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Der Aussichtsturm geht in den Winterschlaf

Die Arbeit für dieses Jahr ist erledigt, das Denkmal vorerst geschlossen. Im Advent jedoch ist es noch einen Blick wert.

Von Heike Stumpf

In der Adventszeit werden alljene, die zum Aussichtsturm in Böhrigen schauen, belohnt. Zumindest, wenn es dunkel ist. Denn dann leuchtet oben auf dem Turm ein Adventsstern. Den anzubringen, war eine der letzten praktischen Arbeiten für die Mitglieder des Vereins Aussichtsturm Striegistal – und wie jedes Jahr eine Herausforderung.

Garten
Der Garten ruft
Der Garten ruft

Die Gartenzeit läuft aber nichts geht voran? Tipps, Tricks und Wissenswertes haben wir hier zusammengetragen. Vorbei schauen lohnt sich!

„Mehrere Sterne haben wir durch den heftigen Wind dort oben schon eingebüßt“, sagt Carola Bunde, die zweite Vorsitzende. Daher sei eine Strategie entwickelt worden, den Stern regelrecht einzuspinnen, damit er nicht zerzaust und zerstört wird. Gelingt das, ist das für die Sternenbeauftragten schon ein schöner Lohn.

Für den müssen auch sie zunächst 142 Stufen erklimmen – so, wie jeder Besucher. Der wird dann für gewöhnlich mit einem herrlichen Blick auf die ihm zu Füßen liegenden Orte und ins Striegistal belohnt. Wie viele Leute sich in diesem Jahr die Mühe machten, außer Atem gerieten und dann häufig trotzdem zufrieden auf der Plattform übers Land schauten, das wissen die Vereinsmitglieder nicht. Offen war der Turm von April bis Oktober an den Wochenenden und in den Sommerferien täglich von 8 bis 18 Uhr. „Wir haben uns schon manchmal überlegt, wie wir die Besucher zählen können, sind aber zu keinem System gekommen, das von den Finanzen und vom Aufwand her vertretbar ist“, begründet Carola Bunde.

Nur mit der Klammer geht’s hinauf

Dafür haben sie eine prima Lösung gefunden, um vorzubeugen, dass es auf der Plattform eng wird, sich die Besucher dort auf die Füße treten. Acht Wäscheklammern hängen am Eingang. Wer aufsteigt, nimmt eine mit. Wer wieder unten angekommen ist, hängt sie zurück. Ist nichts mehr auf der Leine, heißt es: warten.

Ziemlich lange warten mussten die Vereinsmitglieder auch darauf, die Begrünung um den Turm aufzufrischen. Denn die bestellten Pflanzen kamen ziemlich spät. Nun sind sie aber nach einem samstäglichen Arbeitseinsatz in den Boden gebracht.

Auf Erhaltung wird auch die Vereinsarbeit in den nächsten Jahren ausgerichtet sein, schätzt Carola Bunde ein. Die meiste Arbeit haben sie und ihre Mitstreiter in die Wiedernutzbarmachung des Denkmals gesteckt. Das war vorher nahezu wie der Dornröschenturm zugewachsen und wegen baulicher Mängel nicht mehr begehbar. Ab Juli 2011 können Besucher nach oben gelassen werden. Seitdem kommen Neugierige wieder. Dafür hat sich die Infrastruktur mit einem neuen Rad- und Wanderweg verbessert. Eine neue Wanderhütte bietet Platz für die Rast und Schutz vor Wind und Regen. Zum Turm hin sind Obstbäume und um den Aussichtspunkt ist eine Benjeshecke gepflanzt worden. Das Grün wird von einem Wildzaun geschützt, der immer wieder zu reparieren ist. Auch ein Insektenhotel ist aufgestellt worden.

Neben der Arbeit wie jetzt der Pflanzaktion oder dem Winterfestmachen treffen sich die Vereinsmitglieder auch zum Vergnügen. Jedes Jahr steht eine Turmausfahrt an. Unter anderem besichtigten sie schon die Türme in Löbau oder Herrnhut. Und sie freuen sich schon auf den nächsten Turmfrühling – ein kleines Fest zum Saisonauftakt. Das hat sich mit der neu angelegten Kirschallee und den dort in die Erde gekommenen Kirschbäumen so ergeben.

Außerdem wird sich der Verein auch 2014 am Tag des offenen Denkmals beteiligen und vielleicht schon an 2016 denken. Dann jährt sich die Einweihung des Turmes zum 125. Mal. Erbauen ließ ihn der Fabrikant Carl Gustav Leonhard aus Böhrigen in den Jahren 1890/91 – ein Vorfahre von Carola Bunde. Sie ist sich ziemlich sicher, dass der stolz wäre, wenn er sehen könnte, was die 62 Vereinsmitglieder und die Kommune aus dem Turm gemacht, mit wie viel Einsatz sie den Aussichtspunkt wieder hergerichtet haben.