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Der Abfallberg schrumpft

Bilanz. Im Kreis Bautzen ist weniger Hausmüll angefallen. Billiger wird die Entsorgung für die Bürger trotzdem nicht.

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Von Heiko Engel

Immer weniger Abfall landet im Landkreis Bautzen in der Tonne. Die Müllmenge verringerte sich 2005 um rund 800 Tonnen, geht aus dem Jahresbericht des Amtes für Abfallwirtschaft hervor. Die 150 000 Einwohner des Kreises erzeugten insgesamt 44 000 Tonnen Abfall. Die Behörde macht für diese Entwicklung vor allem den Bevölkerungsrückgang verantwortlich. Weniger Müll bedeutet aber nicht geringere Gebühren. Amtsleiter Reiner Meltzer nennt die Gründe: Fahrzeuge müssten die gleichen Strecken zurücklegen und Personal bezahlt werden, egal ob mehr oder weniger Müll entstehe. Zudem koste die Verbrennung in Lauta viel Geld. „Sie stellt den größten Kostenblock dar“, sagt Meltzer.

Besonders stark sank die Altpapiermenge, und das nicht nur wegen der schrumpfenden Einwohnerzahl. Attraktive Preise sorgten dafür, dass Zeitungen, Pappe und Papier lieber bei einem Händler abgegeben als in die öffentlichen Container gesteckt werden, so der Amtsleiter. In Bautzen bessert zum Beispiel die Förderschule für geistig Behinderte durch das Altpapiersammeln ihre Kasse auf, der Schulförderverein organisiert die Aktion. Mädchen und Jungen nehmen das Altpapier entgegen, wiegen es und packen die Bündel in den bereitgestellten Container, berichtet Schulleiterin Petra Kindermann. „Jeden Monat kommt ein Behälter zusammen. Manche Eltern bringen das Papier gleich mit dem Pkw.“ Zwischen 40 und 70 Euro bekommt der Verein für jeden vollen Container, das Geld wird für Klassenfahrten und die Unterstützung einzelner Schüler ausgegeben.

Anderswo im Landkreis brachen Diebe sogar schon einen Papiercontainer auf und transportierten den Inhalt ab. „Die Polizei ermittelt“, sagt Meltzer. Er hofft, dass der rabiate Altpapierklau ein Einzelfall bleibt. Die aktuelle Preisentwicklung auf dem Altpapiermarkt könnte dazu beitragen. Der Höchststand sei erreicht, die Entwicklung gehe wieder in die andere Richtung, beobachtet Meltzer.

Amt klagt über Sortiermuffel

Für Ärger und zusätzlichen Aufwand sorgte auch vergangenes Jahr massenhaft Abfall in der Gelben Tonne. Eigentlich dürften dort nur Verpackungen mit dem Grünen Punkt hineingeworfen werden, doch daran hielten sich viele Bürger nicht. Durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit versuchten Entsorgungsfirmen und Abfallamt gegenzusteuern. Mit geringem Erfolg, die wenigsten Sortiermuffel ließen sich bekehren. Gelbe Tonnen enthielten statistisch gesehen immer noch über 50 Prozent unverwertbaren Müll, vor der Aufklärungskampagne waren es acht Prozent mehr.

Der stellvertretende Landrat Wolfram Leunert glaubt nicht, dass sich an dieser Situation so schnell etwas ändert. „Ich bin kein Illusionist. Das ist ein Generationenproblem“, sagte er im Technischen Ausschuss des Kreistages. Leunert setzt deshalb auf Umwelterziehung in Kindergärten und Schulen.