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Denkmal wartet auf Frischekur

Die Ruine am Ortseingang Tharandt sollte saniert werden. Diese Pläne hat der Eigentümer nun wohl nicht mehr.

Von Verena Weiß

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Die Fassade bröckelt, samt der Schmierereien darauf. Gestrüpp wuchert vor der Tür. Die unteren Fenster sind zugenagelt. Das restliche Glas ist zerbrochen. Kein hoffnungsvoller Anblick. Und dennoch soll es Hoffnung geben, für die Ruine an der Roßmäßler Straße in Tharandt.

Da war es noch bewohnt. Eine Aufnahme des Hauses aus dem Jahr 1961.Fotos: privat (2)
Sie haben ihre Kindheit in dem Haus verbracht: Horst, Klaus, Rosemarie, Renate und Ruth Umlauft (v.l.n.r.).

Für 8 500 Euro wurde das unter Denkmalschutz stehende Haus im Mai vorigen Jahres von einem Tharandter aus der Versteigerung gekauft, der schon erfolgreich in Tharandter Objekte investierte. Ein Lichtblick für das bis dato verwaiste Gebäude, das obendrein schon einige Besitzer kennenlernte. Doch die Odyssee der Eigentümerwechsel scheint noch nicht beendet. In Tharandt wird bereits gemunkelt, der neue Eigentümer habe Verkaufsabsichten, wolle nicht mehr selbst in das Objekt investieren, sondern das Haus verkaufen, wohl an einen anderen Tharandter. Bestätigt hat der aktuelle Hauseigentümer besagte Pläne nicht. Auf SZ-Nachfrage wollte er sich nicht zum Sachverhalt äußern.

Dass das in den 1820er-Jahren erbaute Haus im Ortskern wieder aufgehübscht wird, dürfte nicht nur im Sinn vieler Tharandter sein. Auch Renate Pälchen liegt viel daran, dass ihr Geburtshaus eine Zukunft hat. Die heute 76-Jährige hat bis zu ihrem 19. Lebensjahr in dem Haus auf der Roßmäßler Straße 35 in Tharandt gewohnt.

Glückliche Kindheit im Elternhaus

Ihr Großvater Franz Umlauft habe 1919 das Objekt von einem Herrn Bussewald, der zuvor eine Metallverarbeitung betrieb, gekauft und richtete hier seine Tischlerei ein. 1929 habe ihr Großvater das Haus samt Tischlerei seinen Söhnen Rudolf und Willi Umlauft übertragen. „Das Geschäft florierte“, weiß Renate Pälchen, die damals ebenfalls noch den Namen Umlauft trug, „es gab Gesellen und Pläne zur Aufstockung.“ Sogar Schweine und Ziegen seien hier für den Eigenbedarf gehalten worden, auch noch nach dem Zweiten Weltkrieg. An Kaninchen, Hühner und die Ziege Gustl kann sich die 76-Jährige noch selbst entsinnen. Auch daran, wie mehrere Generationen hier unter einem Dach lebten. Renate Pälchens Großeltern, Eltern, ihre anderen vier Geschwister und die beiden Cousins. „Das Haus ist an den Berg gebaut, hatte also im Erdgeschoss eine kleinere Grundfläche als im ersten und zweiten Stock“, weiß Renate Pälchen, „von dort konnten wir direkt auf den Berg gelangen.“ An ihre Kindheit in dem Haus an der Roßmäßler Straße erinnert sich Renate Pälchen ohnehin, als wäre es gestern gewesen. „Der Berg war für uns Kinder ein Paradies“, erzählt sie, „es gab einen Kirschbaum und mehrere Apfelbäume, Himbeeren und Blumen, die streng bewacht wurden von unserer ’Omama‘“, wie Renate Pälchen und ihre vier Geschwister damals die Mutter ihres Vaters liebkosten. Die Wohnung der Großeltern lag im ersten Stock, die Küche zum Berg hin. „Wir fanden es lustig, ’Omama‘ von oben wirtschaften zu sehen“, erinnert sich die gebürtige Tharandterin, die früher mit ihren Eltern und den Geschwistern im Erdgeschoss des Hauses wohnte.

1957 verließ Renate Pälchen ihr Elternhaus, ging zum Studium nach Freiberg. Mit ihrem Mann ist sie später nach Halsbrücke in Mittelsachsen gezogen, wo die 76-Jährige auch noch heute lebt. „Trotz der schweren Nachkriegszeit habe ich sehr schöne Kindheits- und Jugenderinnerungen an mein Elternhaus“, sagt sie und wird nachdenklich, „ich würde mir nichts mehr wünschen als eine Sanierung und eine neue möglichst gemeinnützige Nutzung.“ Ob ihr Wunsch in Erfüllung geht?

Bisher hat sich nichts gerührt an der Roßmäßler Straße 35. Die neuerlichen Verkaufsabsichten könnten aber auch ein Grund zur Hoffnung sein, dass das mittlerweile ruinöse Denkmal doch noch eine Frischekur erhält. Wochenlang beschäftigte das Haus am Tharandter Ortseingang vorigen Mai die Stadtvertreter. Ursprüngliche Abrissträume ließ die Denkmalschutzbehörde alsbald platzen. Das Objekt sei sanierbar und dessen Erhaltung solle im öffentlichen Interesse liegen. Kaufinteresse hatte die Mehrheit der Stadtvertreter damals aber nicht. Der Verkauf aus der Auktion an den Tharandter schien daher die beste Lösung. Sie ist es wohl doch nicht.

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