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„Ich bin für den Erhalt der Antenne“

Denkmalschützer wollen die Landmarke an der A4 in Wilsdruff retten. Doch die Hilfsbereitschaft hat Grenzen.

Noch prägt die Riesenantenne die Landschaft rund um Wilsdruff. Nach Willen ihres Besitzers soll sie bis zum Jahresende abmontiert werden.
Noch prägt die Riesenantenne die Landschaft rund um Wilsdruff. Nach Willen ihres Besitzers soll sie bis zum Jahresende abmontiert werden. © Foto: Andreas Weihs

Noch steht die Wilsdruffer Riesenantenne. Doch schon Ende des Jahres könnte das anders sein. Ihr Besitzer, die Kölner Media Broadcast, möchte den 153 Meter hohen Mast abreißen, weil er nicht mehr gebraucht wird und nur Kosten verursacht. In Wilsdruff will man den Abriss nicht so ohne Weiteres hinnehmen. Deshalb werden dort Unterschriften gesammelt. Der Technikverein Sender Wilsdruff tüftelt an Ideen, wie die gesamte Anlage weiter im Sinne eines technischen Denkmals genutzt werden könnte. Auch im Dresdner Innenministerium, das auch für den Denkmalschutz in Sachsen zuständig ist, hat man sich Gedanken gemacht. Wie, das wollte die SZ von Ulrich Schreiber wissen. Der 53-jährige Jurist leitet das Referat für Denkmalpflege und Denkmalschutz.

Herr Schreiber, in Wilsdruff kämpfen mehrere Bürger für den Erhalt der Sendeantenne. Diese stand wie das Funkamt daneben unter Denkmalschutz. Das Landratsamt hat den Schutz für die Antenne aufgehoben. Der Freistaat könnte sie doch kaufen, um sie der Nachwelt zu erhalten?

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Die Idee ist naheliegend. Doch der Freistaat kann nicht jedes Denkmal übernehmen, das vor dem Abriss bewahrt werden soll. Würden wir die Wilsdruffer Antenne kaufen, würden sich – zu Recht – sehr schnell viele andere Initiativen bei uns melden, die Ähnliches von uns verlangen würden. Das können wir nicht leisten. Der Freistaat ist vielmehr bemüht, Eigentümer von Denkmälern ideell und mit Fördermitteln zu unterstützen. Die Herausforderung in Wilsdruff liegt neben den komplexen Eigentumsverhältnissen vor allem darin, dass das Denkmal nicht genutzt wird und auch nicht frei zugänglich ist.

Wieso hat Ihr Ministerium im Herbst 250.000 Euro in Aussicht gestellt, um die Antenne zu erhalten?

Wir haben uns Gedanken gemacht, wie die Antenne zu retten ist. Bereits im September 2018 gab es eine Vor-Ort-Begehung unserer Fachleute vom Landesamt für Denkmalpflege. Meine Kollegen schauten sich auf dem Gelände um und informierten mich anschließend über die unterschiedliche Motivation der Beteiligten. Der Eigentümer der Antenne möchte den Abriss, andere Akteure plädieren für deren Erhalt. Uns war rasch klar, dass die Ausgangslage auch aufgrund der unterschiedlichen Eigentumsverhältnisse sehr komplex ist. Grund und Boden, das Antennenhaus und die Antenne haben unterschiedliche Eigentümer. Unser Bestreben war es, die Objekte in eine Hand gelangen zu lassen und hierzu einen Anstoß zu geben, indem dem potenziellen Gesamteigentümer – in diesem Fall dem Eigentümer des Grundstücks – ein angemessener Förderbetrag angeboten wird.

Ulrich Schreiber (53) ist Jurist und leitet das Referat für Denkmalpflege und Denkmalschutz im sächsischen Innenministerium. 
Ulrich Schreiber (53) ist Jurist und leitet das Referat für Denkmalpflege und Denkmalschutz im sächsischen Innenministerium.  © Foto: privat

Ging es um die 250.000 Euro?

Ja, diese Summe hatten wir vorgeschlagen.

Wie kamen Sie auf diesen Betrag?

Wir haben uns die Kosten angeschaut, die diese Anlage in zehn bis 15 Jahren verursachen wird. 250.000 Euro war das Ergebnis einer Hochrechnung. Diese Summe macht nach unserer Schätzung rund die Hälfte der anfallenden Kosten für den Erhalt aus. Den Betrag hätten wir dem Grundstückseigentümer für die Übernahme der Antenne angeboten. Da wir zu den Beteiligten zu diesem Zeitpunkt keinen Kontakt hatten, haben wir unser Förderangebot zunächst der Stadt Wilsdruff gegenüber unterbreitet. Nach unseren derzeitigen Informationen hat sich der Grundstückseigentümer auf eine Übernahme nicht eingelassen, weil ihm die Ausgaben für den Erhalt des Turmes viel zu hoch waren. Deshalb wurde auch kein Förderantrag gestellt.

In Wilsdruff bemüht sich auch der Technikverein um den Erhalt. Hat sich der Verein mit Ihnen in Kontakt gesetzt?

Noch nicht. Ich kenne auch keine Konzepte, wie die Anlage weiter genutzt werden soll.

Der Technikverein beklagt, dass viele Anlagen wie zum Beispiel die Röhren aus den Sendern, eine Dreiecksantenne und die Tische und Stühle aus dem Speisesaal des Funkamtes bereits fehlen. Haben Ihre Kollegen überprüft, ob es in letzter Zeit zu weiteren Verlusten kam?

Es stimmt, einige Anlagen und Gegenstände wurden gestohlen. Das liegt nach unseren Informationen aber schon Jahre zurück. Nach dem letzten Eigentümerwechsel des Grundstückes gab es wohl keine weiteren Diebstähle mehr.

Es gibt Politiker, die es für möglich halten, dass feindliche Kräfte mit gezielten Angriffen unsere Strom- und Telekommunikationsnetze außer Betrieb setzen. Könnte ein Mittelwellensender wie der in Wilsdruff in Krisensituation dann genutzt werden, um die Bürger zu informieren?

Mit solchen Szenarien habe ich mich nicht befasst. Ich bin für den Denkmalschutz zuständig und freue mich, wenn Denkmale genutzt werden, weil sie dann natürlich viel leichter zu erhalten sind. Die Denkmalpflege oder der Denkmalschutz selbst können aber keine spezifischen Nutzungskonzepte entwickeln.

Wie könnten Sendeanlage und das Funkamt genutzt werden, um beides als technisches Denkmal zu erhalten?

Mir liegt derzeit keine Konzeption vor. Deshalb fällt es mir schwer, das zu beurteilen. Es liegt zwar nahe, dort ein Museum zu etablieren. Damit würde man allerdings nur eine sehr begrenzte Zielgruppe von Spezialisten ansprechen. Eine künftige Konzeptidee müsste also weiter greifen und etwas schaffen, das mehr Leute anzieht. Das ist meine persönliche Meinung. Wir Denkmalschützer könnten Investitionen mit Denkmalbezug für so ein Museum mitfinanzieren, allerdings nicht komplett.

Herr Schreiber, Hand auf Herz. Ist der Turm noch zu retten?

Als Denkmalschützer sage ich: Ich hoffe! Auch ich bin für den Erhalt dieses technischen Denkmals. In der Hand haben das nun andere. Der Turmeigentümer, die Media Broadcast, wird sich sicherlich auf geeignete Weise mit den Wünschen der Menschen hier in der Region und der damit verbundenen Unterschriftenaktion auseinandersetzen.

Das Gespräch führte Maik Brückner.

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