merken
PLUS Dresden

Den Verkehrsbetrieben gehen die Fahrer aus

In den nächsten Jahren verabschieden sich viele in die Rente. Dieser Plan soll gegen den Notstand helfen. 

Quereinsteiger Thomas Napp nimmt schon mal auf dem Fahrersitz einer Straßenbahn Platz, obwohl gerade die erste Woche Theorie hinter ihm liegt.
Quereinsteiger Thomas Napp nimmt schon mal auf dem Fahrersitz einer Straßenbahn Platz, obwohl gerade die erste Woche Theorie hinter ihm liegt. © Marion Doering

Seit Montag lernt Thomas Napp, wie man Straßenbahnen fährt. Der Der 47-Jährige ist einer von 84 Quereinsteigern, die bei den Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB) gerade als neue Fahrer fit gemacht werden. Denn das Verkehrsunternehmen braucht dringend Unterstützung. Vor allem Lars Seiffert kann davon ein Lied singen. Dieses Jahr war kein leichtes für den Personal- und Betriebsvorstand der DVB. Durch parallel laufende Arbeiten auf der Oskarstraße, der Kesselsdorfer Straße und in Radebeul waren viele Ersatzbusverkehre nötig und damit deutlich mehr Fahrer als normal im Einsatz.

Die Problemwoche

Autohaus Dresden
Eines der besten Autohäuser in Deutschland
Eines der besten Autohäuser in Deutschland

Dresden braucht starke und innovative Unternehmen, wie das Autohaus Dresden. Der Opelhändler ist seit über 25 Jahren tief mit der Region verwurzelt.

Ende Juni war es soweit: Über 250 Fahrten fielen innerhalb von sieben Tagen aus. Inzwischen hat sich die Situation verbessert. Von rund 5000 Fahrstunden am Tag sind maximal noch 16 unbesetzt, sagt Seiffert. „Das nützt zwar dem Kunden nichts, der an der Haltestelle vergeblich auf seinen Bus wartet. Aber wir haben für Ausfälle vorgesorgt“, sagt Seiffert. Für den Fall, dass sich Fahrer krankmelden, stehen im Früh- und Tagdienst jeweils fünf Ersatzfahrer zum schnellen Einspringen bereit, je drei für den Spät- und Nachtdienst. Müssen dennoch Fahrten ausfallen, versuche die Leitstelle dafür Strecken mit hoher Taktfrequenz auszuwählen.

Das Zukunftsmodell

Vor Seiffert liegt jedoch ein weiteres Problem. Ab 2020 und den darauffolgenden Jahren gehen jeweils rund 50 bis 70 unserer 1000 Fahrer in den Ruhestand. Damit kein riesiges Loch im Personalbestand entsteht, sind bereits ab diesem Jahr 84 Quereinsteiger in der Ausbildung zum Bus- und Bahnfahrer. Im Oktober beginnt der letzte Kurs für dieses Jahr. „Zum Glück melden sich ausreichend Bewerber, sodass wir immer noch auswählen können“, sagt Seiffert. Denn auch in den kommenden Jahren müssen die Quereinsteiger in hoher Zahl gefunden werden, um die Abgänge auszugleichen. Eines der Auswahlkriterien ist übrigens, wie die künftigen Fahrer mit Kunden umgehen würden. „Wir wollen uns keine unfreundlichen Mitarbeiter mehr leisten, denen jedes Wort mit dem Fahrgast zu viel ist“, sagt der DVB-Vorstand. In Stresssituationen müsste der Kundengedanke ganz oben stehen. Inzwischen läuft sogar die Fahrschule der Verkehrsbetriebe im Zwei-Schicht-System, im Vorfeld mussten zusätzliche Fahrlehrer ausgebildet werden. „Das hat auch organisatorische Veränderungen mit sich gebracht, sonst hätten wir die Ausbildung in der nötigen Anzahl nicht geschafft“, sagt Seiffert. Zusätzlich bilden die DVB jährlich 20 Azubis im Fahrverkehr aus, nicht nur Männer.

Die Technikausstattung

Auch die Fahrzeuge haben unter der lang anhaltenden Sommerhitze gelitten. Vor allen an Straßenbahnen traten deshalb Schäden auf. Elektronische Bauteile haben sich selbst abgeschaltet, um sich vor der Hitze zu schützen, in den Antriebscontainern auf dem Dach der Straßenbahnen sind Temperaturen von bis zu 60 Grad Celsius entstanden. Mit den neuen Stadtbahnen, die ab 2021 geliefert werden, soll das nicht mehr passieren. Diese seien für höhere Temperaturen ausgelegt, sagt Lars Seiffert. Und auch die Fahrgäste können dank Klimaanlage einen kühlen Kopf bewahren.

Die Motivation

Quereinsteiger Napp wohnt derzeit noch in Riesa, zieht aber jetzt nach Dresden. Vor fünf Monaten ist er Vater geworden. „Bei mir geht jetzt alles Schlag auf Schlag“, sagt er lachend. Nach der ersten Theoriewoche sitzt er ab kommendem Montag auch in der Straßenbahn. „Das wird etwas ganz anderes als Autofahren“, ist der gelernte Schweißer sicher.

In der Theorie hat er auch schon eine Schulung bekommen, wie man den Spagat schafft, keine Fahrgäste stehen zu lassen, aber auch den Fahrplan einzuhalten. „Ich arbeite ehrenamtlich als Fußballschiedsrichter und muss da viel vermitteln. Ich hoffe, dass mir das bei der Arbeit mit den Fahrgästen hilft“, sagt Napp. Gewöhnen muss er sich dann auch an den Schichtrhythmus, bei dem er zum Teil mitten in der Nacht starten wird. „Aber ich freue mich sehr auf die neue Aufgabe, das wird spannend.“

Mehr zum Thema Dresden