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Rittergut und Gruft erkunden

Zum Tag des offenen Denkmals am 13. September wird es in diesem Jahr viele Online-Führungen geben. Doch wo sind die Türen wirklich offen?

Kirchvorsteher Peter Behrendt erklärt die Geschichte der alten Grabplatte in der Possendorfer Kirche.
Kirchvorsteher Peter Behrendt erklärt die Geschichte der alten Grabplatte in der Possendorfer Kirche. © Egbert Kamprath

Aufgrund der Corona-Situation wird es in diesem Jahr nicht wie gewöhnlich viele offene Denkmäler am 13. September geben. Deutschlands größtes Kulturevent für die Denkmalpflege findet erstmals in seiner Geschichte überwiegend digital statt. Dennoch beteiligen sich im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge einige Einrichtungen auch ganz real und persönlich mit Führungen, Gesprächen und offenen Türen unter Einhaltung der Corona-Verordnung. 

Darunter ist auch der neue Possendorfer Friedhof an der B170. Er wird in diesem Jahr 160 Jahre alt. Doch da dessen Geschichte sich nicht ohne die des alten Friedhofs erzählen lässt, wird auch der Bereich unter der Possendorfer Kirche bei den beiden öffentlichen Führungen am 13. September Erwähnung finden, sagt Kirchenvorsteher Peter Behrendt: "Unter der Kirche gibt es verschiedene Grüfte, die wir während der letzten Sanierung zwischen 2010 und 2011 fanden." 

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Der Altarraum stammt aus dem Jahr 1150, das Kirchenschiff wurde zwischen 1595 und 1596 erbaut. Somit befinden sich in den Grüften unter dem Altarraum sehr alte Grabstätten, sagt Behrendt: "Das älteste uns bekannte Grab ist das von Brigitta Schütz. Sie war die Frau des Rittergutbesitzers von Theisewitz." Die Grabplatte aus dem Jahr 1623 war bereits bei einer Sanierung der Kirche 1870 gefunden worden, mit zwei weiteren Grababdeckungen, erzählt Behrendt: "Alle drei Platten waren von außen an die Kirchenmauern angelehnt worden, aber nur die eine hat die Witterung überstanden."

Grabplatte von 1623 als Fußbodenplatte verbaut

Diese alte Grabplatte von Brigitta Schütz lag dann eine unbestimmte Zeit lang umgedreht als Fußbodenplatte in der Kirche und wurde 1907 wiederentdeckt. Jetzt befindet sie sich im hinteren Teil der Kirche, angelehnt an eine Wand und für alle Besucher sichtbar.

"Soweit wir wissen, ist Brigitta Schütz mit 33 Jahren, 35 Wochen und einem Tag verstorben, offenbar an den Geburtsfolgen ihres Sohnes Georg." Zwar gäbe es keinen Eintrag im Totenbuch dazu, aber der kleine Georg war am 15. April 1632 notgetauft worden, ergibt ein alter Taufeintrag. "Georg hat aber überlebt und ist erst mit reichlich 80 Jahren in einer anderen Gegend verstorben", sagt der Kirchenvorsteher, welcher sich dabei auf Heimatforscher beruft. 

Ein Blick in die Gruft unter der Possendorfer Kirche.
Ein Blick in die Gruft unter der Possendorfer Kirche. © Kirche Possendorf

Kindergräber in der Gruft

In der alten Gruft, die nicht zugänglich ist, um die Totenruhe zu wahren, wurden insgesamt 50 Grabstellen gefunden, darunter auch die einiger Kinder. "Überwiegend handelt es sich um Angehörige der fünf Rittergüter, die es hier in Possendorf einmal gab. Nur ein Pfarrer liegt in der Gruft. Er war 1713 verstorben.

