SZ +
Merken

Der Ball ist bunt

Der Hainsberger SV veranstaltet ein Fußball-Integrationsturnier. Organisator Candido Mahoche sieht sich als Vermittler.

Teilen
Folgen

Von Tobias Winzer

Für viele ist Fußball die schönste Nebensache der Welt – für Candido Mahoche am 5. Juli auch. „Es geht darum, dass Einheimische und Asylbewerber miteinander ins Gespräch kommen“, sagt der gebürtige Mosambikaner, der seit 35 Jahren in Deutschland lebt. Zusammen mit dem Hainsberger Sportverein, in dem er ehrenamtlich als Jugendtrainer arbeitet, organisiert er an diesem Tag ein Fußball-Integrationsturnier.

Von 9.30 bis 16 Uhr treten auf dem Platz an der Kirchstraße in Hainsberg acht bis zehn Mannschaften gegeneinander an – darunter ein mosambikanisches, ein vietnamesisches, ein russisches Team und zwei Mannschaften mit Freitaler Asylbewerbern. Den Kontakt zu den Flüchtlingen hat Mahoche, der auch für die CDU im Stadtrat sitzt, über das Willkommensbündnis hergestellt. Der 57-Jährige verspricht sich besonders viel von dem anschließenden Zusammensitzen bei Bier und Bratwurst.

Er und die anderen Migranten wollen den Asylbewerbern Tipps geben, wie sie sich gut in die Freitaler Gesellschaft integrieren können. „Wer integriert werden will, wird auch integriert“, ist sich Mahoche sicher. Er hat Verständnis für die wöchentlichen Proteste gegen die Flüchtlinge in Freital. „Die Leute wollen einfach eine Erklärung haben“, sagt er und erinnert sich an seine eigene Ankunft in Deutschland.

Als er 1980 als Gastarbeiter nach Dresden kommen sollte, besuchte ein DDR-Abgesandter die Auserwählten vorher in Mosambik. „Er hat uns erklärt, wie man sich in der DDR verhalten muss“, sagt er. „Dass man höflich sein muss und zum Beispiel im Bus für Ältere aufstehen sollte. Und dass die Deutschen Bockwurst und viel Kartoffeln essen.“

In Dresden sei man über die Ankunft der Gastarbeiter informiert gewesen. „Am Nachmittag kamen die Schulkinder zu uns, um sich Schwarze anzusehen“, sagt Mahoche und lacht. „Das war vollkommen okay.“ Ähnliches müsse es aus seiner Sicht auch heute in der Erstaufnahmeeinrichtung in Chemnitz geben. „Dort könnte man den Asylbewerbern, die nach Freital kommen, erklären, wie man sich in der Stadt verhalten sollte.“

Mahoche, der als Braumeister bei Feldschlößchen arbeitet, denkt nicht, dass Freital ein Rassismus-Problem hat. „Sonst wäre ich nicht Jugendtrainer beim Hainsberger SV und würde nicht im Stadtrat sitzen.“ Die Asylbewerber müssten sich aber auch ordentlich verhalten.

Für das Integrationsturnier bekommen die Asylbewerber einen neuen Trikotsatz vom Hainsberger SV, den sie behalten können. „Wir können uns durchaus vorstellen, dass sie auch weiterhin bei uns mitmachen“, sagt Mahoche.

Und natürlich geht es bei dem Turnier nicht nur um Verständigung und Integration, sondern ein bisschen auch um den Sieg. Gespielt wird in Teams von sieben Mann. Jeder tritt gegen jeden an. Mit dabei ist auch eine Freitaler CDU-Mannschaft mit Bundestagsmitglied Klaus Brähmig.

Die Spielzeit beträgt zwölf Minuten. Der Sieger bekommt einen Pokal und geht somit als Titelverteidiger ins nächste Jahr. Denn das Integrationsturnier soll nach den Plänen von Mahoche keine einmalige Sache sein. Im Oktober plant er ein Integrationsturnier für Kinder. Und im kommenden Jahr soll es die zweite Auflage für die Erwachsenen geben.