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Der Aufbau-Spezialist

Fahrzeugbauer Gerd Kunath setzt statt schwerer Laster auf leichte Transporter – und legt zu.

Lars Radau

Die schweren Brummer verlieren an Gewicht. Nicht in der Werkstatt, wohl aber in der Bilanz von Gerd Kunath. Das indes, freut sich der Gründer und Geschäftsführer der Döbelner Kunath Fahrzeugbau GmbH, hat nicht etwa damit zu tun, dass die absoluten Zahlen zurückgegangen wären. Noch immer baut sein 15-köpfiges Team Ladekräne an große Laster, konstruiert Sonderaufbauten oder baut Schubböden ein, mit denen Ware ohne Hilfsmittel von großen Lkw-Ladeflächen geholt werden kann.

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Doch der Umsatzanteil, der sich von der Firmengründung 1997 bis 2006 „nahe bei 90 Prozent“ bewegte, ist mittlerweile auf rund 20 Prozent geschrumpft. Das Schwergewicht sind jetzt leichtere Kaliber – Transporter und Laster mit einem Gesamtgewicht von bis zu zwölf Tonnen. Und das hat sowohl mit Kunaths persönlichen Erfahrungen als auch mit seinem Sohn zu tun.

Gerade in kleineren Autohäusern, stellte der 53-jährige Diplom-Ingenieur schnell fest, hatten die Verkäufer nur selten mit dem Thema Nutzfahrzeugaufbauten für Transporter zu tun. Und wenn, war der Konfigurationsprozess sehr kompliziert. Die Verkäufer mussten etliche Prospekte wälzen und aufwendig die einzelnen Komponenten-Anbieter kontaktieren, um auszuloten, was überhaupt technisch möglich ist und schließlich ein Angebot schreiben zu können. Heute, sagt Kunath, geht das in wenigen Minuten per Mausklick – auf der Plattform transporterportal.de, die im Wesentlichen sein Sohn entwickelt und programmiert hat. „Der Verkäufer muss nur das Basisfahrzeug auswählen, den gewünschten Auf- oder Umbau anklicken und individuelles Zubehör hinzufügen – und bekommt sofort ein Angebot.“ 90 Prozent der Kunden-Wünsche, schätzt Gerd Kunath, können so direkt bearbeitet und erfüllt werden. „Und der Rest ruft eben an.“

Diese Anrufe kommen inzwischen aus der ganzen Republik: Der Start des Portals vor fünf Jahren gab dem Geschäft mit den Transporter-Aufbauten noch einmal einen richtigen Schub. In der Regel kommen die Basisfahrzeuge von den Herstellern direkt nach Döbeln, wo sie dann mit Kippern, Pritschen, verschiedenen Kofferaufbauten oder Spezialaufbauten für den Flüssigkeitstransport und Abschleppdienste versehen werden. Auch Fahrzeugeinrichtungen und den Ausbau von Behindertentransportern hat Kunaths Firma im Portfolio.

Bis zu 250 Fahrzeuge im Jahr, sagt der gelernte Werkzeugmaschinenkonstrukteur, werden in seinen mittlerweile drei Hallen umgebaut. Die dritte und mit 800 Quadratmetern größte, die seit 2011 in Kunaths Geburtsstadt Roßwein steht, war bis vor kurzem fast bis auf den letzten Zentimeter mit Pick-Ups, Schneepflügen und Streuaufsätzen gefüllt. Das Unternehmen bietet auch Winterdienst-Ausrüstungen an. „Das ist zwar ein sehr saisonales Geschäft“, sagt Gerd Kunath. „Im Grunde läuft es nur von September bis Mitte November.“ In diesem Jahr habe es aber richtig gebrummt – weil, so Kunath, der letztjährige Winter hart war „und sich niemand als nicht vorbereitet erwischen lassen will.“

Gut vorbeitet sieht Gerd Kunath sein Unternehmen auch für die kommenden Herausforderungen: Seit diesem Jahr hat die Fahrzeugschmiede für alle Prozesse ein zertifiziertes Qualitätsmanagement eingeführt und ist integrierter Partner der Nutzfahrzeug-Sparte von VW. Das heißt unter anderem, dass Kunath sein Portfolio auf Hausmessen für VW-Nutzfahrzeughändler präsentieren kann.

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Mit dieser Aufstellung erwirtschaftet Kunaths Unternehmen einen Jahresumsatz von gut drei Millionen Euro. Dieser Wert ist für den Firmenchef, der sich nach langen Jahren beim Fahrzeugbau Döbeln 1996 zunächst als Sachverständiger selbstständig gemacht hatte, indes „keine wirklich relevante Größe“. Für ihn zählt allein der Ertrag. Der, sagt Kunath, steige stetig – auch weil die schweren Brummer an Gewicht verloren haben.