SZ + Radebeul
Merken

Denkmalschutz verbietet neue Wohnhäuser

Auf dem Gelände der ehemaligen Hohenhaus-Gärtnerei wollte ein Investor bauen. Noch vor einem Jahr hatte die Denkmalbehörde keine Bedenken.

Von Nina Schirmer
 3 Min.
Teilen
Folgen
Hier wollte ein Investor vier Einfamilienhäuser in bester Hanglage bauen. Das Landesamt für Denkmalpflege erteilte dem Vorhaben jedoch eine Absage.
Hier wollte ein Investor vier Einfamilienhäuser in bester Hanglage bauen. Das Landesamt für Denkmalpflege erteilte dem Vorhaben jedoch eine Absage. © Norbert Millauer

Radebeul. Aus und vorbei: Jahrelang wurde über die freie Fläche an der Mittleren Bergstraße diskutiert, zig Stunden debattierten die Stadträte im Stadtentwicklungsausschuss darüber, ob und wie ein Investor auf dem Gelände der ehemaligen Hohenhaus-Gärtnerei Einfamilienhäuser bauen darf. Jetzt sind alle Pläne vom Tisch.

Schon 2016 landete das Thema erstmals auf der Tagesordnung. Nach langem Hin und Her – das Vorhaben wurde vom Stadtrat abgelehnt, dann doch wieder aufgenommen – standen 2019 schließlich Pläne für vier Wohnhäuser fest, die der Öffentlichkeit vorgelegt wurden. Alles umsonst, denn das Landesamt für Denkmalpflege hat dem Ganzen nun eine Absage erteilt: Auf dem Areal darf überhaupt nicht gebaut werden, urteilt die Behörde und erfreut mit dieser Entscheidung all jene, die von Anfang an gegen eine Bebauung an dieser Stelle waren.

Das Nein des Denkmalschutzes kam für den Investor und auch die Stadt allerdings überraschend. Denn noch vor einem Jahr nahm das Landesamt eine ganz andere Position zu den Bauplänen ein. Eine Stellungnahme vom August 2018 umfasst lediglich einen Satz. Gegen das Vorhaben gebe es aus denkmalpflegerischer und konservatorischer Sicht keine Einwände, heißt es darin.

Ein Jahr später, nach erneuter Prüfung und mit einem anderen Bearbeiter reicht das Landesamt eine konträre, vierseitige Stellungnahme ein. Darin wird erklärt, dass der Bebauungsplan aus fachlicher Sicht nicht genehmigt werden kann, weil er sowohl dem Erhalt des Kulturdenkmals Weingut Hohenhaus als auch den Zielen der Satzung für das Denkmalschutzgebiet „Historische Weinberglandschaft Radebeul“ grundsätzlich entgegenstehe. 

Die Behörde nimmt dabei die komplette Anlage als Gesamtheit, deren Wurzeln sich bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen ließen, in den Blick. „Sie stellt eine der großartigsten Gesamtanlagen der Stadt Radebeul dar und ist für die Denkmallandschaft Sachsens aufgrund der Ablesbarkeit ihrer über Jahrhunderte dauernde baugeschichtlichen Entwicklung und ihrer Einheit von Architektur-, Park- und Landschaftsgestaltung von überregionaler Bedeutung“, steht in der Stellungnahme.

Das komplette Areal sei ein bedeutender Sachzeuge der herrschaftlichen Wohn- und Lebensweise des späten 19. Jahrhunderts. Dazu zähle auch die Fläche an der Mittleren Bergstraße, die als Versorgungs- beziehungsweise Nutzgarten für die Bewohner angelegt und die wirtschaftliche Basis des Anwesens bildete.

Das Landesamt für Denkmalpflege will in Radebeul offenbar ein Zeichen setzen gegen die Neubebauung solcher Anlagen. Die ehemalige Hohenhaus-Gärtnerei würde ansonsten „als negativer Präzedenzfall eine fatale Vorbildwirkung für ähnlich geartete Anfragen darstellen“, heißt es in der Stellungnahme.

Der Investor hat seinen Antrag mittlerweile zurückgezogen, der Stadtrat musste den Einleitungsbeschluss für einen Bebauungsplan aufheben. Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) kritisiert die 180-Grad-Wendung des Landesamtes.

 „Leider gibt es in letzter Zeit wandelnde Auffassungen der Denkmalschutzbehörden“, so der OB. Schon bei der Sektkellerei Bussard und bei der Kolbe-Villa habe der Denkmalschutz seine Meinung geändert. „Es braucht stringente Entscheidungswege, die nachvollziehbar sind“, fordert Wendsche. Das Verständnis in der Bevölkerung für den Denkmalschutz werde sonst erschüttert.

Mit den Bauplänen ist auch eine Petition Radebeuler Bürger vom Tisch, in welcher der Erhalt der historischen Mauer, die um das Gelände führt, gefordert wurde. Die Bürger wollten verhindern, dass die Wohnhäuser Zufahrten von der Straße aus bekommen und die Mauer deshalb zurückgesetzt und mit großen Lücken unterbrochen wird. Da nun überhaupt nicht gebaut wird, bleibt auch die Einfriedung, wie sie ist – genau wie das restliche Grundstück.

Mehr lokale Nachrichten aus Radebeul lesen Sie hier.