Früher befand sich der Zugang zur Gruft nicht im Inneren der Kirche sondern außen, an einem Vorbau. Die letzte Bestattung in der Kirchengruft fand 1854 statt. Der bekannteste Mensch, der unter der Possendorfer Kirche seine letzte Ruhe fand, war der Kurfürstlich Sächsische Kriegszahlmeister Johann Lämmel, der zwar bei der Messe in Leipzig verschied, aber auf eigenen Wunsch 1705 in Possendorf beigesetzt wurde.

Noch mehr interessante Geschichte vom Possendorfer Friedhof verrät Peter Behrendt persönlich zum Tag des offenen Denkmals am 13. September 14 und 16 Uhr. Treffpunkt ist das Kriegerdenkmal vor der Kirche.

Gesindehaus im alten Rittergut Neustadt zeigt sich

In Neustadt in Sachsen wird das Gesindehaus am 13. September seine Türen und Tore für Besucher öffnen. Das Untergeschoss des alten Rittergutes im Ortsteil Polenz war im letzten Jahr für rund 200.000 Euro, die aus dem Leader-Programm der EU flossen, saniert worden. In diesem Zuge wurden unter anderem ein Teil des Daches erneuert, behindertengerechte Toiletten eingebaut, der Fußboden saniert, die Gewölbedecken verputzt, neue Veranstaltungsräume errichtet und historisch nachgebaute Kreuzstockfenster eingesetzt.

Zum Tag des offenen Denkmals will der Verein "750 Jahre Polenz", der sich für den Erhalt des letzten verbliebenen Gebäudes der Schlossanlage einsetzt, vor allem die neue Bühne im ehemaligen Pferdestall einweihen, sagt Martina Herrmann. "Wir haben sehr lange auf die Bühne gewartet. Nun ist sie da und die Hohwaldmusikanten werden 11 bis 13 Uhr nach Bedarf spielen." 

Geplant sei, dass sich Besucher in kleinen Gruppen das sanierte Untergeschoss mit den alten Gewölben und Säulen anschauen können. Gäste die draußen warten, würden währenddessen musikalisch im Außenbereich mit Kaffee und selbst gebackenem Kuchen versorgt, sagt die Vereinschefin. Mehr wäre in diesem Jahr wegen der Corona-Situation nicht möglich, erklärt Martina Herrmann und bittet die Besucher ihre Mund-Nasen-Bedeckung mitzubringen.

Blick von hinten auf die neue Bühne im ehemaligen Pferdestall des Gesindehauses in Neustadt.
Blick von hinten auf die neue Bühne im ehemaligen Pferdestall des Gesindehauses in Neustadt. © Steffen Unger

Das für den 19. September geplante Herbstfest sagt sie nun auch ab und begründet diese Entscheidung mit den zu hohen Hygieneauflagen, die nicht erfüllt werden könnten.

Das Rittergut Polenz, zu dem das Gesindehaus gehört, wurde erstmals im 13. Jahrhundert als Guts- und Verwaltungssitz erwähnt. In den Jahren 1951/52 wurde das Hauptgebäude abgerissen. Wohl auch, weil schon damals so große Bauschäden vorhanden waren. Das zumindest ergibt sich aus der Recherchearbeit des Festvereins 750 Jahre Polenz. 

Das Gesindehaus im Neustädter Stadtteil Polenz von außen.
Das Gesindehaus im Neustädter Stadtteil Polenz von außen. © Steffen Unger

Seither stehen nur noch das Gesindehaus, das Milchhaus mit Obstgarten sowie der Pferde- und Schweinestall. Der Verein betreut das Objekt seit 2013. Die neue Bühne im Außenbereich war durch Spendengelder finanziert worden. Reichlich 25.000 Euro hatte eine Online-Spendenaktion auf dem Portal 99 Funken.de der Ostsächsischen Sparkasse Dresden Mitte letzten Jahres eingebracht.


