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Der Adler ist gelandet

Im Juli 1969 betrat Neil Armstrong als erster Mensch den Mond. Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges landeten die USA mit Apollo-11 einen Coup.

Apollo 11-Astronaut Edwin "Buzz" Aldrin steht neben der US-Flagge auf dem Mond.
Apollo 11-Astronaut Edwin "Buzz" Aldrin steht neben der US-Flagge auf dem Mond. © dpa

Von Thomas Spang

Hunderte Millionen Zuschauer klebten gebannt vor der Mattscheibe, um mitzuerleben, wie Neil Armstrong am 21. Juli 1969 als erster Mensch seinen Fuß auf den Mond setzte. Die Welt hielt acht Tage lang den Atem an.

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Bis zum Aufsetzen sind es nur noch wenige Hundert Meter. Neil Armstrong sucht einen Landeplatz für seinen Adler („Eagle“). Doch der Kommandant der Apollo-Raumkapsel sieht nur Felsen unter sich. Plötzlich gerät das Raumschiff ins Schlingern. Co-Pilot „Buzz“ Aldrin meldet einen drastischen Höhenabfall. Das Kontrollzentrum in Houston rät zum Abbruch des Landeversuchs. Vergebens – die Regieanweisung kommt knapp anderthalb Sekunden zu spät für ein Umdisponieren.

Das Raumschiff schlägt hart auf, die Kapsel zerbricht beim Aufprall. Eine Katastrophe, die glücklicherweise nur am Flugsimulator eintrat, wo Armstrong und Aldrin drei Wochen vor der tatsächlichen Mondlandung für den Ernstfall übten: zum Mond fliegen, landen und aussteigen.

Vier Tage, vier Stunden und 14 Minuten nach dem Start haben Armstrong und Aldrin am 21. Juli (MEZ) wieder die Mondoberfläche vor Augen, während Michael Collins, der dritte Mann der Apollo-Besatzung, das Raumschiff um den Mond kreisen lässt. Rund 380 000 Kilometer von der Erde entfernt kommt der schwierigste Teil der Mission – die Landung.

Die Besatzung von «Apollo 11», die Astronauten Neil Armstrong (l-r), Michael Collins und Edwin Aldrin. 
Die Besatzung von «Apollo 11», die Astronauten Neil Armstrong (l-r), Michael Collins und Edwin Aldrin.  ©  dpa

Der Treibstoff reicht nur noch für Sekunden. Der Untergrund erscheint wie in der Simulation wenig einladend. Weitersuchen ist zwecklos. Ein Touchdown auf Verdacht gelingt – acht Kilometer weiter als ursprünglich berechnet, in einer Ebene, die Mare Tranquillitatis heißt. „Der Adler ist gelandet“, meldet die Crew.

Was danach folgt, ist Geschichte. Um 22.56 Uhr Houston-Zeit berührt Armstrong mit seinen Füßen als erster Mensch den Mondboden. „Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein großer Sprung für die Menschheit“, sagt Armstrong beim Ausstieg. Die Astronauten sammeln 22 Kilogramm Mondgestein ein, pflanzen die US-Fahne und sprechen kurz mit Präsident Richard Nixon.

Zweieinhalb Stunden später kehren sie in die Landefähre zurück. Auf dem Mond bleiben ein paar Hinterlassenschaften wie ein Seismometer und der Unterbau des Landegefährts mit einer Botschaft an künftige Astronauten oder Außerirdische. „Hier betraten Menschen vom Planeten Erde zum ersten Mal den Mond, Juli AD 1969. Wir kamen in Frieden für die ganze Menschheit.“

Startkontrolleure im Kontrollzentrum der US-Raumfahrtbehörde Nasa in Florida während der Apollo 11-Mission.
Startkontrolleure im Kontrollzentrum der US-Raumfahrtbehörde Nasa in Florida während der Apollo 11-Mission. © dpa

Das bis dahin vermutlich größte Medienereignis aller Zeiten zieht rund 600 Millionen Menschen weltweit in seinen Bann. Allein in den USA verfolgen 94 Prozent der Haushalte live die Schwarz-Weiß-Bilder, wie Armstrong von der Eagle-Leiter auf den Mondstaub setzte und Aldrin 19 Minuten später folgte.

Die Apollo-Mission hatte auch eine politische Dimension. Im April 1961 war die Invasion in der kubanischen Schweinebucht gescheitert. Dann traumatisierten die Morde an Martin Luther King und John F. Kennedy die Nation. Dass die Sowjets mit dem Start von Sputnik-1, des ersten künstlichen Satelliten, und der ersten Erdumkreisung durch Juri Gagarin auch im Wettlauf um das All die Nase vorn hatten, kratzte mächtig am Ego der Nation.

Mit der „Eroberung“ des Mondes fühlten sich die USA im Systemwettstreit rehabilitiert. Die Vision dafür stammte noch von US-Präsident Kennedy, der am 25. Mai 1961 grünes Licht für die Apollo-Mission gegeben hatte. Genau 43 Tage nach Gagarins Coup im All schwor er die Amerikaner darauf ein, vor Ablauf der Dekade „einen Mann auf den Mond zu bringen und sicher wieder zurück zur Erde“.

Die Astronauten sammeln Gesteinsproben...
Die Astronauten sammeln Gesteinsproben... © dpa

Die neue Front der Pioniernation lag nicht mehr im Westen, sondern im All. Und die Apollo-Mission verstand sich als Variante des amerikanischen Traums. Sie war in jeder Hinsicht eine Herausforderung – technisch, logistisch und finanziell. Die USA stellten dafür einen Etat in Höhe von 25 Milliarden US-Dollar bereit, beteiligten 20 000 Firmen und Institute und beschäftigten rund 400 000 Menschen.

