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„Den Kopf nicht in den Sand stecken“

Kein Töpfermarkt an diesem Wochenende. Der Gewerbeverein will es aber nicht bei der Absage belassen. Die SZ sprach mit Vereinschef Uwe Reichel.

Gewerbevereinschef Uwe Reichel
Gewerbevereinschef Uwe Reichel © Claudia Hübschmann

Herr Reichel, der jährliche Veranstaltungskalender des Gewerbevereins sieht im Mai den traditionellen Töpfermarkt in Meißen vor. An diesem Wochenende sollte er demnach zum 29. Mal stattfinden. Bleibt es dabei?

Leider nicht. Beim Töpfermarkt handelt es sich im behördlichen Sinne um einen Spezialmarkt. Und Spezialmärkte sehen die am Dienstagabend von der Staatsregierung verkündeten Lockerungen der coronabedingten Einschränkungen nicht vor. Deshalb mussten wir – schweren Herzens – am Dienstagabend alles absagen.

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Der Gewerbeverein als Veranstalter sowie mögliche Anbieter von Keramik und Töpferwaren und Kunsthandwerker mussten aber damit rechnen, dass in Zeiten wie diesen eine solche Veranstaltung nicht stattfinden kann.

Wir wollen den Kopf nicht in den Sand stecken. Deshalb hat der Gewerbeverein im Januar und Februar bereits alle Vorbereitungen getroffen. So gab es Absprachen mit Ausstellern, Händlern und Anbietern, die ihre Stände am Markt, in der Elbstraße sowie am Heinrichsplatz hätten aufbauen sollen. Wir haben aber noch keine Aufträge ausgelöst. So entstehen dem Gewerbeverein, der nun absagen musste, kaum Kosten.

Den abgesagten Ausstellern und Anbietern entgehen Umsätze und Einnahmen.

Natürlich. Aber auch für Gastronomen, die an diesem Freitag die Gaststätten wieder öffnen dürfen, und Geschäftsinhaber in der Innenstadt, die in den vergangenen Jahren vom guten Besuch bei Veranstaltungen wie dem Töpfermarkt profitierten, bringt die Absage finanzielle Einbußen. Andererseits werden in diesem Jahr viele Menschen ihren Urlaub in Deutschland verbringen. Das ist auch eine große Chance, gerade für Städte wie Meißen.

Deshalb bereiten wir nun weitere Veranstaltungen und Höhepunkte vor, um in den nächsten Wochen, wenn sich die coronabedingten Beschränkungen hoffentlich weiter lockern, Besucher in unsere Stadt zu holen. Gemeinsam mit der Stadt wollen wir durch gezielte Werbemaßnahmen auf Meißen aufmerksam machen und zum Besuch einladen – auf Großplakaten, mit digitaler Werbung sowie mit deutschlandweiten Anzeigenkampagnen.

Was genau plant der Gewerbeverein?

Zum Beispiel die sommerliche Open-Air-Kneipennacht Anfang August. Eine weitere Kneipennacht könnte es in den Sommermonaten als Ausgleich für die im März abgesagte geben. Auch die Modenacht im September soll stattfinden. Sie könnte mit einer langen Einkaufsnacht verbunden werden.

Wir überlegen auch, in der Innenstadt kulturelle Anreize zu schaffen, um Einheimische und Besucher in die Gassen sowie deren Geschäfte und Gaststätten zu ziehen und zum Verweilen einzuladen – auch abends, was im Interesse der Hotels, Pensionen und Anbieter von Ferienwohnungen liegen dürfte. Und: Im Vorstand unseres Vereins sind wir uns darin einig, dass in diesem Jahr das Weinfest und die Meißner Weihnacht stattfinden sollen.

Das Weinfest ist eine Großveranstaltung mit Tausenden Besuchern. Geht der Verein in Corona-Zeiten nicht ein sehr hohes Risiko ein, ein zu hohes?

Das bundesweite Verbot von Großveranstaltungen gilt bis zum 31. August. Deshalb sehe ich heute keinen Grund dafür, das Weinfest nicht vorzubereiten. Natürlich können wir die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen in diesem Jahr nicht außer Acht lassen. Wir planen also so, dass das Weinfest bei aller gebotenen Vorsicht und unter Einhaltung der geltenden Auflagen stattfinden kann – und dass eine eventuelle Absage durch die Behörden für uns als Organisatoren und die Stadt kein finanzielles Desaster bedeutet.

Wie genau soll das gehen?

Wir sind bereits mit Künstlern, Standbetreibern und Schaustellern im Gespräch. Dabei geht es vor allem darum, den dann geltenden Auflagen zur Sicherheit zu genügen und den finanziellen Schaden für alle Beteiligten möglichst gering zu halten, sollte das Weinfest von den Behörden nicht genehmigt werden. Deshalb soll beispielsweise auf Mitwirkende verzichtet werden, die von weither anreisen, um mögliche Ausfall-Kosten so gering wie möglich zu halten.

Nicht nur die Meißner, sondern auch diejenigen, die auch vielen Regionen Deutschlands nach Meißen zum Weinfest kommen, wollen wissen, wann es definitiv feststeht, ob das Weinfest in diesem Jahr stattfindet – oder nicht?

Ich denke, das wird Ende August sein – und hängt vor allem vom bundesweiten Verbot für Großveranstaltungen ab. Hoffen wir, dass es im September aufgehoben werden kann.

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