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Der Ausrutscher

Seit 23 Jahren ist Wolfgang Kutzsche Präsident des Niederauer Karnevals-Clubs. Im November vorigen Jahres wurde nicht nur er kalt erwischt.

© hübschmann

Von Jürgen Müller

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Das hätte sich Wolfgang Kutzsche nicht träumen lassen, das gab es in Niederau noch nie. Jedenfalls nicht in den letzten 32 Jahren. Im November vorigen Jahres musste der Karnevalsclub seine Auftaktveranstaltung absagen. Der Grund: Es lagen gerade mal 30 Kartenvorbestellungen vor. In den Saal im „Kulti“ passen aber 200 Leute. Und normalerweise ist er bei Faschingsveranstaltungen ziemlich voll, der Saal. „Das hat uns ziemlich kalt erwischt, hat uns richtig weh getan. Bis dato hatten wir nichts davon gespürt, dass die Nachfrage nach Karten zurückgegangen ist“, sagt der 65-Jährige, der seit 22 Jahren Präsident des Karnevalsclubs ist, sozusagen der Niederauer Obernarr. Sein halbes Leben gehört er dem Verein an, den er mit Frank Friedrich und weiteren Mitstreitern 1983 gründete.

Der frühere stellvertretende Leiter des Real-Marktes in Riesa glaubt nicht daran, dass es am Klub gelegen hat. „Bis in den Oktober hinein hatten wir ja noch Wetter zum Draußensitzen, es war sonnig und warm. Da kam für viele der Faschingsauftakt wohl einfach zu früh“, vermutet er. Vielleicht gibt es auch noch einen anderen Grund. „Für ein Pärchen gehen mit Eintritt, Essen und Trinken durchaus mal 100 Euro pro Abend drauf. Manche können sich das nicht mehr leisten. Früher kamen sie zu zwei, drei Veranstaltungen, heute nur noch zu einer“, sagt er.

Viele junge Leute

Mindestens 100 Karten sollten schon verkauft sein, hinzu kommen dann ja noch die 50 Vereinsmitglieder. „Bei weniger Besuchern haben wir nicht nur eine finanzielle Einbuße, sondern auch ein Motivationsproblem. Denn vor so wenigen Leuten zu spielen, macht einfach keinen Spaß, die Stimmung im Saal ist eine ganz andere“, sagt Wolfgang Kutsche.

Dass es weniger Nachfrage nach Karten gibt, weil auf engem Raum viele Karnevalsvereine existieren, dass sich diese möglicherweise „kannibalisieren“, glaubt er nicht. „Jeder Verein hat sein Stammpublikum. Es gibt keine Berührungsängste, keine Konkurrenz, sondern eine gute Zusammenarbeit, wir helfen uns untereinander“, sagt er. Und dazu gehöre auch die Absprache, dass man nicht im fremden Revier wildere, dort keine Veranstaltungen mache.

Nachwuchssorgen hat der Niederauer Verein nicht und unterscheidet sich dabei von vielen anderen Vereinen. Zwar drücken die Funkengarde und vor allem die Nachwuchs-Funken das Durchschnittsalter enorm, sind die meisten Minister, darunter drei Frauen, jenseits der 50, doch insgesamt gebe es eine gute Mischung. „Wir haben kein Nachwuchsproblem. Ich bin stolz, dass bei uns so viele junge Leute sind’“, sagt der Präsident. Neuerdings gibt es sogar eine aus jungen Männern bestehende „Husarentruppe“, die das Prinzenpaar beschützt. Das regiert in Niederau übrigens immer zwei Jahre. Ergeben hat sich das in DDR-Zeiten. Damals musste das Prinzenpaar die Kostüme selbst besorgen. „Es gab doch nichts. Und da lohnte es sich kaum, wegen einer Saison Kostüme anzufertigen“, erzählt er. Stolz ist er auch, dass die Niederauer stets ein Prinzenpaar aus der eigenen Gemeinde fanden. „Es ist nicht so, dass die Leute auf uns zukommen, aber wenn wir sie ansprechen, sind sie fast immer bereit, diese Rolle zu spielen“, sagt er.

Wolfgang Kutzsche versteht, dass es auch Faschingsmuffel gibt. „Fasching kann man niemandem aufdiktieren, man muss ihn mögen.“ Leute, die ihn nicht mochten, gab es vor allem zu DDR-Zeiten. „Wir wurden von Besuchern gewarnt, dass Stasileute im Saal saßen“, erinnert er sich. Einmal mussten wir am nächsten Tag beim Bürgermeister antreten, weil wir es wohl nach Ansicht dieser Leute zu weit getrieben haben“, erinnert er sich. Folgen hatte das nicht. „Wir sind an der Sache vorbeigeschrammt, vielleicht auch, weil wir ein junger Verein waren“, sagt er. Auch habe es Versuche gegeben, die Texte vorher vorzulegen.

Nah dran am Publikum

Viele Klubs haben die Wende nicht überlebt, weil sie sich mit dem Programm schwertaten. Dieses „Zwischen-den Zeilen-Lesen“ war nicht mehr nötig, jeder konnte alles sagen. Ein neue Situation auch für die Karnevalisten. „Ich gebe zu, in den ersten Jahren haben wir nur Klamauk gemacht“, sagt der Niederauer. Inzwischen gibt es auch wieder Politsatire. Was es nicht gibt in Niederau, sind ellenlange Prunksitzungen wie im Rheinland. „Wir machen Volkskarneval. Die meisten Gags finden nicht auf der Bühne, sondern auf dem Tanzparkett statt. Wir wollen nah an unserem Publikum sein, uns nicht von ihm abheben“, sagt er.

Das werden die Närrinnen und Narren nun bald wieder tun können. Eine Absage der zahlreichen Veranstaltungen steht überhaupt nicht zur Debatte, im Gegenteil. Bis auf den Rosenmontag sind alle Veranstaltungen praktisch ausverkauft. Der November war wohl ein „Ausrutscher“. Passend dazu ist das Motto der diesjährigen Saison: Zur 32. sind wir lange nicht satt- der NKC feiert mit allem, was Flügel hat!“

Der Kartenverkauf der vorbestellten und Restkarten erfolgt am 28. Januar ab 19.30 Uhr im Kulti Niederau.

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