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Der Bademeister geht in Rente

Irgendwie steckt es eben in ihm drin. Klaus Naggatz schaut sich in seinem Bad um, und würde am liebsten gleich wieder zum Laubbesen greifen. Doch als am 1.September die diesjährige Badsaison endete, war das kein üblicher Abschied vom Sommer wie in den vergangenen zehn Jahren für den 63-Jährigen.

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Von Torsten Oelsner

Irgendwie steckt es eben in ihm drin. Klaus Naggatz schaut sich in seinem Bad um, und würde am liebsten gleich wieder zum Laubbesen greifen. Doch als am 1.September die diesjährige Badsaison endete, war das kein üblicher Abschied vom Sommer wie in den vergangenen zehn Jahren für den 63-Jährigen. Es war seine letzte Saison in „seinem“ Elbgaubad als Schwimmmeister. In der Funktion, in der ihn viele Weinböhlaer und Gäste der Gemeinde kennen.

Die Entscheidung, diesen Job überhaupt zu machen, hatte Naggatz im Alter von 53 Jahren getroffen. Besser, treffen müssen. Bis dahin hatte er sich in der EWS vom einfachen Werkzeugmacher bis zum Bereichsmeister hochgearbeitet. Und das, obwohl er gar keinen Meisterabschluss hat. Nach der Wende gab das den Ausschlag, als es um Entlassungen ging.

Stolz ist er heute noch, wenn er daran denkt, wie seine Mutter es geschafft hat, für alle drei Kinder eine Lehrstelle zu bekommen und das finanziell durchzustehen. Besonders, da die aus Pommern vertriebene Familie hier fremd war und der Vater in den letzten Kriegstagen ums Leben kam.

Seit 1975 wohnt Klaus Naggatz nun schon in Weinböhla. Zwei Töchter haben er und seine Frau groß gezogen. Inzwischen sagen auch zwei Enkel Opa zu ihm. Den Schritt, mit 53 Jahren noch einmal neu anzufangen, hat er nicht bereut. Im Gegenteil. In seiner Arbeit geht er voll auf und wird auch von den Jugendlichen als Respektsperson angesehen. Obwohl man sich schon häufiger mit diesen auseinander setzen müsse, sagt Naggatz. „Man ist da eben auch ein Art Erzieher. Ordnung und Sauberkeit, das muss einfach sein“, sagt er. Auch wenn er nicht viel ausrichten kann, wenn er sehe, wie Fünftklässler sich mit stolz geschwellter Brust eine „Lunte“ anzünden und damit prahlen. Besonders stolz sei er immer gewesen, wenn die Senioren, die früh ihre Runden im Bad schwammen, sich wohl fühlten und seine Arbeit lobten.

Passiert sei in seiner Amtszeit nichts. „Toi, toi, toi“, so Naggatz. Nur einmal habe er einen Betrunkenen aus dem Wasser holen müssen, als Worte nichts mehr halfen. Selbst zu Elternbesuchen brach Naggatz schon auf. „Sonst kann ich ja auch ein Badeverbot verhängen, aber das muss ja nicht sein, wenn es auch im Guten geht“, sagt er und klingt dabei wieder ganz wie ein alter Lehrmeister. Am 1. Februar kommenden Jahres hört Naggatz „richtig“ auf zu arbeiten. Denn er ist Angestellter der Gemeinde Weinböhla. Immer wenn die Badsaison vorbei war, feierte er wie jetzt seine vielen Überstunden ab, die während des langen Sommers aufliefen und arbeitete dann in der kalten Jahreszeit im Bauhof der Gemeinde beim Winterdienst.

Für sein Dasein als Rentner hat sich Naggatz eine ganze Menge vorgenommen. „Wir, meine Frau und ich, wollen jetzt ein paar Bildungsreisen machen, nach Kanada und später Mexiko.“ Auch am Haus gebe es jede Menge zu tun. So soll als nächstes das Dach gedeckt werden.

Einen Nachfolger hat Naggatz noch nicht. „Im Sommer war ein Praktikant mit dabei“, sagt er. „aber, ob die Gemeinde ihn einstellt, weiß ich nicht.“