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Feuilleton

Der Berliner Tatort war Ringelpiez mit Anfassen

Der neunte „Tatort“ führt die Berliner Ermittler Karow und Rubin ins eigene Milieu und in eine wirre Beziehungskiste.

Nina Rubin (Meret Becker), im Amüsieroutfit, ist in Sorge um Sohn Tolja (Jonas Hämmerle). Der Polizeischüler wurde angeschossen und ist traumatisiert. Da hat Kommissar Robert Karow (Mark Waschke) schon erste Fragen.
Nina Rubin (Meret Becker), im Amüsieroutfit, ist in Sorge um Sohn Tolja (Jonas Hämmerle). Der Polizeischüler wurde angeschossen und ist traumatisiert. Da hat Kommissar Robert Karow (Mark Waschke) schon erste Fragen. © RBB

Von Thomas Schade

Nach 29 Minuten knallt’s. Da regt sich Nina Rubin auf, weil Sohn Tolja dem Kollegen Robert Karow mehr vertraut als ihr. Karow reagiert mit einem seiner zynischen Kalauer: „Vielleicht sind Sie ihm gerade zu gluckig“. Patsch. Da verpasst Rubin ihrem Partner eine in die Backen. Zuletzt musste Kommissarin Charlotte Lindholm im Januar eine Backpfeife einstecken.

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Im jüngsten Berliner „Tatort“ geht es ansonsten zu wie immer. Karow (Mark Waschke) ist im Ganzkörperkondom schon fleißig bei der Tatortarbeit, da trifft Kollegin Rubin (Meret Becker) gerade erst ein – im Bordsteinschwalben-Outfit, weil sie wieder im Nachtleben einen abgeschleppt hat.

Doch für die Kommissarin mit Herz und Schnauze wird es schnell ernst, als sie entdeckt, dass Sohn Tolja als Polizeischüler in eine Schießerei mit Drogendealern verwickelt ist, bei der eine Kollegin starb.

Schritt für Schritt dringen Rubin und Karow zu einem Familiendrama vor, in dessen Mittelpunkt Harald Stracke steht, ein Polizeihauptmeister mit über 30 Dienstjahren und jeder Menge Frust auf dem Buckel.

Es ist eine wild konstruierte Geschichte, die der Krimi-erfahrene Autor Christoph Dranstädt für den RBB schrieb. Der Schweizer Regisseur Christian von Castelberg, seit 1994 im „Tatort“-Geschäft, setzt die Geschichte spannend und stringent um. Er gibt Einblicke in das oft frustrierende Berufsleben der Streifenhörnchen. So nennen Polizisten jene Kollegen, die Tag für Tag und Nacht für Nacht auf der Straße mit den Schlechtigkeiten des Lebens konfrontiert sind. Geprügelte Ehefrauen, misshandelte Kinder, bestohlene Ladenbesitzer, zugedröhnte Junkies, ausgeraubte Teenager sind deren tägliche Bekanntschaften auf Streife. Druck, dem nicht jeder standhält.

Im Krimi „Auf gutem Weg“ verkörpert Performance- und Improvisationskünstler Peter Trabner den Polizisten Stracke zurückhaltend, fast mitleiderregend. Dramatisches Talent zeigt er am Ende, als man ihn in die Enge treibt.

Nina Rubin lebt ihre Sorge um Sohn Tolja aus. Robert Karow ätzt wieder als brillanter Zyniker durch das Geschehen, legt die Gerichtsmedizinerin flach, um sie am Tag danach rassistisch und sexistisch anzumachen. Doch es ist eben Karow, der merkt, dass die tödliche Begegnung in der Dealerwohnung kein Zufall war, sondern „Ringelpiez mit Anfassen“, wie er es nennt – eine kalkulierte Aktion, bei der Streifenbulle Stracke die Kollegin loswerden wollte, die sein dunkles Geheimnisse kannte.