nur ihre Zuflüsse, um die Hälteranlage mit Frischwasser zu versorgen“, erklärt Mühle. Und wie es mit dem Zufluss derzeit aussieht, das lässt sich jeden Tag an den Teichen feststellen. „Das fehlende Wasser vom Himmel und in den Zuläufen ist das größte Problem“, sagt der Geschäftsführer.

Fünf Teiche mit einer Fläche von rund 50 Hektar haben die Mitarbeiter bereits abgefischt und den Bestand in Teiche umgesetzt, die noch gut mit Wasser gefüllt sind. Deshalb spricht Mühle noch nicht von einer Katastrophe. „Die derzeitige Situation ist sehr durchwachsen, teilweise aber schon angespannt.“ Von den Teichen, die das Unternehmen in den Landkreisen Görlitz und Bautzen bewirtschaftet, sind nicht alle vom Wassermangel betroffen. „Noch nicht“, fügt Mühle hinzu. Denn das, was an Niederschlägen in den jüngsten Tagen vom Himmel fiel, ist meist im ausgetrockneten Erdboden versickert, statt die Bäche wieder zu füllen.

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Insgesamt gesehen ist man bei Kreba-Fisch mit dem Wachstum vor allem der Karpfen zufrieden. „Das Tier liebt Wärme und wächst in einem warmen Gewässer besser heran“, ist Mühles Erfahrung. Diese bestätigt Armin Kittner von der gleichnamigen Teichwirtschaft in Petershain. Auch seine Fische sehen prächtig aus, was ihnen aber fehlt, ist das Wasser. Kittner spricht davon, dass der Wasserstand am Tag zwischen einem und zwei Zentimetern sinkt, weil das Wasser verdunstet. Und da die Teiche oft nur bis einen Meter tief sind, lässt sich ausrechnen, wann die Fische auf dem Trockenen liegen. Und dann ist der Fischbestand in Gefahr, heißt es vom Sächsischen Landesfischereiverband.

Sinkt der Wasserstand, haben die Fische keine Rückzugsgebiete in das Schilf oder das Gras in Ufernähe mehr, erklärt Verbandssprecher Andreas Stummer. Sie werden dann leichte Beute für die Kormorane und ihre Artgenossen. Denn aus Sicht des Landesverbandes ist nicht allein das Wetter ein Problem für die Binnenfischer, sondern auch der Kormoran. Noch ist er nicht auf seinen Winterzug gen Süden. Aber kommt dieser, dann werden auch die Teiche der Oberlausitz wieder zu Rastplätzen, davon ist Stummer überzeugt.

Armin Kittner hat aber erst einmal um das ausbleibende Wasser in den Zuflüssen zu kämpfen. Fehlt es, fehlt auch der Sauerstoff für die Fische. Dort, wo es möglich und notwendig ist, wird mit Pumpen das Wasser umgewälzt. Trotz der helfenden Technik musste Kittner bereits drei Teiche abfischen, um den Bestand zu retten. „Nächste Woche werden wir einen weiteren Teich leeren“, fügt der Unternehmer hinzu. Dabei hat er das Glück, dass ihm ein belgischer Fischhändler den ganzen Bestand an Ort und Stelle abkauft.

Wie Dietmar Mühle bestätigt auch Armin Kittner, dass die Fischbestände sich bisher sehr gut entwickelt haben. Beide stimmen aber überein, dass erst noch der August gemeistert werden muss, um eine endgültige Einschätzung über das Fischjahr 2019 geben zu können. Die Krebaer können ihre Bestände noch füttern, was ihnen im August vor einem Jahr nicht mehr möglich war. Da fehlte es bereits an Sauerstoff im Wasser zur Futteraufnahme. Kritisch sieht Dietmar Mühle das Überwintern der Fische, besonders in der Satzfischanlage in Sproitz. Denn dort erfolgt vom Unternehmen die Hauptvermarktung der Fischbestände. Die Satzfischanlage ist sozusagen der Geldbringer. Hat die Talsperre kein Wasser mehr, dann bleibt nur ihr Zufluss. Mit der Landestalsperrenverwaltung ist bereits vereinbart, dass dieses Wasser in die Hälter gepumpt wird. Aber dazu muss es in der Talsperre erst einmal ankommen.

Der Landesfischereiverband sieht die Situation mit der Talsperre Quitzdorf besonders für die am Abfluss liegenden Teichwirtschaften kritisch. „Fällt kein Niederschlag, sind die Fischbestände bedroht“, so Andreas Stummer. Zwar können die Teichwirte wie die Landwirte eine finanzielle Entschädigung von Bund und Land in Anspruch nehmen. Diese greift aber erst, wenn der Jahresertrag 30 Prozent unter den Durchschnitt vergangener Jahre gefallen ist. Und die Beantragung der Mittel ist sehr kompliziert und aufwendig, fügt Stummer hinzu. Und das, obwohl die Erträge insgesamt rückläufig sind. Laut Landesverband wurde Anfang der 1990er Jahre noch eine Tonne Fisch auf einem Hektar Wasserfläche produziert. Jetzt sind es noch rund 350 Kilogramm. Heute kommen die Teichwirtschaften in Sachsen auf eine Jahresproduktion von 1 700 Tonnen Karpfen und 300 Tonnen anderer Fischsorten.

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