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Der Aufsteiger will vom Fahrstuhl nichts mehr wissen

Mit dem Duo Peter Stöger und Jörg Schmadtke kehren Ruhe und Erfolge nach Köln zurück.

© imago

Mit einem 3:1 gegen Bochum hat der 1. FC Köln am Montag die Rückkehr in die Fußball-Bundesliga perfekt gemacht. Im Doppel-Interview verraten Sportdirektor Jörg Schmadtke und Trainer Peter Stöger, wie sie die Zukunft des FC planen.

Herr Stöger, wie bundesligareif ist die Mannschaft, die Sie momentan haben?

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Ganz chancenlos werden wir nicht sein, aber wir werden an der einen oder anderen Schraube drehen müssen. Über die Stärke der 2. Bundesliga sind sich die Fachleute nicht ganz einig. Aber am Ende bleibt, dass in Kaiserslautern ein Zweitligist im Halbfinale des DFB-Pokals stand. Oder dass wir in Mainz gewonnen haben und in Hamburg nicht hätten verlieren dürfen.

Wie stark ist die Liga denn nun, Herr Schmadtke?

Ich bin sicher, sie sucht weiterhin ihresgleichen in Europa.

Der Kader scheint in der Breite schon gut aufgestellt zu sein. Was fehlt noch?

Schmadtke: Wir wollten im vergangenen Sommer einen Kader zusammenstellen, den man auch in die nächsthöhere Liga mitnehmen kann. Natürlich werden wir punktuell versuchen, eine qualitative Verbesserung hinzubekommen. Ob das auch eine andere Startaufstellung zur Folge haben wird, wird die Vorbereitung zeigen. Die Jungs, die den Aufstieg realisiert haben, haben ein gewisses Recht auf ihre Position. Da muss erst einmal einer kommen, der zeigt, dass er stärker ist.

Sehen Sie das auch so, Herr Stöger?

Auf jeden Fall. Wir werden sicher nicht zwölf Neue holen, die für etwas belohnt werden, woran sie keinen Anteil haben. Und die, die den beinharten Job gemacht haben, setzen wir vor die Tür.

Aber Sie haben doch auch sicher schon einen Wunschzettel abgegeben, oder?

Wie gesagt: Die aktuellen Jungs sind mit dem Druck, aufsteigen zu müssen, sehr gut umgegangen, und viele haben sich enorm entwickelt. Von daher ist meine Wunschliste gar nicht so lang.

Herr Schmadtke, wie weit sind Sie schon mit weiteren Neuzugängen nach dem Polen Pawel Olkowski? Zuletzt wurde von einer Einigung mit Daniel van Buyten von Bayern München berichtet...

Natürlich machen wir uns Gedanken über Spieler, die ablösefrei sind und Erstligaerfahrung haben. Und wir haben auch Kontakt zu seinem Berater gehabt. Aber das war mehr ein erstes Sondierungsgespräch. Davon führen wir viele, aber das heißt nicht, dass wir einen Transfer tätigen. Dass wir uns geeinigt haben, kann ich definitiv verneinen.

Der 1. FC hat sich in den vergangenen Jahren als Fahrstuhl-Mannschaft entpuppt. Für wie stabil halten Sie die Euphorie der Fans, wenn der Verein in der Bundesliga erwartungsgemäß in der unteren Tabellenhälfte stehen wird?

Unsere Fans erwarten nicht, dass wir jeden Gegner mit vier, fünf Toren Unterschied abschießen. Erwartungshaltung wird auch in der Bundesliga eine Rolle spielen – und bei der unglaublichen Wucht und Masse der Fans, die wir haben, ist das ein noch stärkerer Parameter. Im Kern haben wir genug Stärke, um auch mal zwei Niederlagen zu verkraften. Entscheidend wird sein, wie wir unsere Ziele formulieren, und wie wir in schwierigen Zeiten auftreten.

Wie könnten die Ziele denn lauten?

In den ersten beiden Jahren kann es nur um Stabilisierung gehen, um nichts anderes. Das werden auch unsere Fans verstehen. Und ich bin sicher, dass diese Mannschaft mit ihrem ausgeprägten Charakter die Farben des Vereins gut vertreten wird.

Sie haben mit Hannover und Aachen im Europacup gespielt, da muss es auf absehbare Sicht doch auch mit Köln möglich sein!?

Das waren damals andere Zeiten, vor allem mit Aachen. Da war die Schere noch nicht ganz so weit auseinander, und wir haben einen glücklichen Moment genutzt. Wir sind gut beraten, wenn wir uns erst einmal in der Liga stabilisieren – mit all den Unwägbarkeiten und all den Tälern. Wir werden auch noch schwerere Zeiten erleben, aber die Grundsubstanz ist super.

Und was sind Ihre persönlichen Ziele für die Bundesliga, Herr Stöger?

Vor dreieinhalb Jahren war ich noch TV-Experte. Dann habe ich einen Job in der österreichischen Regionalliga angenommen, den wahrscheinlich kein Kollege aus Wien genommen hätte. Ich bin jeden Tag 200 Kilometer aus Wien gefahren, aber ich wollte unbedingt arbeiten. Jetzt sitze ich hier und rede über die Bundesliga. Deshalb habe ich es aufgegeben, die Zukunft zu planen.

Das Interview führte Holger Schmidt (sid).