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Der Arzt für den Corona-Krisenfall

Tim Meyer ist der wichtigste Mediziner im deutschen Fußball, um den Spielbetrieb trotz aller Kritik doch noch fortzusetzen.

Tim Meyer, 52, ist eigentlich Teamarzt der Nationalmannschaft. Derzeit organisiert er aus medizinischer Sicht den Liga-Notbetrieb.
Tim Meyer, 52, ist eigentlich Teamarzt der Nationalmannschaft. Derzeit organisiert er aus medizinischer Sicht den Liga-Notbetrieb. © Christian Charisius/dpa

Von Frank Hellmann

Auf den Tag genau kann Tim Meyer nicht mehr sagen, wann er erstmals vom Coronavirus erfuhr. „Wenn ich mich recht erinnere, habe ich kurz vor dem Jahreswechsel im Urlaub das erste Mal davon gehört. Aber zunächst schien unklar, ob eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung möglich ist. Für mich war das zunächst nur eine Infektionsmeldung, wie man sie gelegentlich hört.“

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Die Aussage tätigte der Professor der Sport und Präventivmedizin an der Universität des Saarlandes am 1. März, als der Erreger begann, sich auch in Deutschland zu verbreiten. In jener Phase stimmte sich die Medizinische Kommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) darüber ab, welche Auslandsreisen den DFB-Mitarbeitern oder Auswahlteams gestattet werden können.

Inzwischen macht Meyer nichts anderes mehr, als das tückische Virus zu bekämpfen: Am 31. März ernannte ihn die Deutsche Fußball-Liga (DFL) zum Leiter jener Task Force Sportmedizin und Sonderspielbetrieb, die die Rahmenbedingungen für eine „medizinisch vertretbare Fortführung des Spiel- und Trainingsbetriebs“ erarbeitet, wie es heißt.

Er selbst nimmt sich nicht wichtig

Der 52-Jährige ist also der wichtigste Mediziner im deutschen Profifußball. Auch er arbeitet mittlerweile im Homeoffice, auf dem Campus im Saarland läuft nur noch der Notdienst. „Für mich haben die aktuell im Fußball anstehenden Herausforderungen komplett die frei werdende Zeit aufgefressen“, sagt Meyer.

Über seine inhaltliche Arbeit äußert er sich nicht. Verständlicherweise: Nichts wäre schlimmer, wenn die in den Videokonferenzen des vierköpfigen Gremiums ausgeklügelten Konzepte zuvor in der Öffentlichkeit zerredet würden. Bei seinen Mitstreitern Prof. Barbara Gärtner (Fachärztin für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie), Dr. Werner Krutsch (Fifa Medical Centre) und Dr. Markus Braun (Mannschaftsarzt Borussia Dortmund und Sprecher der Mannschaftsärzte) kann er dabei auf verschwiegene Verbündete zählen.

Jene, die ihn über die Fußball-Ebene gut kennen, schätzen Meyers Ruhe und Klarheit. Der langjährige Arzt der deutschen Nationalmannschaft nimmt sich und seine Arbeit nicht zu wichtig. Effektivität geht ihm vor Effekthascherei. Gründlichkeit ist bei ihm oberstes Gebot.

Löw schenkt ihm sein Vertrauen

Eine Eigenschaft, die zur Vorliebe des ausdauernden Norddeutschen passt, der bei Volksläufen die zehn Kilometer schon mal unter 31 Minuten zurücklegte. Er galt in seiner Nienburger Heimat als passabler Amateurkicker, auch wenn ihm nie die Tür zur Profikarriere offenstand. Seit 2001 gehört er dem Ärzteteam der DFB-Auswahl an. Er hat als junger Arzt miterlebt, wie es im deutschen Fußball unter Teamchef Rudi Völler kräftig rumpelte, ehe Revolutionär Jürgen Klinsmann vieles veränderte – auch in seinem Arbeitsbereich.

Dass Meyer immer noch eine leitende Position besetzt und von Bundestrainer Joachim Löw als Vertrauensperson geschätzt wird, spricht für ihn. Auf die Wichtigkeit der Handhygiene wies er schon hin, als die Nationalmannschaft bei der WM 2014 das Campo Bahia bezogen. „In Brasilien ist die Infektionssituation eine andere als in Deutschland, weil der Körper mit neuen Erregern in Berührung kommt. Also haben wir die Spieler darauf hingewiesen, sich mehrfach am Tag gründlich mit Seife die Hände zu waschen. Und wir haben Desinfektionsmittel verteilt, um ein sichtbares Zeichen zu setzen“, erinnert sich Meyer.

Diesmal werden die Sicherheitsmaßnahmen deutlich drastischer sein, wenn die Bedingungen für die Geisterspiele am Donnerstag auf der nächsten virtuellen DFL-Mitgliederversammlung besprochen werden. Man will ein System präsentieren, das auf die nötige politische und gesellschaftliche Akzeptanz trifft – und auch medizinisch möglichst wasserdicht ist.

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Meyer scheint nicht nur wegen seiner Erfahrungswerte die Idealbesetzung auf einer Schlüsselfunktion. Ob es deswegen funktioniert, die Saison in einer Art virenfreien Sonderzone zu Ende zu bringen, ist trotzdem längst nicht sicher.

Über das Coronavirus informieren wir Sie laufend aktuell in unserem Newsblog.

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