merken
PLUS Weißwasser

Der Bienenretter von Weißwasser

Sören Flint ist Schädlingsbekämpfer. Oft rettet er bei Einsätzen aber auch geschützte Tiere.

Bevor Sören Flint den Bienenschwarm einfangen kann, besprüht er die Tiere mit Wasser, um sie ruhiger zu machen.
Bevor Sören Flint den Bienenschwarm einfangen kann, besprüht er die Tiere mit Wasser, um sie ruhiger zu machen. © Sabine Larbig

Wespennest am Balkon, Maulwürfe im Vorgarten, Mäuse unter Holzdielen, Hornissen im Dachkasten, Fledermäuse im Dachboden: bei tierischen Vorkommnissen ist Sören Flint gefragt. Der Weißwasseraner Hobbyimker ist seit 2006 als Schädlingsbekämpfer tätig und wird – statt andernorts die Feuerwehr – seither im Altkreis Weißwasser bei derartigen Vorfällen gerufen.

Kürzlich beauftragte ihn die Stadtverwaltung Weißwasser mit einem Einsatz in der Dr.-Altmann-Straße/Ecke Straße der Glasmacher. Bürger hatten informiert, dass in einem Zierstrauch auf einer öffentlichen Grünfläche im Wohngebiet ein Wespennest hängt. Um die Gefahrenquelle für Anwohner, Haustiere und Fußgänger zu beseitigen, schickte die Stadtverwaltung den Schädlingsbekämpfer. Der war binnen weniger Minuten vor Ort. Was Sören Flint vorfand, waren jedoch keine Wespen, sondern ein Schwarm von Honigbienen.

Anzeige
Wie leben Familien in Sachsen?
Wie leben Familien in Sachsen?

Die große Umfrage zur Familienzufriedenheit geht in eine neue Runde. Jede Antwort zählt!

Die, vermutet er, seien aus Platzmangel in ihrer Behausung bei einem Imker „ausgebüchst“ und nun auf der Suche nach einem neuen Zuhause. Immerhin können Bienen bis zu vier Kilometern fliegen. „Jetzt muss der Schwarm schnell gefangen werden, weil die Kundschafterbienen bereits unterwegs sind. Wenn der Schwarm erst als Wolke durch die Stadt fliegt und irgendwo ein neues Nest, beispielsweise in einem Schornstein oder hinter einer Fassade baut, ist er nicht mehr zu retten.“

Hunderte Honigbienen, eine gelb-schwarze, vibrierende und laut summende Traube bildend, haben sich an einem Strauch inmitten von Weißwasser niedergelassen. Die Tiere suchen ein Zuhause. Doch für Fußgänger, Haustiere und Anwohner stellen sie eine Gefahr da
Hunderte Honigbienen, eine gelb-schwarze, vibrierende und laut summende Traube bildend, haben sich an einem Strauch inmitten von Weißwasser niedergelassen. Die Tiere suchen ein Zuhause. Doch für Fußgänger, Haustiere und Anwohner stellen sie eine Gefahr da © Sabine Larbig

Die Rettung der Tiere ist für den Spezialisten Sören Flint, der für den Einsatz einen Imkerschutzanzug, Wassersprühflasche, Astschere, Schwarmfangeimer mit Deckel und Einflugloch mitgebracht hat, oberstes Ziel. „Bienen, Hornissen und die meisten Wespenarten sind geschützt“, begründet er. „Wer Schwärme und Nester von ihnen findet, sollte daher niemals versuchen, sie selbst zu vertreiben, sondern immer einen Experten rufen.“ In den Sommermonaten, erzählt Flint, geschehen solche Anrufe zwei bis drei Mal pro Woche. „Schwierig werden Einsätze, wenn Schwärme in großer Höhe an Bäumen oder Dächern hängen. Dann ist es anstrengend, in Schutzkleidung samt Zubehör auf die Leiter zu klettern. Außerdem kann es sein, dass ein Dach geöffnet werden muss, um ein Nest zu bergen. Glücklicherweise habe ich das in 12 Jahren nur einmal erlebt“, bekennt Flint, dem die Erfahrungen als Imker bei seiner Arbeit als Schädlingsbekämpfer oft zugutekommen. Auch bei der Rettungsaktion der Honigbienen im Stadtzentrum.

„Zuerst besprühe ich die Tiere mit kaltem Wasser, weil Bienen durch Nässe nicht mehr so bewegungsfähig sind“, erklärt er, während Passanten – die auf ihn und seine Aktion aufmerksam wurden – aus gebührender Entfernung zuschauen. „Sind das Wildbienen?“, ruft ein Mann von der anderen Straßenseite. „Nein, Honigbienen. Die fange ich jetzt ein“, antwortet Sören Flint. Eine junge Frau mit Baby, die aus der Tür im Haus neben der Fundstelle kommt, sagt dankbar: „Ein Glück, dass sie da sind. Nun kann uns nichts mehr passieren.“

Passieren kann auch Sören Flint nichts, nachdem er den Schutzanzug angezogen hat und sich die besprühten Bienen kaum noch bewegen. Es ist der ideale Augenblick, die Äste mit dem daran hängenden gelb-schwarzen, vibrierenden, summenden Schwarm abzuschneiden und in den speziellen Fangeimer zu stecken. „Nun wird es spannend, braucht es eine halbe Stunde Geduld“, so der Bienenretter. „Wenn die Königin im Eimer ist, fliegen alle Bienen mit hinein. Ist sie noch draußen, fliegen alle wieder raus. Dann wäre die Rettungsaktion gescheitert und müsste, höchstwahrscheinlich irgendwo im Umfeld, neu gestartet werden.“ Doch der erste Versuch klappte. Zwar entwischten einige Bienen. Die werden sich, laut Flint, bei einem anderen Bienenvolk mit ihrem gesammelten Nektar um Aufnahme „einbetteln“, um zu überleben. „Der Schwarm im Eimer kommt dagegen eine Nacht in einen dunklen, kühlen Keller, bevor er umgesetzt wird“, erklärt sein Retter.

Normalerweise bringt der Hobbyimker gefangene Honigbienen zu seinen Völkern. Momentan geht das nicht, da jährlich im Juni und Juli um die Belegstelle „Blockstelle“ im Tagebau Nochten ein sieben Kilometer Schutzradius eingerichtet ist, weil dort Reinzucht von Bienenvölkern der Zuchtrichtung Melifera Carnica erfolgt. „Da meine Bienen im Schutzgebiet sind, kann ich jetzt keine Bienen unbekannter Art und Herkunft hinbringen. Auch, weil sie Krankheiten übetragen könnten.“ Der gerettete Schwarm wird deshalb bei einem Imker in Rietschen leben: in einem Schaukasten.

Mehr Nachrichten aus Weißwasser und Umland lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Weißwasser