Am 10. Januar 1969 präsentierte die Nasa die Apollo-Crew. Dazu gehörten Armstrong als Kommandant, Aldrin, der zweite Mann auf dem Mond und zuständig für den Kontakt zur Erde, sowie Collins, dem als Pilot die Aufgabe zufiel, das Raumschiffs an sein Ziel zu steuern. Angesichts der rund sechs Millionen verbauten Einzelteile widmete die Nasa dem Thema Sicherheit ganz besondere Aufmerksamkeit.

Für die Träger-Rakete zeichnete Wernher von Braun verantwortlich. Der geniale wie umstrittene Raketenbauer hatte für die Nazis in Peenemünde die Langstreckenrakete „V2“ entwickelt. In einer Geheimoperation der US-Army lief er nach Kriegsende zu den Amerikanern über. Für die Apollo-11-Mission entwickelte er die „Saturn V“. Sie war 110 Meter hoch, fast 2 900 Tonnen schwer und mit rund 160 Millionen PS die bis heute antriebsstärkste Rakete.

...und hinterlassen Fußspuren.
...und hinterlassen Fußspuren. © dpa

Ungeachtet dessen bleiben Millionen Menschen der festen Überzeugung, es habe niemals eine Mondlandung gegeben – auch nicht bei den späteren Apollo-Flügen. Alles sei eine gewaltige Täuschung. Bilder, Filme und TV-Übertragungen der historischen Szenen würden stattdessen aus einem Fernsehstudio in einem streng geheimen Militärgelände in der Wüste Nevada stammen.

„Buzz“ Aldrin, der extrovertierteste unter den drei Crew-Mitgliedern, fand das 2002 nicht mehr witzig. Als ein notorischer Leugner der Mondlandung ihn öffentlich dazu zwingen wollte, mit der Hand auf der Bibel zu schwören, dass er jemals auf dem Mond gewesen sei, verlor er die Geduld. Seine ausgestreckte Hand legte er zwar nicht auf die Heilige Schrift, sondern landete sie krachend auf dem Kinn des Widersachers.

Debatten wie diese können die US-Konkurrenz im All bestenfalls amüsieren. Mindestens vier weitere Staaten interessieren sich für den Himmelskörper, der der Erde am nächsten steht. Neben den Russen investieren auch Indien und Israel in die Weltraumforschung, vor allem aber China. Nationalstolz und strategisches Interesse sind heute wie damals die treibenden Kräfte.

Den Blick auf die Erde gibt's gratis dazu.
Den Blick auf die Erde gibt's gratis dazu. © dpa

China hinkt den US-Amerikanern noch hinterher. Im Januar konnte die Mondsonde „Chang’e 4“ gerade mal Nahaufnahmen von der fernen Seite des Mondes übermitteln, während gleichzeitig die Nasa-Raumsonde „New Horizons“ Bilder des sechs Milliarden Kilometer entfernten Himmelskörpers „Ultima Thule“ zur Erde sendete. Aber China plant langfristig und strategisch.

Auch Donald Trump will noch einmal zum Mond. Schon kurz nach seinem Amtsantritt meldete Politico, bereits 2020 sollen US-Astronauten wieder Fußabdrücke im Mondstaub hinterlassen. Daraus wird vermutlich nichts mehr. Doch Trump gibt den Plan nicht auf. Bei einer Wiederwahl soll eine neue Mond-Mission seine zweite Amtszeit 2024 krönen.

Eine kuriose Obsession, die viele seiner Vorgänger im Weißen Haus teilten. Wie diesen geht es Trump nicht nur um persönliches Prestige, sondern die Vorherrschaft der USA im All. Anders als in den 60er-Jahren, als die Reise zum Mond eher im Zeichen des Systemwettbewerbs stand, geht es heute auch um den ökonomischen Kampf, Tourismus und Bodenschätze.


Die Phasen des Apollo-11-Fluges.
Die Phasen des Apollo-11-Fluges. © Grafik/dpa

Von den drei Helden von einst machten sich zwei später ziemlich rar. Armstrong zog sich komplett zurück und Collins ging lieber angeln, als seinen Ruhm zu vermarkten. Nur Aldrin, den alle nur „Buzz“ nannten, weil seine kleine Schwester das Wort Brother (Bruder) nicht richtig aussprechen konnte, meldete sich regelmäßig zu Wort. „Man kann das Leben danach gar nicht richtig aushalten“, resümierte er Jahrzehnte später in der Rückschau. Seinen Gemütszustand nach dem Mond-Rendezvous beschrieb er geradezu prosaisch als „Melancholie der erfüllten Aufgabe“.

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Was irgendwie auch auf die USA zutrifft. Die Apollo-11-Mission bescherte dem Land den erfolgreichsten nicht-militärischen Sieg gegenüber der Sowjetunion. Allerdings zu sündhaft teuren Konditionen. Aber das spielte keine Rolle im Kalten Krieg. Nach Armstrong und Aldrin landen noch fünf weitere US-Raumschiffe auf dem Mond. Insgesamt zwölf Amerikaner hatten Bodenkontakt mit dem Erdtrabanten.

1972 ging das Zeitalter der Mondfahrt rapide zu Ende. Es standen keine Mittel mehr für derlei Prestige-Missionen zur Verfügung. Seitdem hat kein Mensch mehr einen Fuß auf den Mond gesetzt.

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