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„Der Aufzug kann 24 Stunden am Tag fahren“

ULM-Fraktionschef Wolfgang Tücks findet die Debatte um den Meißner Lift als aufgebläht.

Kommt er? Der Burgaufzug.
Kommt er? Der Burgaufzug. © Claudia Hübschmann

Herr Tücks, wie wirkt die derzeitige Diskussion um den Meißner Panoramaaufzug auf Sie?

Es gibt aktuell nur noch wenige Stadträte, die schon in dieser Funktion aktiv waren, als der Bau des Schrägaufzuges zum Burgberg geplant und umgesetzt wurde. Vielleicht ist es noch bekannt, dass ich einer der ganz wenigen damaligen Stadträte war, der sich gegen den Bau des Aufzuges an dieser Stelle ausgesprochen und vor Beginn des Baus ein schlüssiges Betriebskonzept angemahnt hatte. 

Wer den Pfennig nicht ehrt

und sich nicht im Paragrafendschungel zurechtfindet, ist schnell arm dran. Tipps und Tricks rund um Geld, Sparen und juristische Fallstricke gibt es hier zu finden.

Fraktionsübergreifend war man sich damals im Stadtrat mit großer Mehrheit mit dem Oberbürgermeister Olaf Raschke einig, dass der Aufzug an dieser Stelle gebaut werden sollte. Mit den Worten eines in dieser Zeit einflussreichen Stadtrates „Jetzt bauen wir erst einmal und dann sehen wir weiter“, wurden die von mir und insbesondere noch von Axel Sauer geäußerten Bedenken vom Tisch gewischt. Das Ergebnis ist bekannt.

Wo sehen Sie die Ursachen für die anhaltenden Schwierigkeiten?

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Von Beginn an stand das Bauvorhaben unter keinem guten Stern. Es begann bereits mit kostensteigernden Problemen beim Baugrund. Der Kostendruck zwang in der Folge immer wieder zu Kompromissen bei der Ausführung des Vorhabens.

 Fakt ist aber, dass die Stadt Meißen national und teilweise auch international anerkannte Firmen mit der Umsetzung des Auftrages beauftragt hat. Genannt seien an dieser Stelle das Architekturbüro Schulitz und Partner aus Braunschweig, das unter anderem ein Stadion zur Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien konzipiert hat. 

Weiter zu nennen ist die Firma Hütter aus der Nähe von Hamburg, die inzwischen vom Weltmarktführer Otis aus den USA aufgekauft wurde, nachdem der Firmeninhaber keinen Nachfolger hat finden können.

Dann ist der Begriff „Touristenfalle“ also übertrieben?

Wenn man die Diskussion in Meißen verfolgt, entsteht mitunter der Eindruck, dass der Aufzug mehr steht als in Betrieb ist. Das Gegenteil ist der Fall: Von Mai 2011 bis September 2018 wurden 479 115 zahlende Fahrgäste bei 730 000 Fahrten registriert, dabei ist nur die Bergfahrt gebührenpflichtig und wird registriert.

Auch entspricht es nicht den Tatsachen, dass Gewährleistungsansprüche fahrlässig verspielt worden seien. Vor Ablauf der Gewährleistungsfrist prüfte eine Fachanwältin für privates Baurecht, ob bei der Durchführung des Vorhabens Planungs- und oder Ausführungsfehler aufgetreten sind, die zu Regressforderungen berechtigen würden. 

Das Ergebnis war negativ. Sämtliche Mängel in der Gewährleistungszeit wurden durch die dafür Verantwortlichen übernommen. Darüber hinaus wurde ein Fachgutachter eingeschaltet, der die Anlage genau untersucht und Vorschläge unterbreitet hat, wie die Störanfälligkeit des Aufzuges minimiert werden kann. Diese Vorgaben wurden jetzt umgesetzt.

Kann es sein, dass Sie versuchen, die Probleme kleinzureden?

Ich möchte mit diesen Ausführungen zur Versachlichung der Diskussion beitragen. Auch ich bin nicht damit zufrieden, dass der Prozess der Optimierung der Anlage so viel Zeit in Anspruch nimmt. Ich bin mir aber sicher, dass der anvisierte 24-Stunden-Betrieb des Aufzuges – unter jederzeitiger Aufsicht – noch in der ersten Hälfte des kommenden Jahres technisch realisiert werden kann.

Die Fragen stellte Peter Anderson.

>>>> Lesen sie dazu auch: Viertelmillion Euro an Mehrkosten für Pannenaufzug / Mario Barth ermittelt in Meißen