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Radebeul

Gescheitert am Denkmalschutz

Das Nebengebäude vom alten Gasthof Paradies verfällt, weil sich Eigentümer und Behörden nicht einig werden.

Kein schöner Anblick: Das alte Ausschankhaus ist nur noch eine Ruine. Der Besitzer will es sanieren und vergrößern. Der Denkmalschutz lehnt seine Entwürfe für einen Anbau ab, weil das alte Erscheinungsbild bewahrt bleiben soll.
Kein schöner Anblick: Das alte Ausschankhaus ist nur noch eine Ruine. Der Besitzer will es sanieren und vergrößern. Der Denkmalschutz lehnt seine Entwürfe für einen Anbau ab, weil das alte Erscheinungsbild bewahrt bleiben soll. © Arvid Müller

Radebeul. Wenn er könnte, hätte er schon längst das Handtuch geworfen, sagt Thomas-Andreas Strehl. Zu groß ist der Ärger, den der Eigentümer vom ehemaligen Ausschankhaus des alten Gasthofes Paradies mit seinem Eigentum hat. Doch loswerden ist nicht so einfach: In diesem Zustand würde es ihm wohl niemand abkaufen. Das Gebäude, das in so herrlicher Lage über dem Paradiesberg liegt, verfällt seit Jahren. Besitzer und Denkmalschutz werden sich nicht einig.

Die Sicht des Eigentümers: Strehl hat das Areal 2001 erworben, rührte das Haus aber lange nicht an. Das hatte seine Gründe, sagt er. Auf dem Grundstück steht eine meterhohe Funkanlage, die von Vodafone betrieben wird. Der Vorbesitzer hatte kurz vor seiner Insolvenz noch einen 20-Jahre-Mietvertrag mit dem Kommunikationskonzern vereinbart. Strehl versuchte, sich rauszukaufen, bot Vodafone bis zu 30 000 Euro. Doch das Unternehmen lehnte ab, weil es keinen alternativen Standort für seine Antenne fand. So lange der Mast mitten auf dem Grundstück stand, lohnte es sich nicht, etwas am Gebäude zu machen, sagt der Besitzer. Das änderte sich, als 2018 der Mietvertrag mit Vodafone auslief. Seitdem versuche er, eine Baugenehmigung zu bekommen.

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So schön sah der Ausschank 1910 aus.
So schön sah der Ausschank 1910 aus. © privat

Strehl, der seit einigen Jahren wegen seines Jobs in der Schweiz lebt, möchte das Gebäude zum Wohnhaus ausbauen. Allerdings mit einem Anbau, weil es sonst zu klein ist. „Der Umbau kostet zwischen 500 000 und 600 000 Euro“, schätzt der Eigentümer. Doch ohne Anbau gebe es im historischen Gebäude gerade einmal eine Wohnfläche von rund 70 Quadratmetern. Das mache wirtschaftlich keinen Sinn. „Wer soll das mieten oder kaufen?“

Zusammen mit dem Radebeuler Architekten Thomas Scharrer hat der Eigentümer einen Entwurf für einen Anbau geplant. „Wir hätten gern sofort losgebaut.“ Passend zum historischen Haus, das sein altes Erscheinungsbild zurückbekommen sollte. Doch vom Denkmalschutzamt kam eine Absage.

Die Sicht des Denkmalschutzes: Das Areal liegt mitten im Denkmalschutzgebiet Historische Weinberglandschaft Radebeul. Dort soll das alte Erscheinungsbild bewahrt bleiben, neue weithin sichtbare Gebäude über den Weinbergen sind nicht zugelassen, informiert die Behörde. Deshalb habe man die Erweiterung des ehemaligen Ausschankhauses abgelehnt. „Der geplante Aus- und Anbau zerstört durch seine Größe und Gestaltung die historischen Strukturen, die hier aber dem Denkmalschutz unterliegen.“

Der Denkmalschutz sieht außerdem die Gefahr, dass der historische Zusammenhang zwischen altem Gasthof und dem Ausschank-Gebäude verloren geht, weil der Bauherr vorhabe, dazwischen eine Einfriedungsmauer zu bauen. „Ohne Zusammenhang zum Gasthaus würde dem Nebengebäude eine konstituierende Denkmaleigenschaft verloren gehen, das Hauptgebäude selbst würde um seinen historischen räumlichen Bezug gebracht“, heißt es. Eine Ablehnung, die der Eigentümer nur schwer nachvollziehen kann. Die Ensemblewirkung gebe es schon lange nicht mehr, sagt er. Denn nebenan habe der Nachbar eine sehr auffällige Garage gebaut und die alte Sandsteintoranlage abgerissen.

Auch andere Vorgaben hinderten ihn am Bau. Er sei ja bereit, das Haus wieder herzurichten, aber eben mit neuen Materialien. Denn das Dach ist aus seiner Sicht nicht mehr zu retten, womöglich hängt der Schimmel drin. Das Denkmalschutzamt wolle aber, dass alte Ziegel und Balken erhalten bleiben. Auch die alten Außentoiletten sind ein Streitthema. Der Bauherr will sie abreißen. „Ich kenne niemanden, der noch eine Außentoilette nutzen würde.“ Es sei absurd, dass es offensichtlich nicht möglich ist, bau- und denkmalrechtlich eine sinnvolle Lösung mit den Behörden zu finden, sagt Strehl.

Das Denkmalamt wiederum hat einen Vorschlag für einen genehmigungsfähigen Anbau gemacht: einen weiteren Haken an den u-förmigen Grundriss, sodass ein m-förmiger Grundriss entsteht. Aus dem Bauamt der Stadt Radebeul heißt es, dass diese Möglichkeit dem Besitzer bei einem gemeinsamen Termin mit dem Denkmalschutz vorgestellt wurde: „Offensichtlich entspricht dies nicht den Vorstellungen des Eigentümers.“