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Meißen

Kümmerer gesucht

In der Verwaltung soll sich künftig jemand mit Immobilien befassen, deren Eigentümer sie verfallen lassen.

Seit vielen Jahren ein Spekulationsobjekt – die ehemalige Bienenwirtschaft an der Talstraße. Ein neuer Sachbearbeiter soll mit den Eigentümern Tacheles reden.
Seit vielen Jahren ein Spekulationsobjekt – die ehemalige Bienenwirtschaft an der Talstraße. Ein neuer Sachbearbeiter soll mit den Eigentümern Tacheles reden. ©  Claudia Hübschmann

Meißen. Man könnte ihn oder sie als Antiverwahrloser bezeichnen. Das jedenfalls legt eine Stellenausschreibung der Stadtverwaltung nahe. „In der Großen Kreisstadt Meißen ist zum nächstmöglichen Zeitpunkt die Stelle Sachbearbeiter Verwahrloste Gebäude, sonstige Ordnungswidrigkeiten vorerst befristet für zwei Jahre zu besetzen.“ So steht es auf dem Internetauftritt der Stadt. Die Bewerbungsfrist läuft am Sonnabend aus.

Die Idee für die neue Stelle dürfte Inga Skambraks, seit vergangenem Jahr Leiterin des Bauverwaltungsamtes, aus Leipzig mitgebracht haben, wo sie zuvor in der Stadtverwaltung beschäftigt war. Auf Nachfrage, ob sich die Stadtverwaltung Meißen bei der Einrichtung der neuen Stelle an anderen Städten orientiert habe, heißt es denn auch: Dass „auf Erfahrungen aus Leipzig zurückgegriffen und sich an der dortigen Ablauforganisation orientiert“ werden soll.

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In der Messestadt gibt es gleich eine ganze „Arbeitsgemeinschaft Verwahrloste Immobilien“. Gegründet worden ist sie im September 2014 als dezernats- und ämterübergreifende Arbeitsgruppe. „Vorangegangen waren längere Sperrungen von Hauptverkehrsstraßen, die durch Einstürze von Gebäuden verursacht worden waren und zu erheblichen Einschränkungen für den Straßen- und Schienenverkehr geführt hatten“, heißt es seitens der Stadtverwaltung Leipzig.

So schlimm ist es in Meißen zwar nicht, aber einige der größten und prominentesten Gebäude in der Stadt sind nach wie vor dem Verfall preisgegeben. Erinnert sei hier nur an den Hamburger Hof, die ehemalige Bienenwirtschaft und die Reichmühle oder das Landkrankenhaus. Neben diesen Einzelgebäuden gibt es ganze Straßenzüge, die vor sich hin dümpeln. 

Hier wären Teile der Fährmann- und der Uferstraße zu nennen oder die Talstraße gegenüber der Porzellanmanufaktur. Wie viele verwahrloste Gebäude es in der Stadt gibt, ist nicht bekannt: „Bis jetzt liegen dazu keine Zahlen vor. Es wird die Aufgabe des neuen Sachbearbeiters sein, die entsprechenden Gebäude zu identifizieren und zu dokumentieren“, heißt es dazu aus der Stadtverwaltung.

Die Gründe, die zur Verwahrlosung von Gebäuden führen, sind in Meißen keine anderen als in Leipzig. Die dortigen Mitarbeiter der Stadtverwaltung führen auf: „ungeklärte Eigentumsverhältnisse und unauffindbare Eigentümer, der Status als Spekulationsobjekt und unfähige beziehungsweise unwillige Eigentümer“. Und dass sich diese Immobilien oftmals an städtebaulich oder für den öffentlichen Verkehr wichtigen Stellen befinden, trifft auch auf Meißen zu.

Diesem Missstand soll der neue Sachbearbeiter zu Leibe rücken. Salopp könnte man dabei von Zuckerbrot und Peitsche sprechen. Die Eigentümer sollen beraten werden, wie sie ihre Objekte künftig nutzen könnten und wo und wie sie Fördermittel bekommen können. In der Stellenbeschreibung ist aber auch zu lesen: „Durchsetzung von Ordnungsmaßnahmen und Nutzung Zwangsmittel der Verwaltungsvollstreckung.“

Übersetzt heißt das, dass Eigentümer, die ihre Immobilien weiter verwahrlosen lassen, mit sogenannten Ersatzvornahmen belegt werden können. Ein Beispiel ist die Görnische Gasse 32. Da hat sich die Stadtverwaltung Zugang zum Haus verschafft und eine Notsicherung des Daches und die Bekämpfung des Hausschwammes vorgenommen. Die Rechnung dafür flattert der Eigentümerin auf den Tisch.

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