Auflistung einiger Einrichtungen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, die am Tag des offenen Denkmals am 13. September 2020 teilnehmen:

  • In Pirna finden Gäste als zentrale Anlaufstelle im Kuratorium Altstadt, Kirchplatz 10 alle Informationen zu den geöffneten Denkmalen.
  •  Mägdeleinschule, Kirchplatz 10 in Pirna lädt zur Ausstellung „Pirna – einst und jetzt“ von 11 bis 16 Uhr ein.  Gezeigt werden Postkarten und Fotografien des Fotoklubs des Kuratoriums Altstadt Pirna e.V. Der Eintritt ist frei.
  • Schloss Langburkersdorf, Dammstraße 2, Neustadt in Sachsen von 10 bis 17 Uhr geöffnet.
  • Hofmühle Langburkersdorf, Raupenbergstraße 6, Neustadt in Sachsen von 10 bis 17 Uhr geöffnet.
  • St.-Jacobi-Kirche, Kirchplatz 2, Neustadt in Sachsen von 12 bis 15 Uhr geöffnet.
  • Kirche Oberottendorf, Alter Weg 5, Neustadt in Sachsen von 10 bis 18 Uhr geöffnet.
  • Kirche Rückersdorf, Kirchstraße 5, Neustadt in Sachsen von 10 bis 18 Uhr geöffnet.
  • Marienschacht, Schachtstraße 12 in Bannewitz, von 10 bis 18 Uhr geöffnet mit stündlichen Führungen.
  • Deutsches Stuhlbaumuseum, Lindenstraße 2, Rabenau geöffnet von 13 bis 17 Uhr mit zwei laufenden Sonderausstellungen
  • Schloss Lauenstein bei Altenberg wird das Museum von 10 bis 16.30 Uhr öffnen. Zudem gibt es um 11, 13 und 15 Uhr eine Filmvorführung zur Bau-Geschichte des Schlosses. Dafür wird um Voranmeldung unter Telefon:  035054.25402 gebeten. Um 14 Uhr starten im Barockgarten "die kleinste Oper der Welt" und eine  Kirchenführung.
  • Rösche des Segens-Gottes-Schacht, Poisentalstraße 152, Freital bietet zwischen 10 und 17 Uhr Führungen in historischer Kleidung unter Tage an. Zudem werden zwei funktionsfähige Modelle der Bergschmiede und des Schachtes zu sehen sein. Es wird um festes Schuhwerk gebeten und das Aufsetzten der Mund-Nasen-Bedeckung. 
  • Schloss Dippoldiswalde-Naundorf lädt zu Führungen durch das Schloss und den Keller in der Zeit 11 bis 16 Uhr ein.
  • Schloss Reichstädt, Am Schloss 1 bietet zwei Führungen um 15 und 16 Uhr durch den Park und das Schloss an. Zudem gibt es 17 Uhr einen Vortrag über die Mode und Hygiene in der Barockzeit.
  • Kirche Maxen lädt um 10 Uhr zum Erntedankgottesdienst ein. Dabei wir der neue Gemeindepfarrer Dr. Gregor Reichenbach vorgestellt. Zwischen 12 und 15 Uhr finden stündlich Führungen statt.
  • Heimatmuseum Maxen, Maxener Straße 71 öffnet von 13 bis 16 Uhr.

  • Kunsthof Maxen, Maxener Straße 77 öffnet von 10 bis 18 Uhr.

  • Blaues Häusel, Maxener Straße 2A bietet zwischen 11 und 15.30 Uhr Führungen an.

  • Schmalspurbahnmuseum Wilsdruff, Freiberger Straße 50 hat von 10 bis 17 Uhr erstmalig in diesem Jahr geöffnet.

  • Arno-Lippmann-Schacht in Altenberg, Zinnwalder Straße, öffnet von 10 bis 15.30 Uhr den Förderturm und das Schachtgebäude für Besucher.

  • Burgruine Tharandt wird zwischen 10 und 15 Uhr das sonst nicht öffentlich zugängige Kellergewölbe für Besucher öffnen - auch hier unter Einhaltung der Hygienebestimmungen.

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