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Der Apfel matscht nicht weit vom Stamm

Bumms! Ich mache die Augen auf und reibe mir den Kopf. Ein Apfel war der Übeltäter. Da kann man nicht mal in Ruhe sein Nickerchen unter einem Baum machen. Naja, der Apfel fällt nunmal nicht weit vom Stamm.

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Bumms! Ich mache die Augen auf und reibe mir den Kopf. Ein Apfel war der Übeltäter. Da kann man nicht mal in Ruhe sein Nickerchen unter einem Baum machen. Naja, der Apfel fällt nunmal nicht weit vom Stamm. Und an dem lehne ich gerade und ruhe mich ein wenig aus. Aber wenn ich schon wach bin, kann ich auch gleich einen Happen zu mir nehmen. Zum Beispiel den Apfel, der mich so unsanft geweckt hat. Lecker sieht er aus, und ganz ohne Druckstellen, bis auf die eine von eben natürlich. Die anderen Äpfel um mich herum sehen nicht so appetitlich aus. Manche rollten auf den Fußweg. Viele sind schon braun und matschig, manche schimmeln gar schon.

Amüsant ist der Anblick von Passanten, die in so einen braunen Apfelhaufen treten. Die Reaktionen auf den vermeintlichen Hundehaufen sind meist panisch, die Gesichtsausdrücke verzweifelt und genervt zugleich. Einige Minuten lang versuchen die Geplagten, die Schuhe im Gras zu säubern, bis sie irgendwann doch merken, dass es nur ein Apfel war.

Doch auch andere Obstsorten finde ich immer wieder auf meinen Streifzügen. Auch Pflaumen nehmen öfter den freien Fall vom Gartenbaum auf den Fußweg, genauso wie Sauerkirschen. Auch Johannisbeeren sah ich schon – breitgetreten auf dem Bürgersteig. Wehe dem, der einen hellen Teppich zu Hause hat und jemand die Schuhe nicht auszieht... Mich stört so etwas natürlich nicht, meine Teppiche sind das Gras und der Waldboden.

Das Fallobst scheint nicht nur mir zu schmecken. Neulich sah ich auch ein paar Tiere, die sich an den Früchten der Natur gütlich taten. Unter einem wilden Apfelbaum, in der Abenddämmerung passierte es: Ein Fuchs naschte ein paar Äpfel, auch ein Wildschwein tauchte auf. Letzteres war allerdings nicht so wählerisch bei der Wahl seiner Speisen und fraß die matschigen Äpfel kiloweise. Ich vermute, weil die wohl süßer sind. Diese Äpfel waren wohl auch der Grund, warum das Schwein den Rückweg in den Wald eher gemächlich und leicht torkelnd antrat. Das hat mir zumindest einmal ein Förster erzählt, den ich auf meinen Streifzügen durch den Tharandter Wald traf. In der DDR war es noch erlaubt, sein altes Gartenobst einfach in den Wald zu karren. Die Waldtiere ließen sich nicht lange bitten und fraßen das gärende Obst in Mengen. Und eben diese Gärung führte zur Bildung von Alkohol – in den Früchten und im Magen der Tiere. So kam es dazu, dass die eine oder andere Wildsau betrunken nach Hause torkelte und vielleicht ein leichtes Ziel für die Jäger abgab.

Während ich so daran denke, krabbelt ein Igel aus dem Gebüsch am Wegesrand. Wieder fällt ein Apfel vom Baum, hoppelt über eine Wurzel und – landet auf dem Igel. Doch nein, der Apfel bleibt nicht auf den Stacheln stecken, auch wenn die Legende so geht. (kab)