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Denkanstöße, um Kinder zu wagen

Am Wochenende ist im Autohaus Klische auf der Reichenbacher Straße 3 die Ausstellung „Ansichtssache: Kinder!wagen“ eröffnet worden. Die Resonanz auf die rund 40 historischen Kinderwagen aus 150 Jahren war vom Start weg groß.

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Von Matthias Nicko

Was waren das noch für Zeiten so kurz nach dem Krieg? Ein Zwillingskinderwagen etwa ließ sich im September 1951 nicht ohne Weiteres auftreiben. Und so konnten die Säuglinge Elke Krauspenhaar und ihr eine Stunde später geborener Bruder Friedemann erst im darauffolgenden Frühjahr vom Kinderwagen aus die Welt erobern. Denn da hatte die Mutter endlich eine „cremefarbene Hitsche“ ausfindig gemacht. Doch dieser waren die Zwillinge im Handumdrehen entwachsen. Heute hat Elke Krauspenhaar aus Seifhennersdorf selbst zwei Kinder. Sylvia kam 1975 zur Welt, Solveig folgte 1979. In der Zwischenzeit hatte Ehemann Reinhard, mit dem Frau Krauspenhaar am Wochenende die Ausstellung besucht hat, neue Räder an den weißen Kunststoffkinderwagen montiert. Auch Barbara und Ulf Großmann, zwei der Initiatoren von „Ansichtssache: Kinder!wagen“, können ein Liedchen von ihren Erlebnissen mit dem Baby-Transportmittel singen. Der älteste ihrer sechs Sprösslinge, Annemone, sackte 1980 auf dem Leipziger Hauptbahnhof eine ganze Etage tiefer, als die Schere des schrottreifen Wagens zusammenbrach. „Da war meine Tochter gut zehn Wochen alt“, schaut Frau Großmann zurück.In Erinnerungen schwelgen werden viele, wenn sie auf der Ausstellung in Rauschwalde Falt-, Klapp-, Sport- oder Kofferkinderwagen unter die Lupe nehmen. Es gibt sie in Klein und Groß, in Gelb oder Blau, als englisches oder holländisches Fabrikat. Schon wegen dieser Erlebnisse lohne es sich, „Kinder zu wagen“, sagte zur offiziellen Ausstellungseröffnung am Sonnabend Albin Nees, Staatssekretär im sächsischen Sozialministerium und Präsident des Deutschen Familienverbandes. Jedoch seien allein von den 1965 in Deutschland geborenen Menschen 28 Prozent kinderlos geblieben. „Dabei ist nichts in größerem Maße unsere Zukunft als Kinder“, fügte Nees hinzu. Weil das die Initiatoren genauso sehen, haben sie eine Schau auf die Beine gestellt, die laut Barbara Großmann „Denkanstöße als Reaktion auf die demografische Entwicklung geben“ will.Zu sehen ist die Kinderwagen-Schau bis zum 30. April. Sie ist montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr geöffnet und an den Wochenenden von 14 bis 18 Uhr.