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Bautzen

Der autofreie Berg

Sommerserie Hoch hinaus: Ohne Körpereinsatz geht es auf den Valtenberg in Neukirch nicht hinauf. Aber gerade das bestimmt den Reiz des Gipfels.

Valtenbergwirt Andreas Hübner ist es gewohnt, dass seine Gäste hungrig und durstig in seiner Baude ankommen. Nach einer zünftigen Stärkung geht’s hoch auf den historisch bedeutsamen Turm. Geöffnet hat der ganzjährig während der Öffnungszeiten der Bergbaud
Valtenbergwirt Andreas Hübner ist es gewohnt, dass seine Gäste hungrig und durstig in seiner Baude ankommen. Nach einer zünftigen Stärkung geht’s hoch auf den historisch bedeutsamen Turm. Geöffnet hat der ganzjährig während der Öffnungszeiten der Bergbaud © Steffen Unger

Neukirch. Dort, wo sich einer der unzähligen Waldpfade vom zentralen Wanderweg abzweigt und schlängelnd im dichten Forst verschwindet, wo sich gleißende Sonnenstrahlen den Weg durch’s dichte Grün der Buchen bahnen und die Lichtpunkte lustig auf dem Boden tanzen, eröffnet sich dem aufmerksamen Beobachter ein Blick in eine märchenhafte Welt: Wie mannshohe Soldaten zieren ungezählte Knabenkrautgewächse den Wegesrand, schrauben sich in die Höhe und stehen wiegend im leichten Wind Spalier. In allen Schattierungen vom reinen Weiß bis ins tiefe Purpur präsentiert sich die Heilpflanze, die zur Gattung der Orchideengewächse gehört. Ein Anblick, der in unseren Breiten rar ist, denn das Kraut gedeiht nur noch selten, steht unter strengem Naturschutz.

Wanderer auf dem Valtenberg jedoch haben in den Sommermonaten unentwegt Gelegenheit, sich an seinem Anblick zu erfreuen, genau wie an der Anwesenheit seltener Tierarten wie Fischotter, Kammmolch oder Uhu. Das Gebiet rund um den Gipfel ist als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen – aber längst nicht nur deswegen besonders. In 587 Metern befindet sich die Spitze der höchsten Erhebung des Oberlausitzer Berglandes. Einzigartig macht den Valtenberg außerdem, dass auf seinem Gipfel der einzige Aussichtsturm mit Baude in der Umgebung steht, zu dem Autofahrer keine Zufahrtsberechtigung haben.

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Den Gipfel erklimmt man hier vorzugsweise auf sportive Art – zu Fuß, mit dem Mountain- oder, voll im Trend, mit dem E-Bike. Im Winter führen sauber gespurte Loipen bis zur Spitze. Und oben – am Fuße des 25 Meter hohen König-Johann-Turms – warten in ihrer gemütlichen Baude ganzjährig Andreas Hübner und seine Partnerin Birgit Weber auf hungrige Münder und durstige Kehlen ihrer Besucher.

Die Abwesenheit von motorisiertem Verkehr ist für die beiden Wirtsleute Fluch und Segen zugleich: „Unsere Gäste schätzen, dass sie hier im Wald ganz und gar ihre Ruhe haben“, weiß Andreas Hübner. Der kürzeste Aufstieg zum Gipfel führt für sie über die teils asphaltierte, teils gesplittete Straße vom Touristenparkplatz in der Nähe des Neukircher Ostbahnhofs auf einer Länge von etwa drei Kilometern einen gemäßigten Anstieg hinauf. Für Andreas Hübner und Birgit Weber bedeutete die holperige Anfahrt die Anschaffung eines Pkws mit Allradantrieb – und die Einführung einer guten Logistik: „Angeliefert werden hier oben nur die Getränke“, erklärt der Wirt der Bergbaude. Die Lebensmittel karren er und seine Partnerin regelmäßig selbst auf den Berg – genau wie die Pauschalkräfte, die sie an umsatzstarken Tagen unterstützen. „Wir nehmen das Personal morgens mit hinauf und abends wieder mit hinunter“, erklärt Birgit Weber. Zur Folge hat das, dass es kaum möglich ist, kurzfristig für Unterstützung zu sorgen, sollten sich ungeplant größere Wandergruppen in der Bergbaude einfinden. Dann stehen sie zu zweit ihren Mann – Andreas Hübner im Service und Birgit Weber in der Küche.

Seit acht Jahren betreibt das Paar die Gastronomie, die sie von der Gemeinde gepachtet haben – und trotzen allen widrigen Umständen. Ans Aufhören denken sie nicht und sind dankbar, dass die Gemeindeverwaltung wenigstens die schlechtesten Stellen der Straße Stück für Stück saniert hat. Andreas Hübner hat Verständnis: „Für so etwas muss eben auch das nötige Kapital vorhanden sein.“ Was den Betreiber der Baude weit mehr ärgert, sind Wanderer, die ihre eigenen Speisen mit auf den Berg bringen und am Fuß des Aussichtsturms Rast machen. „Viele Leute regen sich über das Gaststättensterben auf, wenn es aber darum geht, die lokalen Wirte mit der Einkehr zu unterstützen, siegt dann doch der Geiz“, bedauert Andreas Hübner.

Für die, die frische Küche dem belegten Brötchen von zu Hause vorziehen, wird grundständige Hausmannskost serviert. Die Fähigkeiten, diese schmackhaft zuzubereiten hat die Köchin der Baude sich selbst angeeignet. Zünftige Gerichte gibt es bereits für unter zehn Euro. Der Geheimtipp der Valtenbergbaude: das Bauernfrühstück. „Es gibt Gäste, die kommen nur deswegen hier hinauf“, erklärt Andreas Hübner mit wissendem Lächeln.

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Eine weitere reizvolle Belohnung für den Aufstieg ist der weite Blick, der sich vom 173 Jahre alten Aussichtsturm von der Sächsischen Schweiz über das gesamte umgebende Bergland erstreckt. Gut gestärkt sind die 119 Stufen hinauf in Windeseile erklommen und kleine Gäste können überschüssigen Energien auf dem fantasievollen Spielplatz hinter der Baude freien Lauf lassen.

http://www.bergbaude-valtenberg.de/

© SZ-Grafik

Die Geheimnisse des Valtenbergs entdecken

Hinkommen: Die Valtenbergbaude ist über zahlreiche, gut ausgeschilderte Wanderwege zu erreichen. Einen etwa 3,3 Kilometer langen Marsch hat vor sich, wer das Auto am Wanderparkplatz an der Neukircher Karl-Berger-Straße abstellt und von dort losläuft. Alternative Startpunkte für längere Touren finden sich entlang der Hohbergstraße von Steinigtwolmsdorf aus. Ambitionierte Wanderer finden hier den Beginn des Oberlausitzer Bergwegs. Radler gelangen über den Fernradweg Sächsisches Mittelgebirge auf den Berg.

Abstecher am Wegesrand: Am Fuße des Valtenbergs verläuft auf einer Strecke von etwa drei Kilometer Länge ein Waldlernpfad. Auf 36 Tafeln lässt sich hier Wissenswertes über die umgebende Flora und Fauna erfahren. Das Wasserrad im Waldbach und die nahegelegene Oase der Sinne sorgen für ganzheitliche Naturerlebnisse.

Etwa fünf Minuten Fußweg von der Baude entfernt entspringt die Wesenitz aus dem Valentin Erbstollen. Am Berthelsdorfer Steinbruch auf der Südseite des Valtenbergs lässt sich das Goldmännchen entdecken – ein Naturdenkmal aus verwittertem Granodiorit.

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