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Der alte Boote-Bus

Wochentags fuhr der Skoda Liniendienst. Am Wochenende fand dann eine Verwandlung statt.

Von Karin Domann

„Das waren schon bewegte Zeiten“, erinnert sich Peter Thon und zeigt ein Foto aus dem Jahre 1979. Auf dem Bild ist ein Skoda-Bus mit seiner typisch bulligen Form zu sehen. Er zieht einen Anhänger mit rund dreißig Kanus drauf.

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Der 70-jährige Fachwart für Kultur, Ausbildung und Wasserwandern beim Coswiger Kanu-Verein weiß noch genau, wo die Aufnahme entstanden ist: „Das war in Obergruna an der Freiberger Mulde. Wir haben da an einem Wettkampf teilgenommen.“

Der Skoda-Bus der Meißner Verkehrsbetriebe war werktags ein normaler Linienbus, der auf der Strecke Coswig-Lommatzsch verkehrte. Am Wochenende transportierte der mit einer Hängerkupplung ausgestattete Tscheche die Kanuten der Betriebssportgemeinschaft Rotation Coswig samt Booten zu ihren Trainings- und Wettkampforten. Von 1974 bis Anfang der Achtziger Jahre wurden zumeist Ziele in Brandenburg, im Vogtland aber auch in Mecklenburg und Thüringen angesteuert.

Die Einsätze erforderten eine ausgeklügelte Planung. Das war ohne Computer weitaus komplizierter als heute. Peter Thon hat in einem Aktenordner die Kopien der Einsatzpläne aus den 70er Jahren aufbewahrt. Die Buchstaben auf dem Durchschlagpapier sind stark verblasst. Trotzdem kann man sie entziffern, die gesammelten Fahrten eines Jahres, die dort akribisch aufgeführt werden. „Anfang des Jahres haben wir dem Kraftverkehr Meißen diese Liste mit allen Fahrten eines Jahres zu den Wettkampfstätten übergeben.“ Eigenhändig hat Thon sie auf einer mechanischen Schreibmaschine eingetippt.

Die Kanutransporte mit dem Skoda-Bus waren nicht nur für die Sportler ein Erlebnis. Auch die Busfahrer der Meißner Verkehrsgesellschaft hatten ihren Spaß dabei. Zwei Stammfahrer gab es, berichtet Peter Thon. Sie hießen Manfred Gärtner und Oskar Walter. Beide waren voll in die Sportlertruppe integriert. Während der Wettkämpfe standen sie regelmäßig mit an der Strecke und feuerten ihre Kanuten an. Auch das Anpacken beim Auf- und Abbau der Polyesterboote war für die beiden Busfahrer selbstverständlich.

1981 war plötzlich Schluss. Der letzte Skoda-Buss wurde wegen technischer Mängel aus dem Verkehr gezogen. Von da ab durften nur noch Ikarus-Busse auf den Linien des Meißner Verkehrsbetriebes verkehren. „Für uns hatte das fatale Folgen“, berichtet Thon. Denn diese Busse durften keine Anhängerkupplung haben.

Wer weitere Geschichten rund um die Meißner Busgesellschaft kennt, ist gebeten, sie an [email protected] oder an die SZ-Redaktion, Niederauer Straße 43, 01662 Meißen zu schicken. Die SZ leitet sie dann an die VGM weiter, um eine Veröffentlichung zum Jubiläum „100 Jahre Betriebshof“ am 24. Mai zu prüfen.