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Denkmalamt bremst Hortneubau aus

Die Erweiterung in Reichenberg wird dringend gebraucht. Ist sie bis Ende nächsten Jahres nicht fertig, sind obendrein die Fördergelder in Gefahr.

So soll der Anbau an das bestehende Kita-Gebäude aus Richtung Norden, also vom Grundstück der Grundschule her aussehen.
So soll der Anbau an das bestehende Kita-Gebäude aus Richtung Norden, also vom Grundstück der Grundschule her aussehen. © Visualisierung: Reiter Architekten

Moritzburg. Intern haben Verwaltung und Gemeinderäte in den vergangenen Wochen bereits mehrfach über das Problem beraten, wie Bürgermeister Jörg Hänisch (parteilos) sagt. In der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses machte der Moritzburger Verwaltungschef die Sache nun öffentlich.

Für den Umbau und die Erweiterung der Reichenberger Kita zum Hort hat die Gemeinde noch immer keine Baugenehmigung. Dabei war der Zeitplan ohnehin schon sehr knapp. Ende November dieses Jahres sollten die Arbeiten starten. Vorausgesetzt, der Winter ist dann nicht im Weg.

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 Das anvisierte Bauende Anfang November 2020 berücksichtigte keine wetterbedingten Unterbrechungen. Bis Ende nächsten Jahres muss das Projekt jedenfalls abgeschlossen sein. Der Grund: Die Fördermittel aus dem Programm Brücken in die Zukunft sind bis dahin abzurechnen. Doch dieser Termin scheint kaum noch realistisch zu sein.

Denn die Denkmalbehörde im Landratsamt stimmt dem geplanten Neubau in seiner jetzigen Form nicht zu. Der Anbau mit Foyer, Speisesaal und Küchentrakt soll laut der eingereichten Pläne ein Flachdach bekommen. Die Denkmalschützer fordern dagegen ein Spitzdach. 

„Begründet wird das mit dem Umgebungsschutz und dass so der Charakter eines Dreiseithofs mit Hauptgebäude, Auszugshaus und Scheune erhalten bleibt“, sagt der Bürgermeister. „Auf der Denkmalliste steht aber lediglich das Hauptgebäude auf einem Hof“, ergänzt Jörg Hänisch.

Im Frühjahr wurde die Scheune aus DDR-Zeiten abgerissen. 
Im Frühjahr wurde die Scheune aus DDR-Zeiten abgerissen.  © Norbert Millauer

Die nach einem Brand zu DDR-Zeiten errichtete Scheune wurde im Frühjahr bereits abgerissen. Eigentlich sollte auch das kleine, sogenannte blaue Haus schon längst verschwunden sein. 

Doch auch das, obwohl kein Denkmal, möchte die Untere Denkmalschutzbehörde im Landratsamt erhalten. „Man hat uns sogar angeboten, es ebenfalls unter Schutz zu stellen, weil wir dann dafür Fördermittel beantragen könnten“, sagt der Bürgermeister. Einen Ausgleich für die Mehrkosten eines Neubaus mit Spitzdach gebe es dagegen nicht.

„Im Amt ist man der Auffassung, dass Geld keine Rolle spiele, wenn es darum gehe, die Denkmalschutzziele durchzusetzen.“ Für die Gemeinde indes schon. Der Moritzburger Rathauschef spricht von rund 60 000 Euro Mehrkosten, sollte der Neubau das geforderte Spitzdach bekommen. Die Umplanung würde zudem auch Zeit in Anspruch nehmen.

„Wir verstehen nicht, warum das Denkmalamt hier so auf den Umgebungsschutz pocht. Der Charakter eines Dreiseithofs ist doch schon lange nicht mehr gegeben“, ergänzt Jörg Hänisch. Der Architekt habe den Neubau bewusst dem auf der Denkmalliste stehenden Hauptgebäude untergeordnet.

Das blaue Haus – das kleine Gebäude  – soll eigentlich auch verschwinden. 
Das blaue Haus – das kleine Gebäude  – soll eigentlich auch verschwinden.  © Norbert Millauer

Auf Versuche, einen Kompromiss zu finden – etwa indem das blaue Haus erhalten bleibt und zu einem späteren Zeitpunkt saniert wird – sei das Amt nicht eingegangen. Es beharrt auf dem Spitzdach.

Für Gemeinderat Andreas Timmler (FDP) ist das ein Skandal. Ihn interessiert, was der Landrat zur Arbeit seiner Behörde sagt. Schließlich geht es bei dem Vorhaben darum, dringend benötigten Platz für die Reichenberger Hortkinder zu schaffen.

Als sich die Gemeinde vor gar nicht allzu langer Zeit gegen den Bau von Wohnhäusern auf dem das Ortsbild prägenden Grundstück des Gasthofs Buchholz ausgesprochen hatte, bekam sie dafür weder von der Bau- noch von der Denkmalbehörde Unterstützung.

Das Gasthofgebäude war sogar von der Denkmalliste genommen worden. Mit der Begründung, dass dessen ursprünglicher Charakter durch spätere Um- und Anbauten zu sehr verändert worden sei.

Moritzburg ist nun in einer misslichen Lage. „Wenn wir die Entscheidung über unseren Bauantrag abwarten und bei einer Ablehnung dagegen in Widerspruch gehen, ist die Frist für die Abrechnung der Fördermittel Ende nächsten Jahres nicht mehr zu halten“, sagt Jörg Hänisch.

Geht die Gemeinde auf die Forderung ein und plant das Dach um, ist weder klar, wo das zusätzlich benötigte Geld herkommt, noch, ob der Zeitplan dann überhaupt einzuhalten ist.

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