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Den Wald selbst eingerichtet

Die Wälder werden neu: In der Rekultivierungliegt eine große Chance.

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Von Jenny Ebert

Erstaunlich, wie sich binnen weniger Meter die Landschaft verändern kann. Eben noch haben wir in den tiefen Krater des Tagebaus Nochten geschaut und nun stehen wir inmitten fleißig wachsender Bäumchen und Sträucherchen. Entschuldigung, aber die Verniedlichungsform lässt sich hier kaum vermeiden, schließlich sind die Pflänzchen gerade mal wenige Zentimeter hoch und dabei schon mehr als ein Jahr alt. Aber auf so strapaziertem Boden wächst es sich eben langsam.

Einst Kippenfläche

Auch wenn es daran eigentlich nicht liegen kann, denn Oberförster Olaf Hanspach gibt sich wirklich alle Mühe. Und die ist auf den ehemaligen Kippenflächen auch nötig. Denn vor wenigen Monaten schaufelte sich hier noch die Förderbrücke des Tagebaus ihren Weg.

Es ist übrigens eine höchst interessante Angelegenheit, wie diese Brücke sich durch das Tagebautal fräst: vorn schaufelt sie sich den Weg mit Eimerketten frei und hinten schüttet sie sich ihre eigene Stützschicht wieder auf. Unten sorgen so genannte Gleisrückmaschinen für ein Vorwärtskommen der Brücke. Ganz nebenbei wird unter der Abraumförderbrücke der Firma Vattenfall Europe Mining & Generation natürlich auch noch die Kohle abgebaut, das eigentlich Wichtige. Aber zurück zu den Bäumchen. Damit die wachsen können, muss der so genannte Absetzer den fruchtbaren Boden der oberen Bodenschichten der einen Seite des Abbaugebietes, der über eine Bandanlage um den Tagebau herum transportiert wird, auf den bereits ausgekohlten Bereich auf der anderen Seite abladen. Dadurch wird auch gleich das Grobrelief der Tagebaufolgelandschaft geschaffen.

Dort kann sich der Förster dann so richtig austoben. „Das Feinrelief machen wir dann hier“, lächelt Olaf Hanspach, der neben seiner Tätigkeit als Oberförster für das Gebiet Nochten/Reichwalde auch noch Mitarbeiter der Rekultivierung/Landschaftsgestaltung bei Vattenfall ist. Als Feinschliff wird dann mal eine Wanderdüne, mal ein idyllischer Naturpunkt wie der Findlingspark Nochten oder auch mal ein alter Baum als Treffpunkt verstanden. So entscheidet der Oberförster auch darüber, wo eine Lichtung entsteht oder wo beispielsweise ein Findlingsschnecke Eidechsen zum Verweilen einlädt. Das Gelände wirkt dann viel aufgeräumter.

Umgeben ist das alles natürlich von Wald, das heißt, irgendwann einmal. Denn momentan sind alle Pflanzen natürlich noch sehr jung. Und selbst die schon einige Jahre alten Bäume lassen noch nicht wirklich an Wald denken. Nur so als Anhaltspunkt: für die „Weihnachtsbaumgröße“ braucht ein Baum etwa zwölf Jahre!

Doch wenn man Olaf Hanspach zuhört, entsteht das Gelände schon im Detail vor dem geistigen Auge. Denn hier ist von Anfang an alles genau durchdacht. Da sich sowohl Forst- als auch einige Radwege durch die Bergbaufolgelandschaft zwischen Boxberg, Schleife und Weißwasser ziehen, muss der Anbau der Pflanzen auch damit konform gehen. „So kann zum Beispiel direkt bis zu einem Kreisverkehr heran keine Baumpflanzung gemacht werden, da Sie ja dann irgendwann durch die großen Bäume nicht mehr sehen, ob die Straße für Sie frei ist“, nennt Hanspach nur eines von vielen Beispielen.

Ein See im Tagebau

Und genauso aufmerksam und liebevoll wird der Rest des Geländes von Olaf Hanspach und seinen Mitarbeitern gestaltet. Der Revierförster scheint schon die Radfahrer vor sich zu sehen: da stehen drei Schaufeln eines alten Baggers, dort ein alter abgestorbener Baum – beides als auffällige Treffpunkte gedacht – und hier ein Stubbenwall als natürliche Abgrenzung zum Tagebau. Schließlich sollen die Radler nicht überall in die Grube schauen, sondern gezielt die Aussichtspunkte anfahren. Auch gibt es noch ein weiteres spannendes Projekt: Im Tagebau Nochten entsteht als einmaliges Projekt im laufenden Tagebau ein See (Herrmannsdorfer See), der etwa 2018 komplett geflutet sein soll.

Olaf Hanspach kommt angesichts all dessen schnell ins Schwärmen: „Das ist einfach toll! Ich kann die 6 000 Hektar, die ich hier betreue, nach und nach genau so gestalten, wie ich mir das vorstelle.“ Als ob man sein Wohnzimmer einrichten würde.