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Deponie der Papierfabrik wird abgedeckt

Die Altlasten werden vor Regenwasser geschützt – aber nicht beseitigt.

Von Birgit Ulbricht

Großenhain bekommt einen Berg. Wie ein Dach wird er von zwei Seiten ansteigen. Oben sieben Meter höher als das heutige Geländeniveau. Das dürfte den Vorbeifahrenden auf der neuen Ortsumfahrung in Höhe Flugplatzeinfahrt am ehesten auffallen. Von dem, was sich da gegenüber dem früheren Wendehammer am Flugplatz an der neuen B 98 eigentlich noch so befindet, haben nur wenige Großenhainer Kenntnis. Bestenfalls ist Gestrüpp zu sehen. Jetzt stehen die Bäume sogar in voller Blüte. Das sieht schön aus. Wie extra gepflanzt für die neue Ortsumfahrung. Doch es ist Wildwuchs und dahinter liegt eine ehemalige Kiesgrube, die zur Zeit des Baus des Großenhainer Flugplatzes geöffnet wurde. Später wurde das Restloch, wie es fortan hieß, zur Deponie der Großenhainer Papierfabrik.

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© Wolfgang Wittchen

Auch die Russensauna verschwindet

Alles, was in der Fabrik anfiel, wie die Asche der Heizungsanlage, wurde hier abgekippt. Die Russen taten das Ihrige dazu. Altöl, Kerosin, aber auch Schrott. Niemand lässt sich näher dazu aus. Auch Frank Stockmann, Betriebsleiter der Faber Bau GmbH aus Wildsuff, zuckt mit den Schultern. Offiziell ist die Deponie mit K 2 eingestuft, das bedeutet mittlerer Handlungsbedarf. Insgesamt reden wir von einer Fläche um die 6,5 Hektar, die nun über die Jahre vor sich hin rottet. Auf rund 3,28 Hektar liegen Altlasten, sagen die Experten.

Frank Stockmann wird mit seinen Leuten die nächsten zwei, drei Jahre die Deponie versiegeln und die Landschaft völlig neu modellieren. Seine Firma hat mit dem Freistaat ein spezielles Betreibermodell verabredet. Die Erlöse aus der Abnahme der mineralischen Abfälle, die in der Geländemodellierung verbaut werden, finanzieren die Kosten des Vorhabens. Die Altlasten, die unter der Erde liegen, werden lediglich „leicht aufgenommen“, so die offizielle Formulierung. Tiefenberäumt wird hier nichts. Dass das überhaupt nötig sein könnte, ist nicht zu sehen. Das Restloch mutet inzwischen wie ein idyllisch gelegenes Flachwasser an. Ein Biotop nach heutiger Lesart, in dem sich tatsächlich alles Getier eingerichtet hat – vor allem aber die geschützte Knoblauchkröte. Die gräbt sich über den Winter in der Kiesschicht ein und legt im Frühjahr ihren Laich im Tümpel ab.

Würde nicht irgendwo am Hang ein alter Moskwitsch und Metall herumliegen, zu dem irgendwer noch ein Asbestdach dazugelegt hat sowie alte Reifen – die Gefahr in der Erde wäre nicht zu erahnen. Doch die Planer kannten sie natürlich und haben die Fläche bereits 1996 in einer historischen Erkundung bewertet. Hin und wieder wurden auch die Messstellen am Flugplatz mitgenutzt. Für eine Alt-Deponie, die nach der Wende Niemandsland war und damit dem Freistaat zufiel. Der sichert nun immerhin die alte Deponie, auch wenn er sie nicht beräumt. Wichtig dabei ist, dafür zu sorgen, dass kein Wasser in den Deponiekörper eindringt und damit Schadstoffe ins Grundwasser ausgespült werden können. Deshalb der neue Berg, von dem das Wasser über die mineralischen Schichten abläuft und durch die Geländemodellierung in den kleinen Teich mündet, der sich schon gebildet hat. Das war die Bedingung, dass der Naturschutz seine Zustimmung für das Vorhaben gegeben hat. Denn nur so bleibt das Biotop für die Knoblauchkröte bestehen. Die untere Naturschutzbehörde und ein Umweltplanungsbüro überwachen die Arbeiten.

Tja, und dann verschwindet auch die Russensauna, die sich „die Freunde“ hingesetzt hatten. Die Fenster des Betonbaus sind engmaschig vergittert. Mehr ist da nicht mehr. Dass sich die Offiziere ausgerechnet an der Deponie diesen Ort der Ruhe bauten, gehört zur Geschichte.