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Der Aufschwung kommt an

Konjunktur. Die Wirtschaft in der Region brummt – besonders im verarbeitenden Gewerbe.

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Von Hartmut Landgraf undAnnett Heyse

Wenn man Lars Fiehler, Sprecher der Industrie- und Handelskammer Dresden, derzeit nach Sorgenkindern in hiesigen Wirtschaft fragt, muss er lange nachdenken. „Selbst am Bau und im Einzelhandel ist es deutlich besser geworden“, sagt er.

Laut aktueller Konjunkturbefragung der IHK rechnen 94 Prozent der Industriebetriebe in der Sächsischen Schweiz für 2007 mit besseren oder zumindest gleich guten Geschäften. Nur sechs Prozent befürchten eine Eintrübung. Im Weißeritzkreis ist die Grundstimmung noch positiver. Dort gibt es laut Fiehler im verarbeitenden Gewerbe fast nur Optimisten. Besonders gute Zuwächse hätten Maschinenbau, Elektrotechnik/Elektronik, Kunststoffindustrie und Metallbranche zu verzeichnen.

Johann Unglaub, Betriebsleiter der Edelstahlwerke Schmees in Pirna, bestätigt das. Er sieht eine „geballte Nachfrage nach Gussprodukten“ auf dem Markt. Die Schmeeswerke, die unter anderem Gasturbinengehäuse und Förderpumpen für Erdölpipelines herstellen, würden ihren Umsatz in diesem Jahr von 18,5 auf 23 bis 24 Millionen Euro erhöhen. Auch im Edelstahlwerk Freital spürt man den Boom. „Beim Stahl merken wir schon seit zwei oder drei Jahren, dass es aufwärts geht“, sagt Rüdiger Winterhager, Geschäftsführer der Holding. Seit 2004 hat das Unternehmen über 50 neue Mitarbeiter eingestellt. Holger Kappelt, kaufmännischer Leiter der Schmiedeberger Gießerei, nennt die starke Nachfrage aus dem Ausland nach Produkten „Made in Germany“ als Hauptgrund für den Aufschwung.

Laut Statistischem Landesamt ist der Exportanteil im verarbeitenden Gewerbe zwischen August 2004 und August 2006 im Weißeritzkreis um vier, in der Sächsischen Schweiz um zwei Prozent gewachsen. Umsatzmäßig hat die Industrie im Weißeritzkreis im selben Zeitraum um 31 Prozent, in der Sächsischen Schweiz um neun Prozent zugelegt. Die Schmiedeberger erwarten in diesem Jahr ein Umsatz-Plus von drei Millionen auf insgesamt 25,5 Millionen Euro.

Dass das Exportwachstum der Branche im Vergleich zu den Umsatzsteigerungen geringer ausfällt, liegt laut IHK daran, dass die Industrieerzeugnisse der Region oft keine Endprodukte sind, sondern noch weiterverarbeitet werden, bevor sie im Ausland verkauft werden.

Die Fahrzeugelektrik Pirna erwirtschaftet trotzdem mittlerweile 60 Prozent ihres Umsatzes im Export. Dabei gewinnen Kunststoffteile immer mehr an Bedeutung, sagt Geschäftsführer Wolfgang Thonig. Allerdings würden deren Erträge durch die steigenden Erdölpreise geschmälert.

Die Kunststoffbranche mache tolle Umsätze, doch ertragsmäßig bleibe wegen des Preisdrucks wenig hängen, bemerkt die IHK. So kommt es, dass etwa die Kimmel Kunststoffe GmbH in Sebnitz „vom Wirtschaftsboom noch nicht viel gespürt“ hat, wie deren Geschäftsführer Lutz Kimmel sagt. Der Weltmarkt werde beherrscht von wenigen Kunststofffaserherstellern, und die bestimmten die Preise.

Von solchen Kosten-Zwängen sind andere Branchen unabhängig: Kräuterproduzent Bombastus in Freital zum Beispiel freut sich seit vier Jahren über stabile Zuwachsraten. Das Unternehmen verkauft 84 Prozent seiner Produkte im Inland. Vertriebsleiter Wieland Prknow: „Wir spüren den Aufschwung.“